behind the curtain VI von Anja Mamero© A. Ma­me­ro/©VG Bild Kunst
be­hind the curtain VI von Anja Ma­me­ro.

"tra­cing lines" – Anja Ma­me­ro zu Gast im Bun­ker-D

von Almut Behl

Li­ni­en, Li­ni­en, Li­ni­en. Wer sich mit den Ar­bei­ten von Anja Ma­me­ro be­fasst, kann sich wun­der­bar darin ver­lie­ren. Oder aber: Ihnen auf die Spur kom­men. Nicht um­sonst ist ihre Aus­stel­lung „tra­cing lines“ be­ti­telt. Über­setzt etwa: Die Linie nach­zeich­nen, ver­fol­gen.In meist qua­dra­ti­schen und teils raum­grei­fen­den Öl-Bil­dern über­zie­hen ge­ra­de Farb­bah­nen un­ter­schied­li­cher Brei­te und Dich­te die Lein­wand: In di­ver­sen For­ma­tio­nen und Va­ria­tio­nen, zu­meist ver­ti­kal und in zahl­lo­sen Schich­ten bil­den sie Strei­fen, kip­pen, durch­kreu­zen und über­de­cken sich und kom­men bei in­ten­si­ver Be­trach­tung in Be­we­gung: Wie Licht­strah­len im Wald oder Schein­wer­fer auf einer Bühne, wie pflanz­li­ches Di­ckicht, eine Land­schaft oder wie ein Stoff, der etwas ab­schirmt oder durch­schim­mern lässt. Be­hind the curtain ist eine ak­tu­el­le Werk­grup­pe sin­ni­ger­wei­se be­ti­telt.

Eine Frau, Anja Mamero, steht vor einem großen Kunstwerk das den Titel between the lines I träggt.©T. Ma­me­ro/©VG Bild Kunst
Anja Ma­me­ro vor ihrer Ar­beit bet­ween the lines I.

„Li­ni­en haben mich schon immer wahn­sin­nig in­ter­es­siert“, sagt die ge­lern­te tech­ni­sche Zeich­ne­rin. Seit ihrer ers­ten Aus­bil­dung be­fasst sie sich künst­le­risch mit gra­fi­schen Schraf­fu­ren un­ter­schied­li­cher Strich­stär­ken. Ge­prägt von einer Kind­heit in der Natur mit be­din­gungs­lo­ser Neu­gier, kon­tem­pla­ti­ver Be­ob­ach­tung und dem sinn­li­chen Be­grei­fen jed­we­den Fund­stücks, legt die ge­bür­ti­ge Ham­bur­ge­rin nach ihrer auf ma­the­ma­ti­sche Prä­zi­si­on aus­ge­rich­te­ten Lehre den krea­ti­ven Fokus zu­nächst auf ein In­dus­trie­de­sign-Stu­di­um an der Muthe­si­us Kunst­hoch­schu­le Kiel. Seit ihrer Hin­wen­dung zur Ma­le­rei und ihrem Mas­ter­ab­schluss 2020 bei Pro­fes­so­rin Antje Ma­jew­ski bün­delt sie ihre Vor­lie­be für Li­ni­en mit einer for­mal und farb­lich ste­tig ex­pan­die­ren­den Aus­drucks­kraft in neue Di­men­sio­nen.

„Das 100-Pro­zen­ti­ge hat mich nie ge­reizt“, be­tont die Künst­le­rin, die sich trotz ak­ku­ra­ter Aus­füh­rung eben­so für Farb­ver­läu­fe, Ober­flä­chen und klei­ne Un­ge­nau­ig­kei­ten be­geis­tert. „Das Da­zwi­schen ist nie schwarz­weiß, es ist alles dif­fus, da­durch be­ginnt es zu leben“, so Ma­me­ro. „In mei­nen ak­tu­el­len Ar­bei­ten ver­ar­bei­te ich prä­gen­de Kind­heits­er­in­ne­run­gen.“ Die Bil­der wir­ken zu­nächst starr, ihre Dy­na­mik ent­hüllt sich auf den zwei­ten Blick. Wer genau hin­sieht, kann sche­men­haft Fi­gu­ren im Hin­ter­grund ent­de­cken, über­la­gert von Li­ni­en.

Anja Mamero und ihre Arbeit behind the curtain IV©D. Blo­dow/©VG Bild Kunst
Anja Ma­me­ro und ihre Ar­beit be­hind the curtain IV.

Im Bun­ker-D zeigt Anja Ma­me­ro eine Aus­wahl ak­tu­el­ler Werk­grup­pen und auch ganz neuer, bis­her nicht ge­zeig­ter Ar­bei­ten. Hier rückt das Phä­no­men Schat­ten in­ten­si­ver in den Fokus: Ei­ge­ne Fotos in­ter­es­san­ter Schat­ten­bil­der sind ihre Ar­beits­grund­la­ge, neu­er­dings kom­men auch Film­pro­jek­tio­nen zum Ein­satz: Ma­me­ro ex­pe­ri­men­tiert mit den Li­ni­en­struk­tu­ren des Bil­des, indem sie sie in einer Licht-Schat­ten In­stal­la­ti­on ab­filmt und auf das­sel­be Bild-Motiv pro­ji­ziert. So wer­den die Dy­na­mi­ken der Über­la­ge­rung noch­mals in­ten­si­viert.

"tra­cing lines" wird am Don­ners­tag, 07. No­vem­ber 2024, um 18 Uhr in der Ga­le­rie des Bun­ker-D, Schwen­tin­e­stra­ße 11, 24149 Kiel, er­öff­net. Dr. Peter Krus­ka, Di­rek­tor der Stadt­ga­le­rie Kiel, führt in die Aus­stel­lung ein. Die Ga­le­rie ist mon­tags bis frei­tags von 10.00 bis 14.00 Uhr und mitt­wochs von 10.00 bis 20.00 Uhr ge­öff­net. Die Aus­stel­lung bis zum 20. De­zem­ber zu sehen. Wei­te­re Infos unter: www.​fh-​kiel.​de/​bunker-​d

Anja Ma­me­ro, geb. 1963 in Ham­burg, aus­ge­bil­de­te tech­ni­sche Zeich­ne­rin, mach­te ihr Di­plom in In­dus­trie­de­sign 1997 an der Muthe­si­us Kunst­hoch­schu­le Kiel. 2000 wurde sie Mut­ter eines Soh­nes. Nach einer künst­le­ri­schen Um­ori­en­tie­rung folg­te 2020 folg­te ihr Mas­ter of Fine Arts Ma­le­rei bei Pro­fes­so­rin Antje Ma­jew­ski an der Muthe­si­us Kunst­hoch­schu­le Kiel mit an­schlie­ßen­dem Ate­lier­sti­pen­di­um. Die Künst­le­rin ist Mit­glied im BBK-SH und der Gedok-SH, zahl­rei­che Ein­zel- und Grup­pen­aus­stel­lun­gen seit 2015 und ist ak­tu­ell in der 71. Lan­des­schau des BBK-SH in Flens­burg ver­tre­ten.
Anja Ma­me­ro lebt und ar­bei­tet in Kiel. www.​anja-​mamero.​com

 

© Fach­hoch­schu­le Kiel