Ein Mann© M. Pilch

Ein wei­te­res Ju­bi­lä­um im Ju­bi­lä­ums­jahr

von Isa­bel­le Wie­ser

Nicht nur die Fach­hoch­schu­le fei­ert in die­sem Jahr Ju­bi­lä­um, son­dern auch Prof. Dr. Mat­thi­as Möbus. Er ist Pro­fes­sor für Di­gi­tal Busi­ness und Wirt­schafts­in­for­ma­tik im Fach­be­reich Wirt­schaft und hat im Rah­men sei­ner Lehre Pro­jek­te zum Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment mit Stu­die­ren­den in 150 nord­deut­schen Un­ter­neh­men er­folg­reich ab­ge­schlos­sen. Wir haben das als An­lass ge­nom­men, mit ihm über Pro­jekt­ar­bei­ten und Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment zu spre­chen.

Herr Prof. Möbus, Ge­schäfts­pro­zes­se von 150 nord­deut­schen Un­ter­neh­men haben Sie in­zwi­schen mit Ihren Stu­die­ren­den op­ti­miert. Das ist eine be­ein­dru­cken­de Zahl. Seit wann lei­ten Sie sol­che Pro­jek­te und wie haben sich diese mit der Zeit ent­wi­ckelt?

Be­reits bevor ich in die Hoch­schu­le kam be­glei­te­te und lei­te­te ich als Un­ter­neh­mens­be­ra­ter in der Pra­xis meh­re­re Pro­jek­te zum Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment. Seit 15 Jah­ren, ein drit­tes Ju­bi­lä­um,  bin ich nun hier an der Hoch­schu­le, ent­wi­ckel­te in die­ser Zeit das The­men­ge­biet Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment für die Lehre an un­se­rem Fach­be­reich und halte seit Jah­ren im Ba­che­lor- und Mas­ter­be­reich deutsch- und auch eng­lisch­spra­chig er­folg­rei­che Kurse.

Er­folg­reich des­halb, weil ich an den fach­li­chen Fra­gen der Stu­die­ren­den und an­hand der stu­den­ti­schen Er­geb­nis­se er­ken­ne, dass die ge­setz­ten Lern­zie­le von den meis­ten er­reicht wur­den und eben­so, weil die Stu­die­ren­den via Eva­Sys und auch mir di­rekt sehr gute Rück­mel­dun­gen über die Art der Wis­sens­ver­mitt­lung und zu den In­hal­ten und Struk­tur der Kurse geben. Zudem er­hal­te ich auch von Pra­xis­un­ter­neh­men her­vor­ra­gen­de Rück­mel­dun­gen zu dem, was von un­se­ren Stu­die­ren­den für sie ge­leis­tet wurde.

So iden­ti­fi­zie­ren, do­ku­men­tie­ren und ana­ly­sie­ren bei­spiels­wei­se Stu­die­ren­de der Be­triebs­wirt­schafts­leh­re aus dem zwei­ten Se­mes­ter und Stu­die­ren­de der Wirt­schafts­in­for­ma­tik des ers­ten Se­mes­ters in mei­nem Ba­che­lor-Modul Pro­zess­ma­nage­ment real exis­tie­ren­de Ge­schäfts­pro­zes­se von Un­ter­neh­men hier in Schles­wig-Hol­stein oder Ham­burg. Sie er­ar­bei­ten dazu über­dies Op­ti­mie­rungs­vor­schlä­ge auf der Basis von Un­ter­neh­mens- und Pro­zess­zie­len und er­stel­len ein Soll-Ge­schäfts­pro­zess­mo­dell. Das ist eine sehr gute Hilfe für die Un­ter­neh­men und die Stu­die­ren­den fin­den es auch toll, weil diese Pro­jek­te pra­xis­ori­en­tiert sind und sie be­reits im ers­ten oder zwei­ten Stu­di­en­halb­jahr der Pra­xis – für sie oft­mals er­staun­li­cher­wei­se - schon nach­hal­tig hel­fen kön­nen.

Im ers­ten und zwei­ten Se­mes­ter haben die meis­ten Stu­die­ren­den keine bis wenig Er­fah­rung im Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment. Ihre Me­tho­de ist also „Lear­ning by doing“?

