Lernplan© Un­s­plash
Für das Selbst­stu­di­um eine un­er­läss­li­che Hilfe: Ein Lern­plan.

Selbst­ma­nage­ment on­line – und wie man es ler­nen kann

von Lena Kuhn

Dr. Chris­tia­ne Metz­ger lei­tet das Zen­trum für Ler­nen und Lehr­ent­wick­lung an der FH Kiel. Im Ge­spräch mit der Cam­pus­re­dak­ti­on er­klärt sie, wie man das Stu­di­um on­line gut or­ga­ni­sie­ren kann. 

Frau Metz­ger, das ZLL bie­tet so­wohl für Leh­ren­de als auch für Stu­die­ren­de Kurse an. Wie legen Sie in der ak­tu­el­len Zeit einen Schwer­punkt auf On­line-Lehre?

Be­reits im ver­gan­ge­nen Se­mes­ter haben wir viele Kurse on­line ver­an­stal­tet. Wir haben On­line-Ver­an­stal­tun­gen und On­line-Sprech­stun­den für Stu­die­ren­de und Leh­ren­de durch­ge­führt, aber auch viele neue Ma­te­ria­li­en in un­se­re Mood­le-Kurse ein­ge­stellt, um den Info-Pool zu ver­grö­ßern.

Lei­der hat uns die Kol­le­gin ver­las­sen, die für die Se­mi­na­re für Stu­die­ren­de zum Thema wis­sen­schaft­li­ches Ar­bei­ten zu­stän­dig war – diese Stel­le war durch Pro­jekt­mit­tel fi­nan­ziert, wie viele Stel­len im ZLL. Zu Fra­gen dazu kön­nen wir daher nur noch auf schrift­li­ches Ma­te­ri­al ver­wei­sen. Al­ter­na­tiv kann man die Be­treu­er*innen der schrift­li­chen Ar­bei­ten oder die Ver­ant­wort­li­chen fra­gen, die Mo­du­le zum wis­sen­schaft­li­chen Ar­bei­ten durch­füh­ren.
Kurz vor Be­ginn der Vor­le­sungs­zeit lief die Fach­tu­to­ren­aus­bil­dung. In dem For­mat bil­den wir Stu­die­ren­de zu Tutor*innen aus. Das fand auf­grund der klei­nen Grup­pen­grö­ße in Prä­senz statt. Dort sind wir eben­falls auf On­line-Me­tho­den ein­ge­gan­gen. Au­ßer­dem stand die Pla­nung der IDW an. Im Som­mer hat­ten wir uns mit den Fach­be­rei­chen ver­stän­digt, dass ab­ge­fragt wird, ob Ver­an­stal­tun­gen auch on­line an­ge­bo­ten wer­den kön­nen, oder ob Prä­senz sinn­vol­ler ist. Nun steht das Pro­gramm, und es gibt ein An­ge­bot von knapp 180 Ver­an­stal­tun­gen – zu­meist als vir­tu­el­le For­ma­te.

Sie bie­ten für Stu­die­ren­de Kurse zum Selbst­ma­nage­ment an. Wie kann man sich den Ab­lauf die­ser Kurse mo­men­tan vor­stel­len?

Diese Work­shops fin­den der­zeit meis­tens on­line statt und wur­den dafür von mei­ner Kol­le­gin Co­rin­na Lütsch an­ge­passt. Wenn es sich um ganz­tä­gi­ge Ver­an­stal­tun­gen han­delt, dann sind sie so kon­zi­piert, dass die On­line-Pha­sen durch Off­line-Ein­zel­ar­beits­pha­sen un­ter­bro­chen wer­den. Die Teil­neh­men­den be­kom­men dann Auf­ga­ben, so­dass sie sich nicht acht Stun­den am Stück in einer Vi­deo­kon­fe­renz auf­hal­ten. Für eine ge­wis­se Zeit er­ar­bei­ten sie dann ei­ge­ne The­men. Das bie­tet dann Ge­le­gen­hei­ten dafür, z.B. bei in­di­vi­du­el­len Din­gen wie einem Lern­plan und den Zie­len fürs Stu­di­um in Ruhe al­lei­ne dar­über nach­zu­den­ken.

