„Drei, zwei, eins…“, zählt das Mädchen. Dann streckt sie die Spitze des Erdungsstabs dem Metallkopf der Versuchsanlage entgegen. Ein Knall und ein kleiner Blitz lassen einige der jungen Zuschauerinnen leicht erschrocken zusammenzucken. Ganz entspannt daneben: Dr. Kay Schmidt-Rethmeier, Professor für Hochspannungstechnik an der FH Kiel. Er lud ein dutzend Schülerinnen ein, um ihnen einen kleinen Ausschnitt seiner Arbeit zu zeigen. Das packende Experiment stand unter dem Motto „Hochspannung garantiert!“.
Die Aktion war Teil des Zukunftstags. Dazu zählen Girls’ und Boys‘ Day: „Mädchen und Jungen haben an diesem Aktionstag die Gelegenheit, in Berufe und Studiengänge reinzuschnuppern, die sie bisher noch gar nicht auf dem Schirm hatten“, sagt Dörte Heller von der Zentralen Studienberatung der FH Kiel. Sie organisiert den Zukunftstag an der Hochschule und ergänzt: „Genau darum geht es: Neue Perspektiven entdecken, vielleicht sogar Vorurteile über typische Frauen- und Männerberufe über Bord werfen und einfach mal was ausprobieren, was einem vielleicht Spaß macht und begeistert.“
Neben der Hochspannungstechnik lockten sieben weitere Angebote auf den Campus in Kiel sowie nach Neumünster und Westerrönfeld. Lebhafte Atmosphäre herrschte bei einer Schülerinnen-Gruppe, die beispielhaft ein Start-up gründete: „Die Solaranlage sollte nicht so sichtbar sein“, erklang es von ihrem Tisch. Die Gruppe generierte mit Hilfe von ChatGPT ein Bild eines Luxus-Standkorbs – ein virtueller Prototyp sozusagen. Denn die Aufgabe der Schülerinnen war es, ein Start-up zu gründen, das Strandkörbe in den USA verkauft. Im Gegensatz zu den Bewohner*innen Schleswig-Holsteins kennen dort viele Menschen das Produkt nicht.

In einem Labor des Fachbereichs Informatik und Elektrotechnik bauten Schülerinnen einen elektronischen LED-Würfel. Dabei lernte die Gruppe nicht nur mehr über 3D-Druck und Computer-Aided Design, kurz CAD, sondern durfte selbst elektronische Bauteile auf eine Platine löten. Für die Schülerinnen eine wichtige Fähigkeit, findet Labormitarbeiter Matthias Teichmann, der die Gruppe anleitete. Mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit wurde den Schülerinnen vor Augen geführt, wie einfach es ist, alten aber noch funktionierenden Bauteilen ein zweites Leben zu schenken. Alles, was man dafür benötigt, ist ein Lötkolben und etwas technisches Know-how.
In Westerrönfeld zeigte die Leiterin eines landwirtschaftlichen Betriebs Schülerinnen, wie man Kälber aufzieht und wie diese sich in Gruppen verhalten. Außerdem erfuhren die Mädchen, was Kühe brauchen, um glücklich und gesund zu bleiben.

In anderen Angeboten lernten Schülerinnen, wie aus einem 3D-Modell ein Rennauto entsteht oder wie man Radio macht. Doch nicht nur für Mädchen gab es Angebote, sondern auch für Jungen: In Neumünster erwartete interessierte Schüler eine Rallye durch die Pflegeschule sowie Einblicke in Notaufnahme und OPs des Krankenhauses. In Kiel luden Studierende der Sozialen Arbeit Schüler zu einem Vormittag in der Kletterhalle ein. Dabei ging es nicht nur um körperliche Fitness, sondern auch um Wahrnehmung und Kommunikation.

Doch ganz gleich für welches Angebot sich die Schüler*innen letztendlich entschieden, eines hatten alle gemeinsam: Die Chance, einen Blick in ein ihnen unbekanntes Berufsfeld oder Studium zu erhalten.
Der nächste Zukunftstag findet voraussichtlich am 23. April 2026 statt.