ein Mann auf einer Bank© A. Die­köt­ter
Klaus-Mi­cha­el Hein­ze ver­ab­schie­det sich am 30. Juni in den Ru­he­stand.

Ein Weg­be­rei­ter mit Herz und Hin­ga­be

von Su­san­ne Meise

Sechs Sta­tio­nen mar­kie­ren den be­ruf­li­chen Wer­de­gang von Klaus-Mi­cha­el Hein­ze. Dass es so viele wer­den wür­den, hätte er nicht ge­dacht, als er 1979 nach sei­nem Stu­di­um an der Ver­wal­tungs­fach­hoch­schu­le Al­ten­holz im Haus­halts­de­zer­nat der Chris­ti­an-Al­brechts-Uni­ver­si­tät an­fing. „Ich woll­te da nie wie­der weg“, er­zählt Hein­ze mit einem La­chen. Denn: Er blieb nicht. Dafür be­glei­te­te ihn das Ge­fühl, in der je­wei­li­gen Po­si­ti­on blei­ben zu wol­len, an alle wei­te­ren Dienstor­te sei­ner Lauf­bahn. Mit dem Wech­sel an die Fach­hoch­schu­le Kiel, wo er 1991 die Lei­tung der Per­so­nal­ab­tei­lung über­nahm, aber schien es, als würde sich das Ge­fühl zum ers­ten Mal be­wahr­hei­ten: Er blieb zehn Jahre – deut­lich län­ger als an sei­nen be­ruf­li­chen Sta­tio­nen davor.

Als sich die Ge­le­gen­heit bot, die Kunst­hoch­schu­le Kiel zu grün­den und damit mehr Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, kehr­te er der FH Kiel 2001 al­ler­dings doch den Rü­cken, kam aber fünf Jahre spä­ter als Kanz­ler an die Hoch­schu­le zu­rück, wo er seit­her nicht nur Chef der Ver­wal­tung ist. „Ich habe in mei­nem be­ruf­li­chen Leben immer ver­sucht, mit Be­geis­te­rung und Hin­ga­be die Er­war­tun­gen an mich zu über­tref­fen“, sagt Hein­ze. So hat er nicht nur die Rah­men­be­din­gun­gen dafür ge­schaf­fen, dass sich die Hoch­schu­le ent­wi­ckeln kann, hat „tolle Teams für das Kern­ge­schäft der Ver­wal­tung“ – Bauen, Fi­nan­zen, Per­so­nal –  auf­ge­baut und immer wie­der neue „Stei­ne aus dem Weg ge­räumt“. Auch der Ent­fal­tung eines Cha­rak­ters für den Cam­pus in Diet­richs­dorf hat er sich mit viel Herz­blut ge­wid­met. So hauch­te er der eins­ti­gen In­dus­trie­im­mo­bi­lie als Kul­tur­be­auf­trag­ter der FH Kiel mit Kunst im öf­fent­li­chen Raum Seele ein. Im Laufe der Jahre ent­stand so eine hoch­schul­ei­ge­ne Kunst­samm­lung, die mitt­ler­wei­le mehr als 800 Werke um­fasst. Auf über 120 von ihm or­ga­ni­sier­te Aus­stel­lun­gen blickt Hein­ze heute zu­rück, die tau­sen­de Be­su­cher*innen in ihren Bann ge­zo­gen haben – dar­un­ter viele, die durch diese Aus­stel­lun­gen erst einen Zu­gang zur Kunst ge­fun­den haben.

Mit dem Umbau des eins­ti­gen Werk­schutz­bun­kers der Ho­waldts­wer­ke-Deut­sche Werft zum Kul­tur­zen­trum in­klu­si­ve Ga­le­rie, Kino und Café sowie des Hoch­bun­kers am Ei­chen­berg­skamp zum dritt­grö­ß­ten Com­pu­ter­mu­se­um Deutsch­lands setz­te der Kanz­ler eine Vi­si­on um, die er für diese „Un­or­te als Ge­denk­stät­ten des Völ­ker­mords“ ent­wi­ckelt hatte. „Damit bin ich völ­lig aus der nor­ma­len Ver­wal­tungs­den­ke aus­ge­bro­chen“, sagt Hein­ze und er­zählt, dass die We­nigs­ten da­mals ge­glaubt hät­ten, dass ihm das ge­lin­gen würde. Doch hier wie an an­de­ren Stel­len in sei­nem Leben half ihm sein Ur­ver­trau­en – „das Ver­trau­en in die End­lich­keit, das Gute im Men­schen und die ei­ge­nen Kräf­te“, er­läu­tert er. Hein­ze: „Ent­stan­den ist ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal, das eher an einer alten Uni­ver­si­tät, denn an einer Hoch­schu­le für An­ge­wand­te Wis­sen­schaf­ten üb­lich ist. Das macht un­se­ren Stand­ort at­trak­tiv.“

ein Mann mit einer Bauzeichnung©M. Pilch
Die bau­li­che Ent­wick­lung des Cam­pus Diet­richs­dorf hat Kanz­ler Hein­ze ma­ß­geb­lich vor­an­ge­trie­ben.