Die Stu­die­ren­den wer­den nicht ins kalte Was­ser ge­wor­fen. Wir er­ar­bei­ten im Kurs vorab die theo­re­ti­schen Grund­la­gen. Auf Basis wis­sen­schaft­li­cher Li­te­ra­tur, wel­che ver­tieft wird an­hand von Fall­bei­spie­len und vor allem auch durch die per­sön­li­chen Er­fah­run­gen ex­ter­ner Do­zen­tin­nen und Do­zen­ten und von mir durch­ge­führ­ten Pro­jek­ten zum Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment. Auf diese Art und Weise ge­win­nen die Stu­die­ren­den ein mit viel Pra­xis­er­fah­rung un­ter­leg­tes so­li­des Grund­wis­sen. Wenn man das so aus­drü­cken will, legen die Stu­die­ren­den also im „lau­war­men Was­ser“ los.

Wie genau läuft ein Pro­jekt ab?

Der Se­mes­ter­plan für den ge­nann­ten Kurs ent­spricht dem Vor­ge­hen im Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment. Wir be­gin­nen the­ma­tisch mit der Iden­ti­fi­ka­ti­on von Ge­schäfts­pro­zes­sen, dem fol­gen die Ge­schäfts­pro­zess­auf­nah­me und -do­ku­men­ta­ti­on. An­schlie­ßend geht es um die Ge­schäfts­pro­zess­ana­ly­se und die Ge­schäfts­pro­zess­op­ti­mie­rung, ver­bun­den mit der Ent­wick­lung von Soll-Ge­schäfts­pro­zess­mo­del­len. Mit der Be­spre­chung der Zy­klus­pha­sen der Au­to­ma­ti­sie­rung und des Con­trol­lings von Ge­schäfts­pro­zes­sen ist das Se­mes­ter dann er­fah­rungs­ge­mäß auch immer schnell um.

Im De­tail ist die Ver­an­stal­tung so auf­ge­baut, dass zu jedem Bau­stein des Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ments immer erst der not­wen­di­ge theo­re­ti­sche Un­ter­bau im Rah­men einer Haupt­vor­le­sung mit allen Stu­die­ren­den in einem grö­ße­ren Vor­le­sungs­raum statt­fin­det. Hier­für nutze ich vor­ran­gig ein eng­lisch­spra­chi­ges Lehr­buch, das an über 200 Uni­ver­si­tä­ten welt­weit ein­ge­setzt wird. Es ist von Dumas et.​al. und nennt sich „Fun­da­men­tals of Busi­ness Pro­cess Ma­nage­ment“. Diese Mo­no­gra­phie liest sich wie ein Roman, ist wirk­lich ganz toll auf­ge­baut, und die Stu­die­ren­den kön­nen sich damit ohne wei­te­res auf jede ein­zel­ne Sit­zung vor- und auch Sit­zun­gen damit ei­gen­stän­dig nach­be­rei­ten. Die theo­re­ti­sche Be­spre­chung von In­hal­ten er­folgt im Kurs unter gleich­zei­ti­gem Ein­be­zug von Fall­bei­spie­len und der Ein­brin­gung stu­den­ti­scher und mei­ner Er­fah­run­gen zu Ge­schäfts­pro­zes­sen und zum Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment. Zu­sätz­lich nut­zen wir die Pra­xis­er­fah­rung Ex­ter­ner.

Nach­ge­la­gert haben wir dann klei­ne­re Übungs­grup­pen mit in der Regel etwa 30 Stu­die­ren­den, wäh­rend in der Haupt­vor­le­sung der letz­ten Woche 128 Stu­die­ren­de an­we­send waren. In den Übungs­grup­pen wer­den die wie be­schrie­ben er­ar­bei­te­ten Theo­rie­bau­stei­ne der Haupt­vor­le­sung dann an­hand von prak­ti­schen Bei­spie­len von den Stu­die­ren­den selbst prak­tisch um­ge­setzt, wobei ich bei Be­darf gerne un­ter­stüt­ze. Hier gilt es für die Stu­die­ren­den, Auf­ga­ben ein­zeln, mit der/dem Sitz­nach­bar(i)n oder in grö­ße­ren Grup­pen zu lösen. Dar­über hin­aus ler­nen die Stu­die­ren­den Soft­ware zum Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment prak­tisch ken­nen. Wäh­rend der spä­te­ren Be­ar­bei­tung der Pra­xis­auf­ga­be nut­zen wir die Übungs­grup­pen zu Dis­kus­sio­nen von Mo­del­lie­rungs- und Lö­sungs­ent­wür­fen, al­lein unter Nen­nung der Bran­che, nie der Firma, und hel­fen ge­mein­sam mit un­se­rem er­wor­be­nen Fach­wis­sen. Die Stu­die­ren­den wer­den an­ge­regt, in die­sem klei­ne­ren Kreis alle Fra­gen zum Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment zu stel­len, die ihnen auf der Seele bren­nen.

