ein Mann auf einem Schiff© Wit­ting

Se­mes­ter­fe­ri­en der an­de­ren Art: Aben­teu­er auf hoher See

von Ju­lia­ne Bax­mann

In den Se­mes­ter­fe­ri­en 2020 ging es für den Ma­schi­nen­bau­stu­den­ten Paul Wit­ting (7. Se­mes­ter) nicht etwa in die Berge oder in den Fa­mi­li­en­ur­laub nach Dä­ne­mark, son­dern mit einem For­schungs­schiff des GEO­MAR Helm­holtz-Zen­trums für Ozean­for­schung in Rich­tung Ark­tis. Ge­nau­er ge­nom­men in die La­bra­dor­see, einem nörd­li­chen Mee­res­arm des At­lan­tiks zwi­schen Ka­na­da und Grön­land. Dort forsch­te er, ge­mein­sam mit einem Team des GEOM­ARs be­stehend aus Wis­sen­schaft­ler*innen, Tech­ni­kern*innen und Stu­dent*innen, an ver­schie­de­nen Pro­jek­ten. Be­reits vor sei­ner Reise sprach Ju­lia­ne Bax­mann aus der Cam­pus­re­dak­ti­on mit Paul Wit­ting über das Aben­teu­er, seine Er­war­tun­gen und die Vor­freu­de. Nun ist er wie­der an Land und be­rich­tet von sei­nen Er­leb­nis­sen und Ein­drü­cken vom Ar­bei­ten auf einem For­schungs­schiff.

Du muss­test vor dei­ner Reise in Qua­ran­tä­ne gehen. Wie war das für dich?

Ein biss­chen wie im Lock­down im April, weil man drei Tage al­lein in einem Ho­tel­zim­mer ist und kei­nen Men­schen sieht. Es war schon ein biss­chen merk­wür­dig. Aber dafür war es umso schö­ner, dann mit einem ne­ga­ti­ven Co­ro­na-Test­ergeb­nis aufs Schiff zu gehen.

Wie war die Stim­mung auf dem Schiff?

Die Stim­mung war super. Wir waren ein tol­les Team, das immer zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hat. Selbst die Nacht­schich­ten waren kein Pro­blem, man wurde immer mit einem Witz ge­weckt, und die Ar­beit ging so viel leich­ter von der Hand. Auch in der Frei­zeit haben wir viel Spaß zu­sam­men ge­habt. Ich war Teil eines gro­ß­ar­ti­gen Teams.

Was hat dir am meis­ten Spaß ge­macht?

Tat­säch­lich die Ar­beit an Deck. Dort zu ste­hen und bei See­gang mit dem Ak­ku­schrau­ber auf den un­end­lich wei­ten Ozean zu bli­cken ist ein­fach etwas ganz Be­son­de­res.  

Was war das Auf­re­gends­te auf eurer Reise?

Ich habe Orcas in frei­er Wild­bahn ge­se­hen. Das war un­fass­bar be­ein­dru­ckend. Auch die Eis­ber­ge waren ein wun­der­schö­ner An­blick.

Konn­test du auch mal ent­span­nen?

Ja auf jeden Fall. Wir hat­ten ja einen lan­gen Tran­sit. Es gab einen Sportraum, und es wurde auch das ein oder an­de­re Kar­ten­spiel mit­ein­an­der ge­spielt. Ich hatte aber auch Zeit für mich, habe ge­le­sen und ein­fach die Zeit auf dem Schiff ge­nos­sen.

Hast du viele Son­nen­un­ter­gän­ge /-auf­gän­ge ge­se­hen, und sind sie auf dem Ozean an­ders als an Land?

Ich habe viele Son­nen­un­ter­gän­ge ge­se­hen, die waren immer wun­der­schön. Lei­der keine Son­nen­auf­gän­ge, da es meist zu be­wölkt war. Sie sind schon etwas mehr be­son­ders als an der Kie­ler Förde, aber ich glau­be das liegt auch an der ge­sam­ten At­mo­sphä­re, weil rund­um nur Was­ser und Him­mel zu sehen ist.

Hat­test du auch mal Angst?

