Schiffbaustudent Justus Schiszler an der FH Kiel vor einem Bild, auf dem ein Schiff angedeutet ist© A. Wim­ber
Hat seine Ba­che­lor­ar­beit über Tauch­sa­fa­ri­schif­fe ab­ge­schlos­sen und stu­diert nun im Mas­ter an der FH Kiel: Jus­tus Schisz­ler.

Tauch­sa­fa­ris: Mehr Si­cher­heit für die Schif­fe

von Ann-Chris­tin Wim­ber

Manch­mal sind es die Um­stän­de, die aus einer miss­li­chen Lage eine glück­li­che Fü­gung ma­chen. So ge­sche­hen bei Jus­tus Schisz­ler, der Schiff­bau und Ma­ri­ti­me Tech­nik an der Fach­hoch­schu­le Kiel stu­diert und des­sen Thema für die Ba­che­lor­ar­beit kur­zer­hand flach­fiel. „Ei­gent­lich wollt ich bei der Flens­bur­ger Schiff­bau­ge­sell­schaft meine Ba­che­lor­ar­beit schrei­ben, wo ich als In­dus­trie­pro­jekt Flä­chen für den Bau von Schif­fen mit der Au­to­CAD-Soft­ware aus­wer­ten muss­te. Wäh­rend des Prak­ti­kums hatte ich alles Schiffs­bau­li­che schon ab­ge­ar­bei­tet. Es stell­te sich aber her­aus, dass das Thema dann doch zu IT-las­tig war und sich nicht für eine Ba­che­lor­ar­beit eig­ne­te.“

Doch Dr.-Ing. Hen­drik Dan­kow­ski, Pro­fes­sor für Pro­fes­sor für Ent­wer­fen von Schif­fen und Ma­ri­ti­men Um­welt­schutz an der FH Kiel, er­hielt kürz­lich eine An­fra­ge von Armin Süss, Be­trei­ber der In­ter­net­platt­form tau­cher.net. Erst vor kur­zer Zeit war wie­der ein­mal ein Tauch­sa­fa­ri­schiff ge­ken­tert. Süss frag­te, ob je­mand an der FH Kiel In­ter­es­se hätte, zu re­cher­chie­ren, warum es immer wie­der zu sol­chen Un­fäl­len kommt und wie man sie ver­hin­dern könn­te. Schisz­ler hatte In­ter­es­se - und ein neues Thema.

Dass der junge Nie­der­sach­se in Kiel ge­lan­det ist, re­sul­tiert eben­falls aus einer für ihn nicht ganz op­ti­ma­len Si­tua­ti­on. Denn ei­gent­lich hatte der heute 23-Jäh­ri­ge in Mün­chen an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät an­ge­fan­gen, Ma­schi­nen­bau zu stu­die­ren. „Das war mir zu un­per­sön­lich. Wir waren über 500 Erst­se­mes­ter.“ Hinzu kam der lange An­fahrts­weg von gut ein­ein­halb Stun­den, denn eine Woh­nung in der Nähe der Uni konn­te sich der junge Stu­dent nicht leis­ten. Also such­te Schisz­ler nach Al­ter­na­ti­ven. Ein In­ge­nieur­be­ruf soll­te es sein, aber nicht so all­ge­mein. So stand er schlie­ß­lich vor der Wahl: Luft- und Raum­fahrt­tech­nik oder Schiff­bau. „Ich se­ge­le gerne - da habe ich mich für Kiel ent­schie­den.“ An der Fach­hoch­schu­le und in sei­nem Stu­di­en­gang Schiff­bau und Ma­ri­ti­me Tech­nik fühlt sich Schisz­ler wohl. Vor kur­zem hat er seine Ba­che­lor­ar­beit ab­ge­ge­ben, jetzt hat er mit dem Mas­ter­stu­di­um be­gon­nen.