Das klingt nach einem um­fas­sen­den Pro­gramm. Wie groß ist der Auf­wand für die Stu­die­ren­den bei der Ver­an­stal­tung?

Der Workload ist recht hoch, die Pro­jekt­ar­beit darf daher auch zu zweit ge­leis­tet wer­den. Sie wurde von den meis­ten Stu­die­ren­den rück­bli­ckend aber auch sehr gerne ge­leis­tet. Di­dak­ti­sches Ziel ist, dass die Stu­die­ren­den wirk­lich ver­ste­hen, was sich hin­ter Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment ver­birgt und wel­che Be­deu­tung dies für die Di­gi­ta­li­sie­rung, die Ef­fek­ti­vi­tät, Ef­fi­zi­enz und die Wett­be­werbs­fä­hig­keit von Or­ga­ni­sa­tio­nen hat. Denn es ist wich­tig zu wis­sen, dass Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment in­ter­dis­zi­pli­när ist, dass es über Fach­be­reichs­gren­zen und in vie­len Be­rei­chen heute auch schon wie selbst­ver­ständ­lich über Or­ga­ni­sa­ti­ons­gren­zen hin­aus geht. Dass es eine Grund­la­ge für jede Soft­ware sein soll­te, die in einem Un­ter­neh­men be­nutzt, ent­wi­ckelt oder ein­ge­kauft wird und dass es wich­ti­ger denn je ist, dass Or­ga­ni­sa­tio­nen bei ihrem Han­deln eine End-to-End-Be­trach­tung, also eine Sicht­wei­se vom und zum Kun­den, in den Fokus rü­cken müs­sen und diese Per­spek­ti­ve nie ver­lie­ren dür­fen. Damit diese Lern­zie­le nicht nur bis zu einem schrift­li­chen Prü­fungs­ter­min im Be­wusst­sein der Stu­die­ren­den ver­blei­ben und da­nach ver­schwin­den, dür­fen die Stu­die­ren­den sich an die­ser prak­ti­schen Auf­ga­be selbst aus­pro­bie­ren.

Üb­ri­gens ist nicht al­lein der Auf­wand für die Stu­die­ren­den recht hoch, er ist es eben­so für mich. Al­lein die schie­re An­zahl von pro Se­mes­ter deut­lich mehr als ein­hun­dert Prüf­lin­gen, ge­paart mit dem Er­for­der­nis, je­weils vier in­di­vi­du­el­le Teil­leis­tun­gen pro Stu­dent/in bzw. Zwei­er-Team zu be­wer­ten, er­gibt immer einen gro­ßen Berg an Ar­beit. Ich über­neh­me die­sen im Hin­blick auf die be­reits ge­nann­ten Rück­mel­dun­gen und mein Ziel der Lern­ziel­er­rei­chung der Stu­die­ren­den aber immer wie­der sehr gerne.

Wie genau läuft der Kon­takt zu den Un­ter­neh­men ab? Kom­men diese auf Sie zu oder haben Sie einen Pool an Un­ter­neh­men, die Sie für die Pro­jek­te kon­tak­tie­ren?

Als ich vor ei­ni­gen Jah­ren die Pro­jekt­auf­ga­be im Rah­men der Wei­ter­ent­wick­lung in den Kurs ein­führ­te, hatte ich noch eine ge­wis­se Un­si­cher­heit, wie viele Stu­die­ren­de zu mir kom­men wür­den, um nach einem Un­ter­neh­men für ihre Pro­jekt­ar­beit zu fra­gen. Im ers­ten Se­mes­ter, in dem ich die Ver­an­stal­tung der­art um­ge­stellt hielt, waren es dann nur drei Stu­die­ren­de. Im zwei­ten ein Stu­die­ren­der. Und seit­her kam keine/r mehr und frag­te nach einer Firma. Die Stu­die­ren­den ma­chen das Pro­jekt mei­ner Er­fah­rung nach sehr gern bei Un­ter­neh­men, bei denen sie selbst als Werks­stu­dent oder  Werks­stu­den­tin tätig sind oder bei dem sie ar­bei­te­ten, bevor sie zum Stu­die­ren zu uns ge­kom­men sind. Oder dort, wo die El­tern oder der Freund/die Freun­din ar­bei­ten. So haben wir bei­spiels­wei­se auch Ge­schäfts­pro­zes­se der CAU op­ti­miert (lacht…). Es kam auch öfter vor, dass die El­tern einen ei­ge­nen Be­trieb haben. Aber um auch die zwei­te Frage noch zu be­ant­wor­ten: Ich habe Kon­tak­te zu vie­len nam­haf­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich für die Pro­jek­te der Stu­die­ren­den nut­zen lie­ßen. Der Be­darf zum Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment in der Pra­xis ist sehr groß, die Un­ter­neh­men wür­den sich sehr freu­en.

