Zwei Mädchen arbeiten mit einem Lötkolben© F. Klein
Am Girls‘ und Boys‘ Day hat­ten Schü­ler*innen die Mög­lich­keit in un­be­kann­te Be­rufs­zwei­ge zu bli­cken.

Neue Per­spek­ti­ven für Schü­ler*innen

von Felix Klein

 „Drei, zwei, eins…“, zählt das Mäd­chen. Dann streckt sie die Spit­ze des Er­dungs­stabs dem Me­tall­kopf der Ver­suchs­an­la­ge ent­ge­gen. Ein Knall und ein klei­ner Blitz las­sen ei­ni­ge der jun­gen Zu­schaue­rin­nen leicht er­schro­cken zu­sam­men­zu­cken. Ganz ent­spannt da­ne­ben: Dr. Kay Schmidt-Reth­mei­er, Pro­fes­sor für Hoch­span­nungs­tech­nik an der FH Kiel. Er lud ein dut­zend Schü­le­rin­nen ein, um ihnen einen klei­nen Aus­schnitt sei­ner Ar­beit zu zei­gen. Das pa­cken­de Ex­pe­ri­ment stand unter dem Motto „Hoch­span­nung ga­ran­tiert!“.

Die Ak­ti­on war Teil des Zu­kunfts­tags. Dazu zäh­len Girls’ und Boys‘ Day: „Mäd­chen und Jun­gen haben an die­sem Ak­ti­ons­tag die Ge­le­gen­heit, in Be­ru­fe und Stu­di­en­gän­ge rein­zu­schnup­pern, die sie bis­her noch gar nicht auf dem Schirm hat­ten“, sagt Dörte Hel­ler von der Zen­tra­len Stu­di­en­be­ra­tung der FH Kiel. Sie or­ga­ni­siert den Zu­kunfts­tag an der Hoch­schu­le und er­gänzt: „Genau darum geht es: Neue Per­spek­ti­ven ent­de­cken, viel­leicht sogar Vor­ur­tei­le über ty­pi­sche Frau­en- und Män­ner­be­ru­fe über Bord wer­fen und ein­fach mal was aus­pro­bie­ren, was einem viel­leicht Spaß macht und be­geis­tert.“

Neben der Hoch­span­nungs­tech­nik lock­ten sie­ben wei­te­re An­ge­bo­te auf den Cam­pus in Kiel sowie nach Neu­müns­ter und Wes­ter­rön­feld. Leb­haf­te At­mo­sphä­re herrsch­te bei einer Schü­le­rin­nen-Grup­pe, die bei­spiel­haft ein Start-up grün­de­te: „Die So­lar­an­la­ge soll­te nicht so sicht­bar sein“, er­klang es von ihrem Tisch. Die Grup­pe ge­ne­rier­te mit Hilfe von ChatGPT ein Bild eines Luxus-Stand­korbs – ein vir­tu­el­ler Pro­to­typ so­zu­sa­gen. Denn die Auf­ga­be der Schü­le­rin­nen war es, ein Start-up zu grün­den, das Strand­kör­be in den USA ver­kauft. Im Ge­gen­satz zu den Be­woh­ner*innen Schles­wig-Hol­steins ken­nen dort viele Men­schen das Pro­dukt nicht. 

Lachendes Mädchen schaut auf einen Laptop©F. Klein
Mit ChatGPT ge­ne­rier­ten Schü­le­rin­nen ein Bild von ihrer Pro­dukt­idee.

In einem Labor des Fach­be­reichs In­for­ma­tik und Elek­tro­tech­nik bau­ten Schü­le­rin­nen einen elek­tro­ni­schen LED-Wür­fel. Dabei lern­te die Grup­pe nicht nur mehr über 3D-Druck und Com­pu­ter-Aided De­sign, kurz CAD, son­dern durf­te selbst elek­tro­ni­sche Bau­tei­le auf eine Pla­ti­ne löten. Für die Schü­le­rin­nen eine wich­ti­ge Fä­hig­keit, fin­det La­bor­mit­ar­bei­ter Mat­thi­as Teich­mann, der die Grup­pe an­lei­te­te. Mit Blick auf das Thema Nach­hal­tig­keit wurde den Schü­le­rin­nen vor Augen ge­führt, wie ein­fach es ist, alten aber noch funk­tio­nie­ren­den Bau­tei­len ein zwei­tes Leben zu schen­ken. Alles, was man dafür be­nö­tigt, ist ein Löt­kol­ben und etwas tech­ni­sches Know-how.

In Wes­ter­rön­feld zeig­te die Lei­te­rin eines land­wirt­schaft­li­chen Be­triebs Schü­le­rin­nen, wie man Käl­ber auf­zieht und wie diese sich in Grup­pen ver­hal­ten. Au­ßer­dem er­fuh­ren die Mäd­chen, was Kühe brau­chen, um glück­lich und ge­sund zu blei­ben.

Schüler*innen in einem Kuhstall©G. Krü­ger
Der Fach­be­reich Agrar­wirt­schaft zeig­te Schü­le­rin­nen einen land­wirt­schaft­li­chen Be­trieb.

In an­de­ren An­ge­bo­ten lern­ten Schü­le­rin­nen, wie aus einem 3D-Mo­dell ein Renn­au­to ent­steht oder wie man Radio macht. Doch nicht nur für Mäd­chen gab es An­ge­bo­te, son­dern auch für Jun­gen: In Neu­müns­ter er­war­te­te in­ter­es­sier­te Schü­ler eine Ral­lye durch die Pfle­ge­schu­le sowie Ein­bli­cke in Not­auf­nah­me und OPs des Kran­ken­hau­ses. In Kiel luden Stu­die­ren­de der So­zia­len Ar­beit Schü­ler zu einem Vor­mit­tag in der Klet­ter­hal­le ein. Dabei ging es nicht nur um kör­per­li­che Fit­ness, son­dern auch um Wahr­neh­mung und Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Junge an der Kletterwand©F. Klein
In der Klet­ter­hal­le ging es nicht nur um Kraft, son­dern auch um Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Doch ganz gleich für wel­ches An­ge­bot sich die Schü­ler*innen letzt­end­lich ent­schie­den, eines hat­ten alle ge­mein­sam: Die Chan­ce, einen Blick in ein ihnen un­be­kann­tes Be­rufs­feld oder Stu­di­um zu er­hal­ten.

Der nächs­te Zu­kunfts­tag fin­det vor­aus­sicht­lich am 23. April 2026 statt.

 

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