Das Wasser sucht sich seinen Weg: Wenn es regnet, verdunstet mehr als die Hälfte. Etwa ein Fünftel des Niederschlags fließt oberflächlich ab in die Kanalisation, in Seen und Flüsse. Das letzte Viertel, das den Weg in den Boden findet, wird schließlich zu Grundwasser. „Dabei spielt die Zusammensetzung des Bodens eine wichtige Rolle“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Sven Liebisch vom Institut für Bauwesen an der FH Kiel. „Je nach Bodenarten und der Korngrößenverteilung kann der Untergrund in seinen Porenräumen mehr oder weniger Wasser aufnehmen.“
„Der Bodenaufbau in unserer Region ist stark durch eiszeitliche Einflüsse und Schmelzwasser-Ablagerungen geprägt“, führt Dr. Alois Steiner, Professor für Geotechnik im Wasserbau weiter aus. „Häufig sind oberflächennah Geschiebemergel, Geschiebelehme und Sande anzutreffen. Diese Abfolge von teilweise gering durchlässigen Sedimenten sorgt dafür, dass Niederschlagswasser nur langsam versickert.“ Das Grundwasser ist letztlich nur der Niederschlag, der im Boden einsickert. Tiefer liegende Ton-, Schluff- und Lehmschichten sorgen dafür, dass sich das Wasser sammelt – es bilden sich unterirdische Flüsse und Speicher, die der Schwerkraft folgend abfließen.
Liebisch deutet auf eine Karte, die das Land in unterschiedliche Blautöne färbt: „Wir in Schleswig-Holstein können unseren Trinkwasserbedarf – also auch das Wasser, das wir in Bad, Küche und vielerorts zur Gartenbewässerung nutzen – vollständig aus dem Grundwasser decken. Aber: Bei längeren Trockenperioden, wie wir sie in den letzten Jahren in den Sommermonaten hatten, kann der Grundwasserspiegel auch verbrauchsbedingt sinken.“ Steigt der Verbrauch zum Beispiel durch vermehrte Gartenbewässerung können die Kommunen diese nicht zwingend notwendigen Verbräuche sowie das Autowaschen und das Befüllen von Swimming-Pools verbieten, damit immer ausreichend Trinkwasser für die lebensnotwendigen Dinge zur Verfügung steht.
Die Klagen von Hausbesitzerinnen und -besitzern über feuchte Keller treten häufig nach längeren Regenperioden auf. „Während die Niederschlagsmenge über das Jahr gesehen relativ konstant geblieben ist, lässt sich vielerorts eine Veränderung in der Verteilung der Jahresniederschläge beobachten“, erklärt Liebisch. „Es gibt eine Verschiebung hin zu längeren Trockenperioden und mehr Starkregen-Ereignissen. Das kann sich auch auf den Grundwasserspiegel auswirken, der dadurch eine größere Schwankungsbreite hat.“ Für Gebäudeschäden durch Grundwasser gibt es aber noch einen weiteren Faktor, weiß Steiner: „Die Bauweise der Häuser spielt eine große Rolle. Bei älteren Häusern ist die Bodenplatte nicht aus einem Stück gefertigt, die Wände schließen nicht nahtlos an und die Abdichtung ist über die Jahrzehnte erodiert. Unter solchen Bedingungen findet das Wasser seinen Weg in den Keller.“
So verständlich der Ärger im Einzelfall ist – eigentlich ist der hohe Grundwasserstand eine gute Nachricht. „In einigen Bundesländern muss für die Trinkwassergewinnung ein höherer Aufwand betrieben werden“, sagt Liebisch mit Blick auf seine Karte. „Im Rheinland beispielsweise kommt die Uferfiltration zum Einsatz, ein Verfahren, bei der gefiltertes Flusswasser zu Trinkwasser aufbereitet wird. In bergigen Regionen sind dagegen Talsperren als Wasserspeicher üblich.“
Grundwasser wird oft als verlässliche Ressource angesehen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Veränderungen im Wasserkreislauf, beispielsweise durch Flächenversiegelung, die Häufung von Extremwetter-Ereignissen und der Bedarf neuer Großverbraucher (wie beisielsweise die Großfabrik von Tesla am Rande Berlins) zeigen, dass die ausreichende Verfügbarkeit von Grundwasser keine Selbstverständlichkeit ist. Ebenso wie unsere Oberflächengewässer müssen auch unsere Grundwasservorkommen vor Beeinträchtigung geschützt werden, um diese lebenswichtige Ressource für künftige Generationen zu erhalten.