Mann erklärt Kunstwerke an der Wand© Thiel

„Kunst darf auch ein biss­chen weh­tun“

von Lys Plo­the

Was reizt Sie daran, Ihre Werke in der Ga­le­rie Bun­ker-D, zu prä­sen­tie­ren - was ist das Be­son­de­re an die­sem Ort? 

Der Bun­ker an sich ist his­to­risch kon­ta­mi­niert - ein völ­lig an­ders ge­stal­te­ter Raum als bei­spiels­wei­se ein White Cube. Der Bun­ker stellt einen zeit­ge­schicht­lich be­setz­ten Ort dar, den man künst­le­risch be­ar­bei­ten kann. Ich habe mich die­sem zu­nächst vor­sich­tig an­ge­nä­hert, dann aber rasch fest­ge­stellt, dass es sich beim Bun­ker-D um eine gut be­spiel­ba­re Größe han­delt. Als „ma­ri­ti­mer Nest­ho­cker“ ist Kiel mein So­zio­top seit der Grund­schul­zeit und mir ist es wich­tig, Kunst­räu­me vor Ort mit­zu­ge­stal­ten.

 

Wel­che Fra­gen wol­len Sie mit Ihrem Schaf­fen auf­wer­fen, was sind Ihre The­men? 

Über­rascht sol­len die Leute sein - mit mei­nem Schaf­fen ent­ste­hen Ver­bin­dun­gen zwei­er Wir­kebe­nen, die erst­mal nicht zu­ein­an­der pas­sen. Meine bei­den The­men sind ei­gent­lich: Dinge zu­sam­men­brin­gen, die nicht zu­sam­men ge­hö­ren und: Klei­ne Dinge groß ma­chen. 

Meine Kunst stellt die Be­su­cher vor eine for­ma­le Frage: Das Zu­sam­men­spiel zwi­schen Text und Bild in Lyrik, auch Kin­der­ly­rik, aber auch in vi­su­el­ler Poe­sie, Text, der auch im Bild statt­fin­den kann. Text wird von mir in eine be­stimm­te Form ge­bracht und so er­fahr­bar ge­macht; zum Bei­spiel ar­bei­te ich mit Laut­ma­le­rei­en aus Co­mics, zer­ha­cke Namen oder be­nut­ze Ad­lips von Rap­pern. Die Spra­che ist voll von sol­cher­lei Mög­lich­kei­ten. So kam ich üb­ri­gens auch auf den Aus­stel­lungs­ti­tel: Ich frag­te mich die ganze Zeit, was mir das Al­pha­bet „mit­tei­len woll­te“, ich las es wie­der und wie­der - und ir­gend­wann setz­te es sein ei­ge­nes Stop, in Form der bei­den auf­ein­an­der fol­gen­den Buch­sta­ben „NO“.

Was er­war­tet die Be­su­cher bei Ihrer Aus­stel­lung?

Es er­war­tet sie ein Quer­schnitt mei­ner Werke, Dru­cke, Col­la­gen und Col­la­gen­se­ri­en mit und ohne Text, Ob­jek­te, Lo­se­blatt­wer­ke, sowie vier Bil­der, die klas­sisch auf Lein­wand funk­tio­nie­ren, ge­zeich­net mit Tinte. 

Kunst auf einem Hoch­schul-Cam­pus zu prä­sen­tie­ren - passt das? Was haben diese bei­den Wel­ten mit­ein­an­der ge­mein? 

Das passt aus mei­ner Sicht immer! Je­man­den, der ei­gent­li­chen nichts mit Kunst zu tun hat, in die Lage zu brin­gen, ein Kunst­werk zu be­trach­ten - zum Bei­spiel, indem eine Au­ßen­wand mit vi­su­el­ler Poe­sie be­spielt wird - das ist immer eine Chan­ce. Kunst in einem öf­fent­li­chen Raum ist we­ni­ger eli­tär. Doch Kunst soll auch be­son­ders be­han­delt, ge­wert­schätzt und ge­zeigt wer­den. Sie darf dem Be­trach­ter ein klei­nes biss­chen weh­tun und muss nicht allen ge­fal­len. Der Bun­ker-D ist ein per­fek­ter Ort dafür. 

In­ter­view: Lys Plo­the

Die Aus­stel­lung „AB­C­DEF­GHI­JKLM­NO“ von Arne Rau­ten­berg wird am 16 Mai 2019 um 18 Uhr im Bun­ker-D der Fach­hoch­schu­le Kiel er­öff­net. Sie ist dann bis einschl. 12. Juni 2019 wo­chen­tags von 10 bis 14 Uhr außer am Mitt­woch (10 bis 22 Uhr) zu be­sich­ti­gen. Der Ein­tritt zur Ver­nis­sa­ge und Aus­stel­lung ist frei.

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