Nein, ich habe mich immer si­cher ge­fühlt. Wir hat­ten schon Glück mit dem Wet­ter, aber wir hat­ten auch den ein oder an­de­ren stür­mi­schen Tag dabei. Das fand ich al­ler­dings nie schlimm und habe den Wel­len an Deck zu­ge­se­hen.

 

Wie lange wart ihr ins­ge­samt un­ter­wegs?

Wir waren fünf Wo­chen auf See und mit zwei Ha­fen­ta­gen und drei Tagen Qua­ran­tä­ne fast sechs Wo­chen un­ter­wegs.

Was war deine grö­ß­te Er­kennt­nis?

Es klingt etwas kit­schig, aber es ist un­glaub­lich, wie klein und un­be­deut­sam der Mensch im Ver­gleich zur Kraft der Natur sein kann. Man be­fin­det auf die­sem Schiff, auf meh­re­ren Ton­nen Stahl, aber wenn die Natur sagt „Und jetzt ist Sturm!“ kann das Schiff noch so groß sein, es schau­kelt trotz­dem. Das finde ich fas­zi­nie­rend. Der Mensch ist nur ein so klei­ner Teil die­ser Welt. Das ist mir im Laufe der Reise be­wusst ge­wor­den.

Woll­test du manch­mal vom Schiff run­ter, oder wurde es dir manch­mal zu­viel, die ganze Zeit auf einem Schiff zu sein?

Nein, ich war die ganze Zeit über sehr froh da zu sein und diese Chan­ce zu haben.

Hat­test du viel Kon­takt mit dei­ner Fa­mi­lie / Freun­den?

Ich hatte Kon­takt über Whats­App und hab das ein oder an­de­re Bild ver­schickt und ein- oder zwei­mal mit mei­nen Freun­den oder El­tern te­le­fo­niert. Aber ich habe mich so wohl ge­fühlt, dass gar keine Zeit für Heim­weh oder gro­ßes Ver­mis­sen war.

Was genau waren deine Auf­ga­ben? Könn­test du dir vor­stel­len, in Zu­kunft immer zur See zu fah­ren?

Meine Haupt­auf­ga­be be­stand in der Vor­be­rei­tung, Ka­li­brie­rung und Aus­le­sung von Mi­cro­Cat Sen­so­ren, diese mes­sen den Salz­ge­halt und die Tem­pe­ra­tur des Was­sers. Au­ßer­dem habe ich ver­schie­de­ne Ge­rä­te zu­sam­men­ge­baut und für den Ein­satz im Meer vor­be­rei­tet. Das Auf­re­gends­te war al­ler­dings die Ar­beit, wäh­rend wir Ver­an­ke­run­gen aus­ge­legt und ein­ge­holt haben.

Könn­test du dir vor­stel­len ein „ech­ter“ See­fah­rer zu wer­den?

Ich glau­be nicht. Ich könn­te mir vor­stel­len, immer mal wie­der eine Reise wie diese zu ma­chen, aber als „ech­ter“ See­mann ist man ja bis zu acht Mo­na­te auf See, das wäre mir per­sön­lich dann doch zu­viel.

Wür­dest du so eine Fahrt wie­der ma­chen?

Ja, auf jeden Fall. Die nächs­te For­schungs­rei­se ist im März ge­plant. Da geht es mit dem For­schungs­schiff „Sonne“ in den süd­li­chen At­lan­tik. Dar­auf freue ich mich jetzt schon, und ich hoffe sehr, dass alles auch wie ge­plant statt­fin­den kann.

Hat dir die Reise eine be­ruf­li­che Per­spek­ti­ve ge­bo­ten?

Ja, sie hat in mir die Be­geis­te­rung für das Meer und die Mee­res­for­schung ge­weckt. Ich könn­te mir auf jeden Fall vor­stel­len, auch in Zu­kunft und nach mei­nem Stu­di­um in dem Be­reich zu ar­bei­ten. Ein Mas­ter in Mee­res­tech­nik oder ähn­li­ches wäre auch eine span­nen­de Sache.

© Fach­hoch­schu­le Kiel