Auf der linken Bildseite ersteckt sich die Unterseite einer Betonbrücke, am gegenüberliegenden Ufer des Flusses, in diesem Fall der Elbe, ist die Sächsische Staatskanzlei zu sehen.     © P. Eich­ler
In der frisch sa­nier­ten Ca­ro­la­b­rü­cke in Dres­den steckt Know-how der FH Kiel.

Hoch­schu­le Mün­chen und FH Kiel haben ba­salt­be­wehr­te Brü­cken­kap­pen aus Re­cy­cling­be­ton ent­wi­ckelt

von Frau­ke Schä­fer

Die Fach­hoch­schu­le Kiel und die Hoch­schu­le Mün­chen haben ge­mein­sam mit der Deut­schen Ba­salt­stab GmbH und der Erd­trans GmbH eine lang­le­bi­ge Brü­cken­kap­pe aus in­no­va­ti­ven Ma­te­ria­li­en ent­wi­ckelt. Sie be­steht aus Re­cy­cling­be­ton, ist mit nicht­ros­ten­den Ba­salt­fa­ser­stä­ben be­wehrt und damit wit­te­rungs­be­stän­di­ger und um­welt­freund­li­cher als her­kömm­li­che Brü­cken­kap­pen. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und En­er­gie hat das über zwei Jahre lau­fen­de For­schungs- und Trans­fer­pro­jekt mit einer Ge­samt­sum­me von 880.000 Euro ge­för­dert. Er­folg­reich ein­ge­setzt wur­den die in­no­va­ti­ven Brü­cken­kap­pen bei einer Brü­cken­sa­nie­rung in Dres­den.

Tau­sen­de Brü­cken­bau­wer­ke müs­sen im Bun­des­ge­biet er­neu­ert wer­den, weil der hier ein­ge­setz­te Be­ton­stahl kor­ro­diert. Be­son­ders an­fäl­lig sind die seit­li­chen Brü­cken­kap­pen, auf denen Geh- oder Rad­we­ge, Ge­län­der, Leit­plan­ken und Lärm­schutz­ein­rich­tun­gen un­ter­ge­bracht sind. Sie müs­sen durch­schnitt­lich nach 25 Jah­ren aus­ge­tauscht wer­den; das ist nicht nur teuer, son­dern führt auch zu er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen des Ver­kehrs.

Lang­le­bi­ger könn­ten Be­ton­bau­tei­le sein, die nicht mit Stahl, son­dern mit Ele­men­ten aus fa­ser­ver­stärk­tem Kunst­stoff be­wehrt sind. Die Deut­sche Ba­salt Stab GmbH hat ent­spre­chen­de Stäbe aus Ba­salt­fa­sern ent­wi­ckelt. Für deren Ver­wen­dung an Brü­cken­kap­pen muss­te ihr Her­stel­lungs­ver­fah­ren wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den, um sie mit mög­lichst ge­rin­gen Ver­lus­ten der Fes­tig­keit in ge­bo­ge­ner Form her­stel­len zu kön­nen.

An der Hoch­schu­le Mün­chen wid­me­ten sich Fach­leu­te der­weil dem Beton. Prof. Dr. An­drea Kus­ter­mann und Prof. Dr. Chris­toph Dau­ber­schmidt vom In­sti­tut für Ma­te­ri­al- und Bau­for­schung der Fa­kul­tät für Bau­in­ge­nieur­we­sen woll­ten den Bau­stoff nach­hal­ti­ger und gleich­zei­tig wi­der­stands­fä­hig gegen Wit­te­rungs­ein­flüs­se ma­chen. Der Beton soll­te mög­lichst zu 100 Pro­zent aus re­zy­klier­ter Ge­steins­kör­nung be­stehen, der Ze­ment wei­test­ge­hend durch auf­be­rei­te­tes re­zy­klier­tes Fein­ma­te­ri­al er­setzt wer­den. Für des­sen Ent­wick­lung op­ti­mier­te der drit­te Pro­jekt­part­ner, die Erd­trans GmbH aus Zos­sen bei Ber­lin, den Her­stel­lungs­pro­zess. Am Ende war es mög­lich, den Ze­ment­leim fast voll­stän­dig von der Ge­steins­kör­nung zu tren­nen. „Die Op­ti­mie­rung der Auf­be­rei­tungs­ver­fah­ren beim Ab­bruch er­mög­li­chen ein sehr ho­mo­ge­nes Re­cy­cling­ma­te­ri­al. Hier­mit lässt sich ein zu­ver­läs­si­ger und dau­er­haf­ter neuer Beton her­stel­len, der Frost- und Tau­salz-An­grif­fen stand­hält“, er­klärt die Ex­per­tin für Re­cy­cling­be­ton Kus­ter­mann.

An der Fach­hoch­schu­le (FH) Kiel führ­te Prof. Dr. Ste­phan Görtz die Teil­pro­jek­te zu­sam­men. Der Pro­fes­sor für Kon­struk­ti­ven In­ge­nieur­bau un­ter­such­te die Trag­fä­hig­keit und die Ent­wick­lung et­wai­ger Risse in der Brü­cken­kap­pe ex­pe­ri­men­tell und ana­ly­tisch. Ba­sie­rend auf sei­nen Un­ter­su­chun­gen ent­stand ein Be­mes­sungs­mo­dell, das an einem sta­ti­schen Be­las­tungs­ver­such einer Brü­cken­kap­pe über­prüft wurde.

Die Neu­ent­wick­lung setz­te die Deut­sche Ba­salt Stab GmbH bei der Sa­nie­rung der 500 Meter lan­gen Ca­ro­la­b­rü­cke in Dres­den in der Pra­xis um und er­setz­te mit ihr die alten Brü­cken­kap­pen im Be­reich des Fuß- und Rad­we­ges. Pro­jekt­lei­ter Prof. Görtz hofft, dass die­ses Bei­spiel Schu­le ma­chen wird: „Die An­wen­dung der nicht­me­tal­li­schen Be­weh­rung und des Re­cy­cling­be­tons ist nicht auf Brü­cken­kap­pen be­schränkt, son­dern kann für viele Be­rei­che eine sinn­vol­le Al­ter­na­ti­ve sein. Nicht­me­tal­li­sche Be­weh­rung bie­tet sich vor allem in kor­ro­si­ver Um­ge­bung an, z. B. im Be­reich von Meer­was­ser oder dort, wo im Win­ter mit Tau­salz ge­streut wird. Re­cy­cling­be­ton kann für viele Mas­sen­bau­tei­le, z. B. kon­ven­tio­nel­le De­cken­plat­ten im Hoch­bau, eine res­sour­cen­scho­nen­de Al­ter­na­ti­ve sein.“

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