Wie konn­ten Sie die Her­aus­for­de­run­gen der Co­ro­na-be­ding­ten Ver­än­de­run­gen der Lehre in Ihre Kurse in­te­grie­ren?

Eine der grö­ß­ten Her­aus­for­de­rung der On­line-Lehre für Stu­die­ren­de ist die Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on. Im Stu­di­um ist das ge­ne­rell eine große Auf­ga­be, zu gu­cken, wie man das Stu­di­um or­ga­ni­siert. Es gibt z.B. we­ni­ger Zwi­schen­kon­trol­len als in der Schu­le. Man hat keine Haus­auf­ga­ben, wird nicht ab­ge­fragt, schreibt meis­tens keine Tests zwi­schen­durch. Stu­die­ren ist viel ei­gen­ver­ant­wort­li­cher. Das wird da­durch er­schwert, dass in der On­line-Lehre die in­for­mel­len per­sön­li­chen Kon­tak­te zu Kom­mi­li­ton*innen ver­rin­gert wer­den. Lern­grup­pen fal­len aus, man kann nach der Vor­le­sung der/dem Do­zie­ren­den nicht noch eine schnel­le Frage beim Raus­ge­hen stel­len. On­line kann man zwar auch nach­fra­gen und sich tref­fen, aber der „schnell zwi­schen­durch“-Cha­rak­ter ent­fällt. Es ist ein hö­he­rer Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Ab­stim­mungs­auf­wand. Dar­auf geht meine Kol­le­gin auch ein.

Für Leh­ren­de haben wir hoch­schul­di­dak­ti­sche Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te. Dort wur­den im Prin­zip die The­men bei­be­hal­ten, die im Pro­gramm vor­ge­se­hen waren, weil sie in jeder Art von Lehre re­le­vant sind. Den­noch wur­den die Work­sho­p­lei­ter*innen ge­be­ten, auf Be­son­der­hei­ten der On­line-Lehre ein­zu­ge­hen. Im Win­ter­se­mes­ter haben wir nun er­gän­zend kurz­fris­tig auch neue Kurz­for­ma­te zum Thema „On­line-Lehre“ auf­ge­nom­men, z.B. We­bi­na­re zu E-Mo­dera­ti­on, zum Pod­cas­ting, zur Er­stel­lung von in­ter­ak­ti­ven Lern­vi­de­os und dazu, wie man vir­tu­ell eine gute Lern­at­mo­sphä­re her­stel­len kann.

Die Kurse zum Thema Selbst­ma­nage­ment sind für die­ses Se­mes­ter be­reits aus­ge­bucht, Sie ver­wei­sen u.a. auf Sprech­stun­den. Was kann man sich unter einer Sprech­stun­de vor­stel­len?

Dort kön­nen Stu­die­ren­de ihre Pro­ble­me schil­dern, oder Fra­gen stel­len, mit denen sie kon­fron­tiert sind. Sie wer­den in­di­vi­du­ell be­ra­ten und be­kom­men Stra­te­gi­en an die Hand, mit denen sie dann hof­fent­lich gut wei­ter­ler­nen kön­nen.

Bie­tet das ZLL an sich in die­sem Jahr wie­der IDW-Kurse an?

Ja, für Stu­die­ren­de gibt es in den IDW auch An­ge­bo­te zum Selbst­ma­nage­ment. Und auch für Leh­ren­de bie­ten wir dann hoch­schul­di­dak­ti­sche Wei­ter­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen an und sind auch in ein­zel­nen Fach­be­rei­chen für Wei­ter­bil­dungs­we­bi­na­re en­ga­giert. Da wäh­rend der IDW der „nor­ma­le“ Stun­den­plan aus­ge­setzt ist, haben viele Leh­ren­de dann zwi­schen­durch etwas Zeit, sol­che An­ge­bo­te wahr­zu­neh­men. Au­ßer­dem gibt es am 1. De­zem­ber den dies­jäh­ri­gen Tag der Lehre.