Was für eine Rück­mel­dung be­kom­men Sie von Un­ter­neh­men, mit denen Sie zu­sam­men­ge­ar­bei­tet haben?

Die Rück­mel­dun­gen sind sehr gut. Wir haben schon für sehr be­kann­te Un­ter­neh­men aus den ver­schie­dens­ten Bran­chen Ge­schäfts­pro­zes­se op­ti­miert. Egal, ob es Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men waren oder pro­du­zie­ren­de Un­ter­neh­men. Und wir haben super Feed­back er­hal­ten, zum Bei­spiel auch von einer Braue­rei, von Werf­ten, bis hin zur Steu­er­be­ra­tung oder von einer für Nord­deutsch­land nam­haf­ten wie be­deu­ten­den Kli­nik.

Ein prak­ti­sches Bei­spiel: In der deut­schen Nie­der­las­sung eines ame­ri­ka­ni­schen Kon­zerns in Kiel haben un­se­re Stu­die­ren­den einen Ge­schäfts­pro­zess wie be­schrie­ben iden­ti­fi­ziert, auf­ge­nom­men und mo­del­liert. Bei der nä­he­ren Pro­zess­ana­ly­se stell­ten sie fest, dass für gleich­ar­ti­ge Pro­duk­te des Kon­zerns in den USA und in Deutsch­land ver­schie­de­ne Ar­ti­kel­num­mern Ver­wen­dung fan­den. Da­durch gab es immer wie­der Pro­ble­me bei ver­schie­de­nen Ge­schäfts­pro­zes­sen. Die Stu­die­ren­den haben dann für ihren Pro­zess dies­be­züg­lich und dar­über hin­aus wei­te­re Op­ti­mie­run­gen vor­ge­schla­gen. Und wur­den hin­ter­her ge­be­ten, dort im Be­reich Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment gegen einen guten Stun­den­lohn wei­ter­zu­wir­ken.

Pro­jek­te mit der Pra­xis sind auch immer Chan­cen für Un­ter­neh­men und Stu­die­ren­de, um spä­ter als Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer zu­sam­men­zu­fin­den. Be­ob­ach­ten Sie das auch bei Ihren Pro­jek­ten?

Das kommt zu­neh­mend vor. Eine ne­ben­be­ruf­lich Stu­die­ren­de hat sich im Rah­men eines mei­ner Kurse erst­mals mit dem Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment in einem Kran­ken­haus be­schäf­tigt und fand Ge­fal­len am Fach­ge­biet. Die Zu­frie­den­heit mit ihren da­ma­li­gen Er­geb­nis­sen war im Kran­ken­haus sehr groß, sie hat spä­ter die Ver­ant­wor­tung über­tra­gen be­kom­men, dort das Pro­zess­ma­nage­ment pro­fes­sio­nell wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und kann somit das Kran­ken­haus wei­ter vor­an­brin­gen.

Meh­re­re Stu­die­ren­de er­hiel­ten Werk­stu­die­ren­den­tä­tig­kei­ten oder Prak­ti­ka im Be­reich Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment. Ak­tu­ell er­hielt einer mei­ner Stu­die­ren­den, er war vor drei Se­mes­tern im Kurs, in die­sem Be­reich ein Prak­ti­kum bei einer re­nom­mier­ten Werft, die Lu­xusyach­ten baut. Dort soll er Yacht­bau- und Ser­vice­pro­zes­se unter die Lupe neh­men. Der­zeit be­treue ich auch meh­re­re The­sen, in deren Rah­men Stu­die­ren­de, die über einen mei­ner Kurse auf das Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment auf­merk­sam wur­den, Pra­xis­fra­ge­stel­lun­gen zum Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment an­wen­dungs­ori­en­tiert for­schend be­ar­bei­ten. Alles span­nen­de The­men, am liebs­ten würde ich die Pro­jek­te selbst be­ar­bei­ten.

Haben Sie dann auch einen di­rek­ten Draht zu den Un­ter­neh­men, wäh­rend das Pro­jekt läuft?

