Menschen um ein Schild© J. Kläschen
Ga­brie­le Braun und Bas­ti­an Menge (hin­ten rechts) lei­ten den Wel­co­me Ger­man Cour­se für Ge­flüch­te­te aus der Ukrai­ne.

Wel­co­me Ger­man Cour­se – Deutsch­kurs für Ge­flüch­te­te aus der Ukrai­ne

von Joa­chim Kläschen

Als sich die Lage in der Ukrai­ne für die dort le­ben­den Men­schen zu­se­hends ver­schlech­ter­te und erste Flücht­lin­ge auch in Deutsch­land an­ka­men, woll­ten das Team ‚Deutsch als Fremd-/Zweit­spra­che‘ des Zen­trums für Spra­chen und In­ter­kul­tu­rel­le Kom­pe­tenz (ZSIK) der FH Kiel einen Bei­trag zu deren Un­ter­stüt­zung leis­ten.

Menschen um ein Schild©J. Kläschen
Ga­brie­le Braun und Bas­ti­an Menge (hin­ten rechts) lei­ten den Wel­co­me Ger­man Cour­se für Ge­flüch­te­te aus der Ukrai­ne.

„Die An­fra­ge un­se­res Vi­ze­prä­si­den­ten To­bi­as Hoch­scherf, ob wir im Som­mer­se­mes­ter einen Kurs an­bie­ten könn­ten, kam genau rich­tig“, er­in­nert sich Ga­brie­le Braun vom ZSIK. „Kurz­fris­tig haben wir das An­ge­bot mit Un­ter­stüt­zung un­se­rer Lei­tung, Prof. Dr. Ute Va­ni­ni, und in Zu­sam­men­ar­beit mit den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen der Zen­tra­len Stu­die­ren­den­be­ra­tung und des Stu­die­ren­den­se­kre­ta­ri­ats auf die Beine ge­stellt.“

Seit Ende April kom­men zehn Frau­en und ein Mann aus der Ukrai­ne zwei­mal in der Woche als Gast­hö­rer*innen der FH für einen Deutsch­kurs in das ZSIK. Im ‚Wel­co­me Ger­man Cour­se‘ er­wer­ben oder ver­tie­fen sie sprach­li­che Grund­la­gen für die Be­wäl­ti­gung des All­tags in Deutsch­land.  „Wir ver­su­chen, von An­fang an so viel wie mög­lich Deutsch zu spre­chen“, er­klärt Braun. „Aber um bei­spiels­wei­se die schwer ver­dau­li­che deut­sche Gram­ma­tik zu er­klä­ren, nut­zen wir auch Eng­lisch“, er­gänzt die Do­zen­tin. „Und wir haben auch mal unser ros­ti­ges Schul-Rus­sisch raus­ge­kramt“, lacht ihr Kol­le­ge Bas­ti­an Menge „Damit haben die Teil­neh­men­den aber of­fen­sicht­lich kein Pro­blem, es amü­siert sie eher.“

„Die Mehr­zahl hat über Be­kann­te aus dem Um­feld der Fach­hoch­schu­le, Stu­die­ren­de wie Leh­ren­de, den Weg in den Kurs ge­fun­den“, er­klärt Ga­brie­le Braun. „Wir haben den Kurs be­wusst nicht groß be­wor­ben, denn wir kön­nen mit un­se­rem ad-hoc-An­ge­bot lei­der nur einen klei­nen Kreis be­die­nen“, er­gänzt Bas­ti­an Menge. Die bei­den un­ter­rich­ten so­wohl ge­mein­sam als auch im Wech­sel. „Die meis­ten aus der Grup­pe zei­gen sich offen und mo­ti­viert, ei­ni­ge sind je­doch zu­rück­hal­ten­der. Aber all das ist ab­so­lut in Ord­nung“, be­schreibt Braun das Klima im Kurs. Ihr Kol­le­ge pflich­tet ihr bei: „Die Grup­pe ist weit­ge­hend auf­ge­taut und ins­ge­samt ist eine rich­tig gute Dy­na­mik in der Grup­pe ent­stan­den. Es ist toll zu sehen, wie sich alle un­ter­ein­an­der hel­fen.“

Die bei­den Lehr­kräf­te neh­men auch die Wün­sche aus der Grup­pe auf, er­klärt Menge, und nennt schmun­zelnd ein Bei­spiel: „Eine junge Frau äu­ßer­te im Kurs den Wunsch, mehr über Gram­ma­tik und Syn­tax zu er­fah­ren – die Be­deu­tung der Vo­ka­beln sei für sie nach­ran­gig, die könne sie sich schlie­ß­lich selbst er­g­oo­geln.“ Wich­tig ist dem Team auch das Rah­men­pro­gramm, das mit klei­nen Ak­tio­nen wie einem Cam­pus­spa­zier­gang, Kaf­fee­trin­ken und einer Fahrt mit der Schwen­ti­ne-Fähre in­klu­si­ve Fisch­bröt­chen eine freund­li­che und ent­spann­te At­mo­sphä­re schafft. „Es ist uns wich­tig, dass allen die ge­mein­sam ver­brach­te Zeit gut­tut“, er­klärt Ga­brie­le Braun.

Für Braun und Menge ist der Un­ter­richt eine be­rei­chern­de Er­fah­rung. „In den Pau­sen er­fah­ren wir in Ge­sprä­chen auch viel über die Le­bens­welt und Er­fah­run­gen der Men­schen. Dabei zeigt sich, dass es trotz der ge­mein­sa­men Her­kunft und der ge­mein­sa­men Spra­che eine sehr he­te­ro­ge­ne Grup­pe ist. Jeder geht an­ders mit Er­leb­tem und der ak­tu­el­len Le­bens­si­tua­ti­on um“, er­zählt Braun. Ei­ni­ge set­zen ihr in der Ukrai­ne be­gon­ne­nes Stu­di­um oder die Schu­le on­line fort und wol­len zu­rück in ihre Hei­mat. An­de­re kon­sta­tie­ren, dass sie kein Zu­hau­se mehr haben.

„Die Hal­tung vie­ler wirkt klar, fast prag­ma­tisch und wirk­lich mutig – das finde ich sehr be­ein­dru­ckend an die­sen zum grö­ß­ten Teil sehr jun­gen Men­schen“, re­sü­miert Ga­brie­le Braun. Alle, weiß sie, sind hier sehr gut auf­ge­nom­men wor­den: „Sie haben ein über­aus en­ga­gier­tes und hel­fen­des Um­feld ge­fun­den, das sie sogar auch mit nord­deut­schen Ei­gen­hei­ten wie Spar­gel­es­sen und Schiet­wet­ter-Se­geln ver­traut macht.“ Der Sprach­kurs läuft noch bis zum 10. Juni – doch für ei­ni­ge der Teil­neh­men­den scheint jetzt schon fest zu ste­hen, dass sie sich hier ein neues Leben auf­bau­en möch­ten.

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