Wie wür­den Sie grob die Auf­ga­be des ZLL für den Cam­pus und die Hoch­schu­le be­schrei­ben?

Wir haben fast alle Mit­glie­der der Hoch­schu­le als Ziel­grup­pe. Für Stu­die­ren­de sind wir – neben den Kur­sus­an­ge­bo­ten zum Selbst­ma­nage­ment und der Tu­to­ren­aus­bil­dung – vor allem in Sa­chen Ko­or­di­na­ti­on zu­stän­dig, be­son­ders die Ko­or­di­na­ti­on der in­ter­dis­zi­pli­nä­ren An­ge­bo­te, die fach­be­reichs­über­grei­fend an­ge­bo­ten wer­den.

Für Leh­ren­de haben wir zwei große Be­rei­che: ei­ner­seits die hoch­schul­di­dak­ti­sche Wei­ter­bil­dung, in der z.B. Lehr­me­tho­den und -kon­zep­te er­lernt wer­den kön­nen, um die ei­ge­ne Lehre, Prü­fun­gen und Be­ra­tungs­an­ge­bo­te wei­ter­zu­ent­wi­ckeln; au­ßer­dem gibt es in­di­vi­du­el­le Be­ra­tungs- und Coa­ching­an­ge­bo­te für Leh­ren­de; und an­de­rer­seits die Stu­di­en­gangs- und Mo­dul­ent­wick­lung, bei der struk­tu­rel­le Ein­hei­ten wie Stu­di­en­gän­ge und Stu­di­en­ab­schnit­te be­ar­bei­tet wer­den. Ziel der ZLL-Ak­ti­vi­tä­ten für Leh­ren­de ist es, Im­pul­se aus der Lehr-Lern­for­schung in die Hoch­schul­leh­re ein­zu­brin­gen, durch ver­schie­de­ne For­ma­te Foren für einen hoch­schul­wei­ten Aus­tausch über Lehre zu schaf­fen und Pro­zes­se zu mo­de­rie­ren, denn ge­ra­de, wenn es meh­re­re Be­tei­lig­te gibt, exis­tie­ren viele In­ter­es­sens­la­gen, die sich mit­un­ter wi­der­spre­chen und da kann es sehr hilf­reich sein, eine neu­tra­le Mo­dera­ti­ons­in­stanz dabei zu haben.

Was raten Sie Stu­die­ren­den, die nun In­ter­es­se an Ihren Kur­sen haben, aber lei­der an den Kur­sen zum Be­ginn der Vor­le­sungs­zeit nicht mehr teil­neh­men konn­ten, weil sie aus­ge­bucht waren?

Hier möch­te ich auf ent­spre­chen­de Kurse in den IDW hin­wei­sen. An­sons­ten haben wir vom ZLL noch einen Mood­le-Kur­sus, in dem wir In­for­ma­tio­nen be­reit­stel­len. Er heißt „Lern­tipps für Stu­die­ren­de“. Die Her­aus­for­de­rung dabei ist, dass wir damit po­ten­ti­ell Stu­die­ren­de aller Stu­di­en­gän­ge an­spre­chen. Ge­ra­de im wis­sen­schaft­li­chen Schrei­ben gel­ten al­ler­dings fach­spe­zi­fi­sche Re­geln, wes­we­gen wir im Zwei­fels­fall auf Fach­be­reichs­an­ge­bo­te und -in­fo­ma­te­ria­li­en ver­wei­sen. Die Nach­fra­ge nach einem Aus­bau un­se­rer An­ge­bo­te be­steht auf jeden Fall, und wir ver­su­chen uns na­tür­lich best­mög­lich an die ak­tu­el­len Zei­ten an­zu­pas­sen; die Res­sour­cen dafür sind aber lei­der be­schränkt und vor allem nicht lang­fris­tig für alle An­ge­bo­te ge­si­chert.

