Jan-Hendrik Carstensen© J. Kö­nigs

FH-Ab­sol­vent be­glei­tet zu­kunfts­wei­sen­des Pflan­zen­pro­jekt

von viel.-Re­dak­ti­on

Es war ein Im­puls aus dem Kol­le­gen­kreis beim Soft­ware­tech­no­lo­gie­dienst­leis­ter macio GmbH in Kiel, der Jan-Hen­drik Cars­ten­sen dazu ver­an­lass­te, Topf­pflan­zen mit Mini-Com­pu­tern aus­zu­stat­ten, Daten über ihren Ver­sor­gungs­stand zu sam­meln und in einer Cloud zu spei­chern.

„In der Pflan­zen­er­de steckt ein Sen­sor“, sagt Jan und zeigt an­hand einer Zim­mer­pflan­ze sei­nen Pro­jekt­auf­bau. „Die­ser Sen­sor wird über einen Mini-Com­pu­ter an­ge­steu­ert, der in die­sem Fall über eine ex­ter­ne Strom­ver­sor­gung läuft. So sen­det die Pflan­ze stünd­lich Daten an die Cloud, wo alle In­for­ma­tio­nen dann in einer Web­an­wen­dung an­ge­zeigt wer­den.“ So könne man alle be­lie­bi­gen Pflan­zen über­wa­chen und ihre Bo­den­feuch­tig­keit, Tem­pe­ra­tur und sogar die Luft­feuch­tig­keit im Auge be­hal­ten.

Jan, der ge­ra­de seine Ba­che­lor­ar­beit im Stu­di­en­gang Wirt­schafts­in­for­ma­tik am Fach­be­reich Wirt­schaft der FH Kiel ge­schrie­ben hat, ruft die Web­an­wen­dung am Com­pu­ter auf und öff­net mit einem Klick auf das Foto einer spe­zi­el­len Pflan­ze einen Gra­phen, der die Bo­den­feuch­tig­keit der letz­ten 14 Tage an­zeigt. „Die Pflan­zen­welt be­fin­det sich noch in der Ent­wick­lung“, er­klärt er, „es sol­len noch mehr Mess­wer­te hin­zu­kom­men, noch mehr Fea­tures.“ Bei­spiels­wei­se sol­len No­ti­fi­ca­ti­ons ent­wi­ckelt wer­den, ähn­lich den Be­nach­rich­ti­gun­gen auf dem Smart­pho­ne. „Wenn man bei Whats­App eine Nach­richt von je­man­dem be­kommt, wird das auf dem Bild­schirm an­ge­zeigt. So soll es auch mit der App für die macio-Pflan­zen­welt sein. Dann be­kommt man eine Nach­richt, dass Pflan­ze 23 wie­der ge­gos­sen wer­den muss“, sagt Jan. Bis­lang be­steht ein Pro­to­typ die­ser App, den Jan noch wei­ter­ent­wi­ckeln wird.

Ein span­nen­des Pro­jekt mit viel Lern­po­ten­zi­al: Jan be­rich­tet, dass sein Pro­jekt bei macio dazu dient, diese be­son­de­ren Tech­no­lo­gi­en zu er­for­schen und aus den Ver­su­chen zu ler­nen. „Wir wol­len Pro­jek­te wie die­ses nut­zen, um Wis­sen im Um­gang mit dem In­ter­net of Things zu sam­meln“, er­klärt er. Das In­ter­net of Things (IoT) be­zeich­net das Ver­net­zen von phy­si­schen und vir­tu­el­len Ge­gen­stän­den, die dann un­ter­ein­an­der In­for­ma­tio­nen aus­tau­schen und mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. Jan und seine Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen wol­len ler­nen, wie man mit dem IoT ar­bei­ten kann und wel­che Mög­lich­kei­ten sich dar­aus für ver­schie­de­ne Kun­den-Pro­jek­te bei macio er­ge­ben. „Die Er­geb­nis­se ste­hen im fir­men­in­ter­nen Wiki für alle Mit­ar­bei­ter/innen bei macio zur Ver­fü­gung“, sagt Jan. „Wir kön­nen auf unser be­stehen­des Wis­sen und un­se­re Er­fah­run­gen zu­rück­grei­fen und das ge­won­ne­ne Wis­sen in rea­len Pro­jek­ten ein­set­zen, wenn wir Soft­ware ent­wi­ckeln. Es kann ja durch­aus sein, dass eine Tech­no­lo­gie wie die der Pflan­zen­welt bald ein­ge­setzt wer­den soll.“

macio ent­wi­ckelt in­di­vi­du­el­le, in­no­va­ti­ons­ge­trie­be­ne Soft­ware im Kun­den­auf­trag für den Ma­schi­nen- und Ge­rä­te­bau sowie die Me­di­zin­tech­nik, um die Pro­duk­te der Kund­schaft zum Er­folg zu füh­ren. Jan ge­hört zu dem Team, das am Stand­ort Kiel ar­bei­tet. Seine Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen sit­zen auch in Ham­burg, Düs­sel­dorf und Karls­ru­he.