Bei den letzt­lich den Un­ter­neh­men prä­sen­tier­ten Lö­sun­gen steckt zwar nicht sel­ten ein Teil „Möbus“ mit drin, aber Ter­mi­ne er­fol­gen nur, wenn dies aus­drück­lich ge­wünscht wird. In die­sen Fäl­len ver­ein­ba­ren wir ge­mein­sa­me Ter­mi­ne mit den Ver­ant­wort­li­chen der Un­ter­neh­men, mit den Stu­die­ren­den und mir und hel­fen so bei be­son­de­ren Fra­gen zum Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment wei­ter. Das ist ja auch etwas, was ich im Rah­men mei­nes Ne­ben­am­tes mache: Ich bin als Un­ter­neh­mens­be­ra­ter auf die Be­rei­che Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment und Di­gi­ta­li­sie­rung spe­zia­li­siert und führe ent­spre­chen­de Pro­jek­te durch. Im Rah­men der von mir be­treu­ten Prak­ti­ka und The­sen zum Be­reich Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment sind Un­ter­neh­mens­kon­tak­te da­ge­gen grund­sätz­lich üb­lich, oft­mals auch un­ab­ding­bar.

Wel­che Fä­hig­kei­ten soll­te eine Stu­den­tin oder ein Stu­dent mit­brin­gen, die/der spä­ter im Be­reich Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment ar­bei­ten möch­te?

Im Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment gibt es ja sehr ver­schie­de­ne Rol­len. Ge­ne­rell kann man aber sagen, dass Stu­die­ren­de, die in die­sem Be­reich an­fan­gen, sehr gute so­ge­nann­te Softs­kills mit­brin­gen soll­ten, weil Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment in der Pra­xis ein sehr sen­si­bles Thema ist. Ge­schäfts­pro­zes­se be­stehen letzt­end­lich aus Ak­ti­vi­tä­ten. Diese Ak­ti­vi­tä­ten wer­den heute noch nicht uni­so­no aut­ark von Sys­te­men oder Ma­schi­nen be­wäl­tigt, son­dern zum gro­ßen Teil noch durch Men­schen. Und man kann nicht ein­fach zu Mit­ar­bei­te­rin­nen oder Mit­ar­bei­tern gehen und sagen oder auch nur un­glück­lich im­pli­zit aus­drü­cken: „Was Sie seit 20 Jah­ren ma­chen, ist heute über­flüs­sig oder in­ef­fi­zi­ent“. Und in­so­fern ist das also erst­mal eine Ver­trau­ens­sa­che. Man muss den Sta­ke­hol­dern, ins­be­son­de­re den un­mit­tel­bar be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern rich­tig be­geg­nen, rich­tig zu­hö­ren und mit ihnen offen kom­mu­ni­zie­ren. Man braucht Em­pa­thie. Eben­so muss man sehr viel ana­ly­sie­ren und mit Kom­ple­xi­tät um­ge­hen und sie auch re­du­zie­ren kön­nen. Also sind auch ein gutes ana­ly­ti­sches Ver­ständ­nis und eine Her­an­ge­hens­wei­se, die die­ses un­ter­stüt­zen, sehr hilf­reich. Grund­vor­aus­set­zung ist zudem selbst­ver­ständ­lich das Mit­brin­gen fach­li­cher Kennt­nis­se und Fä­hig­kei­ten zum Ge­schäfts­pro­zess­ma­nage­ment.

Ist Ihnen eines von den 150 Pro­jek­ten in be­son­de­rer Er­in­ne­rung ge­blie­ben? Haben Sie da ein Lieb­lings­pro­jekt?

Was jüngst ganz toll war, auch Hin­blick auf die gra­fi­sche Dar­stel­lung, war ein Pro­jekt mit einer Braue­rei. Zwei Stu­den­tin­nen haben das ge­macht. Ge­mein­sam mit Mit­ar­bei­tern der Braue­rei haben sie in meh­re­ren Team­sit­zun­gen per Bild­kar­ten­me­tho­de er­ar­bei­tet, wie die Kern­pro­zes­se ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te in dem Un­ter­neh­men mit­ein­an­der ver­bun­den sind und ab­lau­fen. Die bei­den hat­ten als Hin­ter­grund einer fach­lich per­fekt auf­ge­bau­ten Bild­kar­ten­dar­stel­lung ein Bild aus dem Brau­raum mit zwei Brau­kes­seln ein­ge­fügt. Klas­se, denn so konn­te sich das Un­ter­neh­men hier eben­so wie­der­fin­den! Die Stu­den­tin­nen haben dann letzt­lich Op­ti­mie­rungs­vor­schlä­ge für den wich­ti­gen Brau­pro­zess er­ar­bei­tet, in einer Soft­ware als Soll-Ge­schäfts­pro­zess­mo­dell mit vie­len zu­sätz­li­chen Soll-Teil­ge­schäfts­pro­zes­sen um­ge­setzt und diese der Braue­rei mit gro­ßem Er­folg prä­sen­tiert.

Vie­len Dank für das Ge­spräch.

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