Un­ter­schei­det sich denn die An­fra­ge zu den Vor­jah­ren?

Ge­ra­de die Nach­fra­ge nach den Kur­sen zum Selbst­ma­nage­ment un­ter­schei­det sich stark, sie ist deut­lich ge­stie­gen. Diese Kurse waren immer schon gut aus­ge­bucht, aber mitt­ler­wei­le müs­sen wir wirk­lich viele Men­schen auf War­te­lis­ten set­zen. Das fin­den wir sehr scha­de, denn wir wis­sen, dass die Leute sich nicht ein­fach nur so bei uns an­mel­den möch­ten, son­dern weil sie tat­säch­lich ein An­lie­gen haben. Die un­ge­wohn­te Si­tua­ti­on des On­line-Stu­di­ums trägt dazu si­cher bei. Au­ßer­dem spre­chen wir mit den On­line-Kur­sen eine an­de­re Ziel­grup­pe an, weil man nicht mehr extra vor Ort sein muss, um teil­zu­neh­men. Das ver­grö­ßert wahr­schein­lich die Grup­pe der In­ter­es­sier­ten. Des­we­gen über­le­gen wir, für wel­che An­ge­bo­te wir einen ge­misch­ten Prä­senz- und On­line-Modus viel­leicht bei­be­hal­ten, auch wenn die Hoch­schul­leh­re wie­der in Prä­senz über­geht.

Haben Sie einen ab­schlie­ßen­den Tipp für alle Stu­die­ren­den für die­ses Se­mes­ter?

Wirk­lich wich­tig ist, mit Kom­mil­ton*innen in Kon­takt zu blei­ben. Das zu­fäl­li­ge Tref­fen auf dem Cam­pus ent­fällt ja lei­der. Den­je­ni­gen, die schon län­ger stu­die­ren, wird es leich­ter fal­len, sich mit an­de­ren zu­sam­men­zu­tun. Sie wis­sen, mit wem sie gut kön­nen und mit wem Lern­grup­pen gut funk­tio­nie­ren. Für Erst­se­mes­ter­stu­die­ren­de ist das na­tür­lich sehr schwie­rig. Des­we­gen ver­su­chen die Fach­be­rei­che, für sie Mög­lich­kei­ten zur Ver­net­zung zu schaf­fen. Ge­gen­sei­tig kann man sich bes­ser mo­ti­vie­ren. Au­ßer­dem lohnt es sich, Lern­plä­ne zu ma­chen. Dann sieht man, was die Auf­ga­ben im Se­mes­ter sind und wie sie zeit­lich ver­teilt wur­den. So kann man sich Puf­fer or­ga­ni­sie­ren, um nicht in letz­ter Mi­nu­te unter hohem Druck alles zu leis­ten, denn das kann sehr be­las­tend sein.

Und für die Leh­ren­den?

Da kann ich auf die Kurz-Work­shops ver­wei­sen, die wir neu ins Pro­gramm ge­nom­men haben. Und auf die Mood­le-Kurse; z.B. gibt es einen Kur­sus zu Me­tho­den in der On­line-Lehre und einen zu den ver­schie­de­nen Funk­tio­nen von Mood­le. Au­ßer­dem gibt es na­tür­lich auch für Leh­ren­de immer das An­ge­bot der in­di­vi­du­el­len Be­ra­tung. Wir ver­su­chen immer, kurz­fris­tig zu re­agie­ren, wenn The­men auf uns zu­kom­men. Sich mit aku­ten In­ter­es­sen und An­lie­gen bei uns zu mel­den, ist nütz­lich, denn dann kön­nen wir ver­su­chen, ent­spre­chen­de Ver­an­stal­tun­gen zu or­ga­ni­sie­ren und Be­ra­tung und Un­ter­stüt­zung an­zu­bie­ten.

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