Aus­lö­ser für die An­fra­ge an die Fach­hoch­schu­le, das Thema Un­fäl­le von Tau­ch­ur­laubs­jach­ten ge­nau­er zu un­ter­su­chen, war das Ken­tern des Tauch­sa­fa­ri­schif­fes Carl­ton Queen im April 2023 in Ägyp­ten. „Es galt her­aus­zu­fin­den, ob diese Un­fäl­le mit der Füh­rung des Schif­fes, mit schiff­bau­li­chen As­pek­ten oder mit bei­dem zu­sam­men­hän­gen“, er­läu­tert Schisz­ler, „also etwa: War das Schiff für eine be­stimm­te Wel­len­hö­he nicht aus­ge­legt, wurde seine Sta­bi­li­tät be­ein­träch­tigt und ähn­li­che kon­struk­ti­ons­sei­ti­ge Ge­ge­ben­hei­ten.“ Eine her­aus­for­dern­de Auf­ga­be, wie Schisz­ler bald be­merk­te.

 Zu­nächst er­stell­te er eine Sta­tis­tik der ver­un­glück­ten Schif­fe und der Ur­sa­chen von 2006 bis April 2023. „Das ist na­tür­lich nicht gleich­zu­set­zen mit einem of­fi­zi­el­len Un­ter­su­chungs­be­richt“, be­tont der Stu­dent. Oft gab es keine of­fi­zi­el­len Un­fall­be­rich­te, des­halb ver­such­te Schisz­ler immer, min­des­tens zwei un­ab­hän­gi­ge Quel­len für die Auf­lis­tung der Un­fäl­le zu fin­den. „Trotz­dem sind die Va­ri­anz in­ner­halb der Sta­tis­ti­ken re­la­tiv groß und daher mit Vor­sicht zu ge­nie­ßen. Rich­ti­ge See­unfall­un­ter­su­chun­gen wür­den meh­re­re Jahre dau­ern, Be­fra­gun­gen aller Be­tei­lig­ten und eine um­fang­rei­che Schiffs­ana­ly­se be­inhal­ten. Ein wei­te­res Pro­blem: Tou­ris­tisch ge­nutz­te Schif­fe haben oft keine Bau­plä­ne, oder diese sind nicht ein­seh­bar. Schisz­ler muss­te sich daher bei Be­darf mit Decks­plä­nen be­hel­fen. „Über das Tank­deck, das schiff­bau­lich am in­ter­es­san­tes­ten ist, gab es am we­nigs­ten In­for­ma­tio­nen“.

Zu­min­dest lie­ßen sich die ver­mut­li­chen Un­fall­ur­sa­chen grup­pie­ren. Auch die Vor­schrif­ten­la­ge un­ter­such­te Schisz­ler und ver­glich die Un­fall­zah­len mit denen der all­ge­mei­nen Schiff­fahrt. Schisz­lers Fazit? „Viele der ver­un­glück­ten Tauch­sa­fa­ri­schif­fe wer­den auf tra­di­tio­nel­len Werf­ten ohne Kon­struk­ti­ons­plä­ne ge­baut - eben so, wie sie schon immer ge­baut wur­den. Of­fen­sicht­lich gibt es auch keine Re­geln, nach denen die Taug­lich­keit sol­cher Boote aus­rei­chend kon­trol­liert wer­den kann.“ Das wol­len tau­cher.net und Schisz­ler än­dern. Sie wol­len eine Art Sie­gel ein­füh­ren, das die Si­cher­heit eines Tauch­sa­fa­ri­schif­fes für die je­wei­li­gen Ge­wäs­ser, in denen es un­ter­wegs ist, be­schei­nigt. Das wäre auch eine Mög­lich­keit für die An­bie­ter sol­cher Tou­ren, für ihr Un­ter­neh­men zu wer­ben, meint Schisz­ler.

Der Weg dahin ist stei­nig. Doch die Ba­che­lor­ar­beit hat Schisz­ler eine neue Rich­tung auf­ge­zeigt. Er könn­te sich gut vor­stel­len, in Zu­kunft für die Bau­auf­sicht einer Klas­si­fi­ka­ti­ons­ge­sell­schaft zu ar­bei­ten.

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