Aus die­sem En­ga­ge­ment her­aus ent­stand 2017 auch ein Lehr­auf­trag am Fach­be­reich Me­di­en: Im Wahl­pflicht­mo­dul im Stu­di­en­gang Öf­fent­lich­keits­ar­beit und Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on ver­mit­tel­te Hein­ze mit di­rek­tem Pra­xis­be­zug die In­hal­te des Kul­tur­mar­ke­tings. Das An­ge­bot traf auf so große Re­so­nanz, dass es mitt­ler­wei­le als Pflicht­mo­dul „Or­ga­ni­sa­ti­ons­kom­mu­ni­ka­ti­on im glo­ba­len Kon­text“ mit dem Thema Event- und Kul­tur­mar­ke­ting im Cur­ri­cu­lum fest ver­an­kert ist. „Ich tref­fe dort auf total tolle Ta­len­te, die sich für Kunst und Kul­tur be­geis­tern“, schwärmt Hein­ze und be­rich­tet ex­em­pla­risch von zwei jun­gen Stu­die­ren­den, die aus dem Modul alles mit­ge­nom­men haben, was sie für ihre Selbst­ver­mark­tung als Künst­ler*in brau­chen, und die mitt­ler­wei­le mit ihrem künst­le­ri­schen Kön­nen ihr Stu­di­um fi­nan­zie­ren.

Die Men­schen mit­zu­rei­ßen mit sei­nem Tun und dabei auch die „Ver­rück­ten - die Vi­sio­nä­re und Ver­zwei­fel­ten“ mit­zu­neh­men, ist dem 66-Jäh­ri­gen immer eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit ge­we­sen. Be­ruf­lich wie auch pri­vat, wo er sich seit über 20 Jah­ren in ver­schie­de­nen Gre­mi­en eh­ren­amt­lich für die Le­bens­hil­fe Plön en­ga­giert.

Am 30. Juni wird Klaus-Mi­cha­el Hein­ze als Kanz­ler der Fach­hoch­schu­le Kiel in den Ru­he­stand ver­ab­schie­det. Ein hal­bes Jahr nach An­ge­la Mer­kel, mit der er üb­ri­gens nicht nur den Titel Kanz­ler*in ge­mein­sam hatte. Beide blick­ten 2019 mit nur we­ni­gen Tagen Ab­stand auf 5.000 Tage in ihrem Amt zu­rück. „Ich bin glück­lich dar­über, eine gut be­stell­te Hoch­schu­le an meine Nach­fol­ge zu über­ge­ben im Wis­sen, sie wird dar­auf auf­bau­en und wei­ter ge­stal­ten kön­nen“, sagt er und lässt den Blick aus dem Fens­ter sei­nes Büros über die Förde schwei­fen. Ein biss­chen weh­mü­tig schaue er auf das Er­reich­te zu­rück, gibt er zu. Rück­bli­ckend er­in­nert er sich an ei­ni­ge Glücks­mo­men­te an der Hoch­schu­le - dar­un­ter den Abend in der Schwen­ti­ne Mensa, an dem er das Kanz­ler­amt von sei­nem Vor­gän­ger Diet­mar Wab­bel über­nahm, die rea­li­sier­ten Neu­bau­ten und die zahl­rei­chen Aus­stel­lungs­er­öff­nun­gen auf dem Cam­pus Diet­richs­dorf.

Dass es ihm nach so vie­len Jah­ren in­ten­si­ven En­ga­ge­ments ab dem 1. Juli lang­wei­lig wer­den könn­te, ist nicht zu be­fürch­ten. „Bü­cher lesen, Mo­tor­rad fah­ren, im Gar­ten ar­bei­ten“ zählt Hein­ze ei­ni­ge sei­ner zu­künf­ti­gen Tä­tig­kei­ten auf, und die Vor­freu­de schwingt in sei­ner Stim­me deut­lich mit. „Es gibt be­ruf­lich nichts, was mich noch rei­zen könn­te“, sagt er und fügt nach einer kur­zen Pause ver­schmitzt hinzu: „Wer weiß, was sich in der Zu­kunft ver­wirk­li­chen lässt.“

 

Wei­te­re Ar­ti­kel zum Wir­ken von Klaus-Mi­cha­el Hein­ze als Kanz­ler fin­den sich in der ak­tu­el­len Aus­ga­be des Cam­pus­ma­ga­zins.

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