Menschen© B. Wotha
Bau­we­sen-Stu­die­ren­de er­dach­ten viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, un­ter­schied­li­chen Ziel­grup­pen eine Be­tei­li­gung zu er­mög­li­chen.

Stu­die­ren­de ent­wi­ckeln krea­ti­ve Ideen zur Mo­bi­li­täts­wen­de

von Joa­chim Kläschen

Um­fang­rei­che Bau­vor­ha­ben las­sen sich nur ge­mein­sam mit den un­mit­tel­bar Be­trof­fe­nen und nicht über ihre Köpfe hin­weg zu einem kon­struk­ti­ven Ab­schluss brin­gen. Ent­spre­chend wer­den alle grö­ße­ren In­fra­struk­tur-Maß­nah­men heute von Be­tei­li­gungs­ver­fah­ren flan­kiert, die die Wahr­neh­mun­gen und Ideen der Sta­ke­hol­der ab­fra­gen. Ent­spre­chend ver­mit­telt das In­sti­tut für Bau­we­sen sei­nen Stu­die­ren­den mit dem Wahl­fach ‚Teil­ha­be und Be­tei­li­gung‘, wie eine nach­hal­ti­ge Be­tei­li­gung aus­se­hen kann.

Ge­mein­sam mit Do­zen­tin Prof. Dr. Bri­git­te Wotha haben sich jüngst Bau­we­sen-Stu­die­ren­de vom 3. bis 7. Se­mes­ter mit der Um­set­zung des Mo­bi­li­täts­kon­zep­tes der Fach­hoch­schu­le aus­ein­an­der­ge­setzt. Im Kern stand dabei die Frage, wie sich un­ter­schied­li­che Ziel­grup­pen – Stu­die­ren­de, Leh­ren­de, Men­schen aus dem Stadt­teil, Äl­te­re und junge Men­schen – mit der Mo­bi­li­täts­wen­de aus­ein­an­der­set­zen und wie sich diese Ziel­grup­pen am bes­ten er­rei­chen las­sen, damit ihre Ideen und An­sprü­che Gehör fin­den.

„Es war ein ech­tes Feu­er­werk der Ideen, das die Stu­die­ren­den beim Brain­stor­ming ge­zün­det haben“, freut sich Bri­git­te Wotha. „Neben kon­ven­tio­nel­len Werk­zeu­gen wie On­line-Be­fra­gun­gen, Work­shops und News­let­tern schlu­gen die Stu­die­ren­den auch Bröt­chen­ak­tio­nen für Fahr­rad­pend­ler vor. Sehr am­bi­tio­niert, aber auch er­folg­ver­spre­chend, war die Idee einer Mo­bi­li­täts-App auf der Basis des kom­mu­na­len An­ge­bots ‚Melde.Möwe‘.“ Kin­der und Ju­gend­li­che, so die Idee der Stu­die­ren­den, könn­ten über Pod­casts an­ge­spro­chen wer­den. In Zu­sam­men­ar­beit mit dem Jun­gen Rat, einem Gre­mi­um, das jun­gen Men­schen in Kiel eine po­li­ti­sche Teil­ha­be ein­räumt, sol­len über die Ost­ufer-Schu­len Ideen zur Mo­bi­li­täts­wen­de kon­kre­ti­siert wer­den.

Um Men­schen mit kör­per­li­chen und sen­so­ri­schen Be­ein­träch­ti­gun­gen eine Be­tei­li­gung zu er­mög­li­chen, kon­zi­pier­ten die Stu­die­ren­den ein Ver­fah­ren, das ihnen durch Apps im Zu­sam­men­spiel mit hy­bri­den Ver­an­stal­tun­gen die Mög­lich­kei­ten bie­tet, An­sprü­che an eine nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät im Stadt­teil zu äu­ßern. Ver­bun­den war das Kon­zept mit Schu­lun­gen für Ver­kehrs­be­trie­be. Diese sol­len ihnen auf­zei­gen, wie sie die Ziel­grup­pe in ver­kehr­lich her­aus­for­dern­den Si­tua­tio­nen un­ter­stüt­zen kön­nen.

Wei­ter er­ar­bei­te­ten die Stu­die­ren­den Be­tei­li­gungs-Kon­zep­te für die Um­set­zung einer Schwen­ti­ne-Que­rung. Dabei soll­ten Men­schen, die um die Schwen­ti­ne leben, Lü­cken in der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur mit Fotos do­ku­men­tie­ren. Diese soll­ten als Basis für die Ent­wick­lung kon­kre­ter Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge die­nen. „Eine Stu­den­tin hat vor­ge­schla­gen, vor der Um­set­zung eine um­fäng­li­che Be­tei­li­gung im Stadt­teil Neu­müh­len-Diet­richs­dorf vor­zu­neh­men“, er­in­nert sich Wotha. „An­schlie­ßend soll dann eine re­prä­sen­ta­ti­ve Pla­nungs­zel­le die Er­geb­nis­se ihrer Ar­beit immer wie­der in den Stadt­teil spie­geln.“

Nach Mei­nung der Stu­die­ren­den sol­len die Leh­ren­den an der FH Kiel auf allen Ebe­nen da­hin­ge­hend in­for­miert und wei­ter­ge­bil­det wer­den, wie sie sich durch die Ver­kehrs­wen­de ge­sün­der, um­welt­freund­li­cher und res­sour­cen­spa­ren­der be­we­gen kön­nen. Die­ses Wis­sen sol­len sie durch ihre Lehre an die Stu­die­ren­den wei­ter­tra­gen. Die Stu­die­ren­den hin­ge­gen sol­len durch eine App zu einer Än­de­rung ihres Mo­bi­li­täts­ver­hal­tens her­aus­ge­for­dert wer­den. An­ge­dacht waren dabei Wett­be­wer­be zwi­schen den Fach­be­rei­chen, um wei­te­re Mo­ti­va­ti­on zu schaf­fen.

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