Seit zwei­ein­halb Jah­ren ist Jan als Werk­stu­dent bei macio tätig. An­ge­fan­gen hat er in der Qua­li­täts­si­che­rung, wo er sich mit au­to­ma­ti­sier­ten Soft­ware­tests be­fass­te, bevor er 2017 in den Be­reich Soft­ware­ent­wick­lung wech­sel­te. Kurz da­nach star­te­te er im Werk­stu­den­ten-Pro­jekt „macio-Pflan­zen­welt“. „Es war für mich per­sön­lich sehr cool, weil ich als Stu­dent genug Zeit, Mög­lich­kei­ten und Res­sour­cen zur Ver­fü­gung hatte, um mich in etwas ein­zu­ar­bei­ten, das für mich kom­plet­tes Neu­land war“, be­rich­tet Jan.

Der Stu­dent der Wirt­schafts­in­for­ma­tik stell­te sich der Her­aus­for­de­rung, eig­ne­te sich ei­gen­stän­dig das be­nö­tig­te Wis­sen an und konn­te dabei in sei­nem ei­ge­nen Tempo ler­nen und ar­bei­ten, da er sich nicht an Dead­lines hal­ten muss­te. „Ich habe ein­fach Schritt für Schritt ge­lernt und mich über alle meine Er­geb­nis­se ge­freut“, be­rich­tet Jan.

Mit der „macio-Pflan­zen­welt“ hat Jan an einem zu­kunfts­wei­sen­den Vor­ha­ben mit­ge­wirkt, das noch lange nicht ab­ge­schlos­sen ist. „Un­se­re Er­geb­nis­se kön­nen zum Bei­spiel in der Land­wirt­schaft oder bei Gärt­ne­rei­en zum Tra­gen kom­men“, er­läu­tert Jan. „Hat man über 200 Pflan­zen, müs­sen diese über­wacht und be­wäs­sert wer­den. Man könn­te an die­ser Stel­le auch eine au­to­ma­ti­sche Be­wäs­se­rung in­te­grie­ren: Stellt der Mini-Com­pu­ter fest, dass der Was­ser­ge­halt im Boden zu nied­rig ist, kann sich eine Pumpe ein­schal­ten, die mit der Was­ser­lei­tung ge­kop­pelt ist.“ Somit hat die „macio-Pflan­zen­welt“ viel Po­ten­zi­al, auch in grö­ße­ren Di­men­sio­nen und in in­ter­dis­zi­pli­nä­ren An­wen­dungs­ge­bie­ten ein­ge­setzt zu wer­den.

Er fühle sich schon fast im Ar­beits­le­ben an­ge­kom­men, sagt Jan, der ab dem 1. Ok­to­ber eine Fest­an­stel­lung bei macio an­tre­ten wird. „Meine Se­mes­ter­fe­ri­en habe ich immer zum Ar­bei­ten ge­nutzt. Jetzt werde ich in mei­nem Ur­laub mehr rei­sen.“

Dem Werk­stu­den­ten-Pro­jekt und den Pflan­zen wird Jan auch wei­ter­hin als Be­treu­er er­hal­ten blei­ben, denn die Zu­sam­men­ar­beit mit der FH Kiel sorgt dafür, dass neue Stu­die­ren­de bei macio Ein­blick in die­ses span­nen­de Ar­beits­feld be­kom­men kön­nen. Be­son­ders durch das Modul "Ent­wick­lung und Ma­nage­ment von Soft­ware­pro­jek­ten" (EMS) in dem Fach­be­reich In­for­ma­tik und Elek­tro­tech­nik an der FH sol­len Stu­die­ren­de an­ge­spro­chen wer­den.

Jan freut sich über die blei­ben­de Ver­bin­dung zur FH, denn er hat sein Stu­di­um der Wirt­schafts­in­for­ma­tik in guter Er­in­ne­rung. „Den hohen Pra­xis­an­teil habe ich sehr ge­nos­sen, des­we­gen habe ich von der klas­si­schen Uni­ver­si­tät an die FH Kiel ge­wech­selt“, sagt er. „Ei­ni­ge Vor­le­sun­gen haben mir des­we­gen be­son­ders ge­fal­len, weil mir das Ler­nen so viel leich­ter fiel. Das habe ich als sehr gro­ßen Vor­teil emp­fun­den.“ Zwar hätte er sich einen hö­he­ren An­teil an In­for­ma­tik-In­hal­ten in sei­nem Stu­di­en­gang ge­wünscht, doch er gibt zu, ein eher un­ty­pi­scher Wirt­schafts­in­for­ma­ti­ker zu sein. „Die meis­ten ent­schei­den sich für die Wirt­schaft, mir da­ge­gen hat die Soft­ware­ent­wick­lung letzt­end­lich am bes­ten ge­fal­len, ob­wohl ich ur­sprüng­lich nie in die Soft­ware­ent­wick­lung woll­te!“

