Zwei Frauen sitzen auf der rechten und linken Seite eines Bistrotischs, auf dem Tisch steht der Kopf eines Roboters.   © L. Free­se
Prof. Fran­zis­ka Uhing (links) und Mi­ri­am Pfau wol­len ihrem Ro­bo­ter ein mög­lichst mensch­li­ches Ant­litz ver­lei­hen.

For­scher*innen aus Kiel und Dä­ne­mark ent­wi­ckeln As­sis­tenz­ro­bo­ter für Kran­ken­häu­ser

von Frau­ke Schä­fer

Der Fach­kräf­te­man­gel in der Pfle­ge ist groß, die Ar­beits­be­las­tung von Pfle­ge­kräf­ten hoch. Ein deutsch-dä­ni­sches For­schungs­pro­jekt unter der Lei­tung der Uni­ver­si­tät Süd­dä­ne­mark (SDU) möch­te Pfle­ge­kräf­te ent­las­ten. Die acht Pro­jekt­part­ner, dar­un­ter die Fach­hoch­schu­le (FH) Kiel und die Uni­ver­si­tät zu Lü­beck (UzL) sowie fünf Kran­ken­häu­ser in Süd­dä­ne­mark und Nord­deutsch­land, wol­len eine Reihe As­sis­tenz­ro­bo­ter ent­wi­ckeln und in der Pra­xis er­pro­ben. Die Ro­bo­ter sol­len tri­via­le Auf­ga­ben über­neh­men, damit das Per­so­nal mehr Zeit für die Pfle­ge und Be­hand­lung der Pa­ti­ent*innen hat. Das For­schungs- und Ent­wick­lungs­pro­jekt „Hos­pi­Bot“ läuft über drei Jahre und er­hält im Rah­men des In­ter­reg-Pro­gramms über 1,6 Mil­lio­nen Euro. 

Sie müs­sen klein und fle­xi­bel sein und sich in lau­ten und hek­ti­schen Um­ge­bun­gen zu­recht­fin­den: Die An­for­de­run­gen an die As­sis­tenz­ro­bo­ter, die im Rah­men des For­schungs- und Tans­fer­pro­jekts „Hos­pi­Bot“ ent­wi­ckelt wer­den sol­len, sind hoch. Schlie­ß­lich sol­len die Ro­bo­ter Pfle­ge­kräf­te und me­di­zi­ni­sches Fach­per­so­nal ent­las­ten hel­fen. Damit dies ge­lin­gen kann, stim­men sich die For­scher*innen eng mit den be­tei­lig­ten Kli­ni­ken ab, be­tont Pro­jekt­lei­ter Oskar Pa­lin­ko. Der au­ßer­or­dent­li­che Pro­fes­sor für Ro­bo­tik an der Uni­ver­si­tät Süd­dä­ne­mark ko­or­di­niert das Hos­pi­Bot-Pro­jekt. Zu Pro­jekt­be­ginn haben Kli­ni­ken und Hoch­schu­len drei Ein­satz­sze­na­ri­en iden­ti­fi­ziert, er­klärt Pa­lin­ko: „Das Sze­na­rio ‚Be­grü­ßen und Be­glei­ten‘ wol­len wir in Oden­se in der Kin­der­kli­nik er­pro­ben. Beim Sze­na­rio Pa­trol­ling geht es um Fra­gen der Si­cher­heit. Und unser Trans­port-Ro­bo­ter soll Pro­ben, Do­ku­men­te und ähn­li­ches an vor­ge­ge­be­ne Orte brin­gen.“

Für ihre Ar­beit grei­fen die For­scher*innen auf Er­fah­run­gen aus dem Pro­jekt „Han­di­Rob“ zu­rück. SDU, FH Kiel und UzL hat­ten einen Ro­bo­ter ent­wi­ckelt, der zum Des­in­fi­zie­ren der Hände auf­for­dert. Ak­tu­ell nutzt ihn die Pro­jekt­grup­pe, um die Re­ak­ti­on von Men­schen auf die „Mimik“ eines Ro­bo­ters zu er­for­schen. Die grö­ß­te Her­aus­for­de­rung liege in der In­ter­ak­ti­on mit dem Men­schen, be­tont Prof. Fran­zis­ka Uhing von der FH Kiel. Uhing ver­ant­wor­tet die Ge­stal­tung der Be­nut­zer­ober­flä­che und möch­te u. a. mit­hil­fe von Eye-Tracking die Nut­zer­re­ak­tio­nen er­fas­sen: „Die Ge­stal­tung der Kör­per­form, der Augen, Spra­che, Be­we­gun­gen, Licht und Ton sind ent­schei­dend für den Ge­samt­ein­druck, der mög­lichst eine mensch­li­che Note haben soll. Schlie­ß­lich wol­len wir, dass alle Be­tei­lig­ten gerne mit den Ro­bo­tern in­ter­agie­ren.“

Die Uni­ver­si­tät zu Lü­beck rea­li­siert das Kon­zept eines pa­trouil­lie­ren­den Ro­bo­ters. Die­ser soll nicht nur ab­han­den ge­kom­me­ne Ge­gen­stän­de auf­fin­den, son­dern auf sei­nen Kon­troll­gän­gen auch Not­si­tua­tio­nen er­ken­nen kön­nen. Ro­bert Wend­landt ar­bei­tet mit sei­nem Team an der kom­mu­ni­zie­ren­den Sen­sor­ein­heit des Ro­bo­ters. „Der Ro­bo­ter soll über Dis­play, Laut­spre­cher und Mi­kro­fon Kon­takt zu den Men­schen auf­neh­men, die über ihn Hilfe her­bei­ru­fen kön­nen“, er­klärt Wend­landt. Dabei ar­bei­te der Ro­bo­ter da­ten­spar­sam: „Das heißt, er nimmt keine Vi­de­os von Per­so­nen auf, son­dern ver­ar­bei­tet re­du­zier­te Form­mo­del­le oder Wär­me­da­ten.“

Die ers­ten pa­trouil­lie­ren­den As­sis­tenz­ro­bo­ter sol­len im Herbst 2024 durch die Kran­ken­haus­flu­re der Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner in Süd­dä­ne­mark und Schles­wig-Hol­stein rol­len. Be­reits jetzt ver­sieht der erste „Emp­fangs-Ro­bo­ter“ sei­nen Dienst: In der Kin­der­kli­nik in Oden­se be­grü­ßt er win­kend die jun­gen Pa­ti­ent*innen, plau­dert mit Be­su­cher*innen, zeigt den Weg. Den Kin­dern soll er die Angst vorm Kran­ken­haus neh­men und den For­scher*innen wich­ti­ge Er­kennt­nis­se ver­schaf­fen: Die Re­ak­tio­nen von Pa­ti­ent*innen, Be­su­cher*innen und Pfle­ge­per­so­nal flie­ßen in die wei­te­re Ent­wick­lung ein, be­tont Pro­jekt­lei­ter Pa­lin­ko: „Wir kön­nen die per­fek­te tech­ni­sche Lö­sung fin­den, aber wenn die Men­schen den Ro­bo­ter nicht be­nut­zen, wird er nur in der Ecke ste­hen und ein Flop sein."

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