Silhouette von drei Menschen, die tanzen© Guz­man

Was tun nach dem Stu­di­en­ab­schluss?

von Julia Kö­nigs

Die Zeit di­rekt nach dem Stu­di­en­ab­schluss kann schwer sein. Be­son­ders dann, wenn man nicht zu den­je­ni­gen ge­hört, die mit einem Di­rekt­ein­stieg oder einer Vo­lon­ta­ri­ats- oder Trai­nee­stel­le in den Job star­ten. Fin­det man als Ab­sol­vent*in also nach dem Hoch­schul­ab­schluss nicht so­fort eine ge­eig­ne­te Ar­beits­stel­le, sind wich­ti­ge Fra­gen zu klä­ren.

Wel­che Be­rufs­fel­der kom­men jetzt über­haupt in Frage? Wie fi­nan­zie­re ich mich wäh­rend des Leer­laufs? Wel­ches Ge­halt stel­le ich mir für mei­nen ers­ten Job vor? Wie werde ich zu Be­wer­bungs­ge­sprä­chen ein­ge­la­den? Muss ich mich ar­beits­los mel­den?

Ar­beits­los nach dem Stu­di­um

Wem ein di­rek­ter Be­rufs­ein­stieg nach dem Ba­che­lor- oder Mas­ter­ab­schluss ver­wehrt bleibt, ist nicht ge­zwun­gen, sich bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) als ar­beits­los zu mel­den. Al­ler­dings soll­te man das Be­ra­tungs­an­ge­bot der BA an­neh­men, da ins­be­son­de­re die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung ge­klärt wer­den muss. Die Mit­ar­bei­ter*innen der BA kön­nen genau er­läu­tern, wel­che Hilfe jetzt wie an­ge­bracht ist. Um einen Ter­min soll­te man sich al­ler­dings min­des­tens drei Mo­na­te vor Stu­di­en­en­de küm­mern, um so­fort für den ers­ten Tag nach Ab­lauf des Stu­die­ren­den­sta­tus ge­rüs­tet zu sein.

Fi­nan­zen müs­sen ge­re­gelt sein

Im All­ge­mei­nen gilt für Ab­sol­vent*innen ein An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld II, auch Hartz-IV ge­nannt. Der Satz be­trägt ak­tu­ell 409 Euro, hinzu kom­men Zah­lun­gen für Miete, Heiz- und Ne­ben­kos­ten. Auch Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung wer­den über­nom­men.

Wer Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men wie Kurse, Se­mi­na­re oder Um­schu­lun­gen be­sucht, kann bei der BA An­trä­ge auf Kos­ten­über­nah­me stel­len. Wich­tig zu wis­sen ist je­doch, dass die BA sich das Recht vor­be­hält, auch ar­beits­lo­se Hoch­schul­ab­sol­vent*innen mit Hartz-IV-Leis­tun­gen zu ge­ring­fü­gig ent­lohn­ten Mi­ni­jobs zu­zu­tei­len, die nicht ab­ge­lehnt wer­den dür­fen.

Kran­ken­ver­si­che­rung ge­klärt?

Wer bei Stu­di­en­ab­schluss be­reits selbst kran­ken­ver­si­chert ist, hat diese Hürde be­reits ge­nom­men. Wenn man da­ge­gen noch in der Fa­mi­li­en­ver­si­che­rung der El­tern ab­ge­deckt war, gilt es nun, Al­ter­na­ti­ven zu fin­den. Mit dem Hartz-IV-Bezug wird der Bei­trag für die Kran­ken­ver­si­che­rung ab­ge­deckt, ohne die­sen An­spruch müs­sen sich Ab­sol­vent*innen je­doch frei­wil­lig ver­si­chern. Auch ohne Ver­dienst, muss hier für ein fik­ti­ves Ein­kom­men ein Satz ge­zahlt wer­den. Das be­deu­tet, das ak­tu­ell rund 182 Euro in­klu­si­ve Pfle­ge­ver­si­che­rung pro Monat zu zah­len wären.

Leer­lauf nut­zen, Chan­cen er­ken­nen

Es gibt viele Op­tio­nen, um das War­ten auf eine pas­sen­de Ar­beits­stel­le zu fül­len: Stel­len­ge­su­che durch­fors­ten, po­ten­zi­el­le Ar­beit­ge­ber*innen aus­fin­dig ma­chen und an­spre­chen, Be­wer­bun­gen mit in­di­vi­dua­li­sier­ten An­schrei­ben ge­stal­ten. Auch die Vor­be­rei­tung auf Vor­stel­lungs­ge­sprä­che ist wich­tig, ins­be­son­de­re soll­te man sich über­zeu­gen­de, per­sön­lich pas­sen­de Ant­wor­ten auf die klas­si­schen Fra­gen wie „Was sind ihre Schwä­chen?“ über­le­gen. Auch Be­rufs­fin­dungs­se­mi­na­re mit Po­ten­zi­al­ana­ly­sen der ei­ge­nen Stär­ken und Schwä­chen, wei­ter­qua­li­fi­zie­ren­de, ge­för­der­te Kurse, Prak­ti­ka, Aus­hilfs­tä­tig­kei­ten oder eine Sprach- oder Stu­di­en­rei­se kön­nen hel­fen.

Ängs­te aus­räu­men

Viele Ab­sol­vent*innen be­fällt nach dem Ab­schluss das Ge­fühl, die Frei­heit des Stu­die­ren­den-Seins ein­zu­bü­ßen. Doch dabei über­se­hen sie auch jede Menge Vor­tei­le: Ein Fei­er­abend wird echt, wenn er nicht mehr in der Bi­blio­thek oder am Schreib­tisch ver­bracht wird. Die Pra­xis ge­hört jetzt fest zum All­tag. Keine Prü­fun­gen oder Haus­ar­bei­ten müs­sen ge­schrie­ben wer­den. Ist der Job ge­fun­den, war­tet ein re­gel­mä­ßi­ges Ge­halt. Neue Men­schen, neues Wis­sen, neue In­spi­ra­ti­on war­ten mit jedem wei­te­ren Tag.

Selbst­re­dend kommt man um ak­ti­ves En­ga­ge­ment nicht herum, um einen Job zu fin­den, doch trotz­dem kann der Ge­dan­ke ent­las­ten, dass der erste Job nicht per­fekt sein muss. Es darf ruhig „Luft nach oben“ blei­ben.

Wer dazu ten­diert, sich von den ei­ge­nen Ängs­ten lei­ten zu las­sen, soll­te ver­su­chen, die Per­spek­ti­ve zu wech­seln: Chan­cen kann man sehen und aktiv an­ge­hen. Jeder und jede ist ver­ant­wort­lich für das Leben, das er oder sie führt. Nach dem Stu­di­en­ab­schluss steht das Tor zur Welt weit offen. Wer mutig und selbst­be­wusst hin­durch schrei­tet, sich be­wirbt, zeigt, was er/sie kann, offen für Neues bleibt und sich in­spi­rie­ren lässt, wird Pha­sen des Über­gangs durch­ste­hen.

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