Sei­nen Kom­mi­li­to­nen und an­ge­hen­den Stu­die­ren­den rät Jan, sich früh­zei­tig einen Ne­ben­job zu su­chen. Das sei die idea­le Mög­lich­keit, um bei einem Un­ter­neh­men mit­zu­ma­chen, das in den Be­rei­chen tätig ist, die einem per­sön­lich zu­sa­gen. „Es ist ein Ein­stieg in die Ar­beits­welt, mir per­sön­lich hat das sehr ge­hol­fen. Ein guter Aus­gleich zum theo­re­ti­schen Ler­nen“, ist sich Jan si­cher. Auch sei es hilf­reich, an den Pro­jek­ten der FH teil­zu­neh­men und auf Do­zie­ren­de zu­zu­ge­hen, die meis­tens mit vie­len Un­ter­neh­men aus der Wirt­schaft in Kon­takt stün­den.

In etwa vier Wo­chen wird Jan sein Kol­lo­qui­um am Fach­be­reich Wirt­schaft ab­le­gen und sein Stu­di­um damit ab­schlie­ßen. Auch seine Ba­che­lor­the­sis steht mit Pflan­zen im Zu­sam­men­hang, al­ler­dings in ab­ge­wan­del­ter Weise: „Auf­bau von draht­lo­sen Sen­sor­netz­wer­ken unter Ver­wen­dung eines ver­masch­ten Net­zes (Mesh) im Ver­gleich zur Stern-Ty­po­lo­gie“ lau­tet der Titel von Jans Ar­beit. Was sich da­hin­ter ver­birgt?

„Auf der em­bed­ded World 2018 in Nürn­berg, einer Messe, ist der Kon­takt zum Un­ter­neh­men Neo­Cor­tec ent­stan­den. Dar­auf­hin habe ich den Auf­trag be­kom­men, ein Mesh-Netz­werk, also ein Netz­werk mit meh­re­ren mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Kno­ten­punk­ten in einem Netz­werk, auf­zu­bau­en“, er­klärt Jan. „Das Un­ter­neh­men ver­treibt die Hard­ware für sol­che Netz­wer­ke.“

Jan nutz­te die Tech­no­lo­gi­en von Neo­Cor­tec und baute ein ver­masch­tes Netz­werk auf, bei dem er sich auf die „macio-Pflan­zen­welt“ als An­wen­dungs­fall bezog: Alle Pflan­zen, die mit den Mini-Com­pu­tern und Sen­so­ren aus­ge­stat­tet sind, ver­band Jan zu einem draht­lo­sen Sen­sor­netz­werk in einer sol­chen Mesh-To­po­lo­gie. Die er­ho­be­nen Daten über den Ver­sor­gungs­stand der ein­zel­nen Topf­pflan­zen wur­den nicht mehr an einen ein­zi­gen zen­tra­len Rou­ter ge­sen­det, son­dern an ein de­zen­tra­les Gate­way, ähn­lich einer Zwi­schen­schal­tung. Möch­te eine Pflan­ze die Daten an die­ses Gate­way sen­den, kön­nen sich die an­de­ren Pflan­zen mit­ein­an­der ver­bin­den und über­neh­men eine Rou­ting-Funk­ti­on, um die Daten si­cher und schnell zum Ziel­punkt zu lei­ten. „Das be­deu­tet, dass die­ses ver­masch­te Netz­werk für mehr Si­cher­heit sorgt, das Sys­tem kann ein­fa­cher ge­war­tet wer­den und man kann sehr schnell neue Pflan­zen zum Netz­werk hin­zu­fü­gen. Au­ßer­dem braucht man kei­nen WLAN Rou­ter mehr“, so Jan.

Von sei­ner en­ga­gier­ten und er­folg­rei­chen Ba­che­lor­ar­beit und dem Pro­jekt „macio-Pflan­zen­welt“ ist auch Neo­Cor­tec be­geis­tert, die sogar ein In­ter­view mit Jan ver­öf­fent­licht haben. „Ich freue mich, dass meine Ar­beit so viel In­ter­es­se er­fährt“, sagt Jan, „weil eine Idee da­hin­ter­liegt, die ganz viel be­wir­ken kann.“

 

Julia Kö­nigs

© Fach­hoch­schu­le Kiel