Nach dem Bachelor-Abschluss ihres Maschinenbau-Studiums an der Hochschule München war es aus privaten Gründen klar für Carolin Skottke, dass es für den Master in den Norden gehen sollte. „Ich habe mich in Hamburg auf einen Platz beworben, keinen bekommen und bin dann in Kiel im Master Elektrische Technologien gelandet“, erinnert sich die junge Frau. „Das hat sich aber bald als eine für mich sehr glückliche Fügung herausgestellt“, lacht die 29-Jährige.
Während ihres Master-Studiums am Fachbereich Informatik und Elektrotechnik entdeckte Skottke ihre Leidenschaft für das wissenschaftliche Arbeiten. Schon vor dem Abschluss ihres Studiums hatte sie die sichere Aussicht, in der Industrie zu arbeiten, doch durch einen weiteren Zufall kam es anders. „Bei einer Veranstaltung des Professorinnenprogramms sprach mich Prof. Dr.-Ing. Jana Schloesser vom Fachbereich Maschinenwesen an. Sie erzählte mir von einer offenen Stelle als wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in in einem spannenden Projekt. Nach kurzer Bedenkzeit habe ich mich dann beworben“, erinnert sich Skottke.
Wenn Skottke von dem seit Sommer 2023 laufenden Projekt spricht, hört man die Begeisterung in ihrer Stimme. Das liegt zum einen daran, dass hier vier Partner aus unterschiedlichen Feldern und mit unterschiedlichen Kompetenzen – neben der Forschungs- & Entwicklungszentrum FH Kiel GmbH das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, die Firma Krebs Korrosionsschutz GmbH und das Planungs- und Ingenieurbüro Jörss-Blunck-Ordemann GmbH – zusammenarbeiten. Zum anderen auch am vergleichsweise exotischen Standort, an dem die mikrobiell beeinflusste Eisenkorrosion im maritimen Industriesektor untersucht wird. „Zur Forschungsplattform FINO3 kommen wir eben nur mit dem Hubschrauber“, schmunzelt Skottke.
Das Projekt „MiCorFe“ untersucht die mikrobielle Eisenkorrosion im Inneren von Monopiles von Offshore-Windenergieanlagen. Was im Inneren der in Boden des Meeres gegründeten Strukturen passiert, ist noch nicht genau erforscht. Klar ist jedoch, dass Bakterien den Stahl angreifen. „Der untere Bereich der Monopiles kann saisonal sauerstofffrei werden, was ideale Bedingungen für beispielsweise sulfatreduzierene Bakterien darstellt, wodurch sich Schwefelwasserstoffbildet. Im oberen sauerstoffreichen Bereich der Monopiles finden sich eisenoxidierende Bakterien. Beides hat einen Einfluss auf die Biokorrosion“, erklärt Skottke.
Den Großteil ihrer Zeit für MiCorFe verbringt Skottke allerdings in Kiel – analysiert im Labor, wie sich unterschiedliche Testkörper unter unterschiedlichen Einflüssen entwickeln, wertet Daten aus und teilt ihre Erkenntnisse mit den anderen Projektpartnern, die wiederum sie über ihre neuesten Erkenntnisse informieren. All das ist auch die Grundlage für ihre Dissertation, denn die Forscherin nutzt die Gelegenheit, um an der FH Kiel zu promovieren. Da die Möglichkeit, über das Promotionskolleg Schleswig-Holstein zu promovieren zu Projektbeginn noch nicht bestand, nutzt sie die seit langem mögliche kooperative Promotion mit einer Universität.
Skottke hat daher mit Jana Schloesser nicht nur eine Doktormutter, sondern mit Joachim Rösler auch einen Doktorvater. Dr. rer. nat. Rösler ist Professor am Institut für Werkstoffe der Technischen Universität Braunschweig, an der Skottke als Promotionsstudentin eingeschrieben ist. Neben ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und der Arbeit an ihrer Dissertation belegt sie auch Kurse an der Hochschule. „Nach einem Seminar über Projektmanagement freue ich mich besonders auf die Angebote zu Soft-Skills wie Führungskompetenzen und Kommunikationsstrategien“, blickt Skottke erwartungsvoll in die Zukunft. „Aber auch, dass ich mit Professor Rösler Fragen zu meiner Arbeit diskutieren kann, ist ein großes Plus.“
Was für den einen wie viel Arbeit klingt, sind für Skottke glückliche Umstände. „Ich habe die seltene Gelegenheit, über das Projekt, auf dem ich in Vollzeit arbeite, promovieren zu können“, freut sich die Forscherin. Aber auch die vielen Fragen, die MiCorFe aufwirft, beschäftigen sie. „Dass die Bakterien die Lebensdauer von Monopiles, auf denen Offshore-Bauwerke stehen, beeinflussen, haben wir bereits herausgefunden. Aber wie genau Bakterien in unterschiedlichen Umgebungen auf unterschiedliche Materialen einwirken, sind spannende Fragen. Ebenso, welche Möglichkeiten wir finden werden, die Monopiles besser zu schützen, damit sich diese länger nutzen lassen, was einen positiven Einfluss auf die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit von Offshore-Energieanlagen hat.“