eine Frau© M. Pilch
Diana Ha­de­r­up lei­tet die Zen­tral­bi­blio­thek der Fach­hoch­schu­le Kiel.

„Die Bi­blio­thek ist voll von Ideen“

von Diana Ha­de­r­up

“An ori­gi­nal idea. That can’t be too hard. The li­bra­ry must be full of them.” – Ste­phen Fry

Die Zen­tral­bi­blio­thek der Fach­hoch­schu­le Kiel ist seit An­fang Juni wie­der für ihre Be­nut­zer*innen ge­öff­net, aber auch wäh­rend der Schlie­ß­zeit im Lock­down war die Bi­blio­thek aktiv. Es wur­den so viele elek­tro­ni­sche Res­sour­cen an­ge­schafft und den Be­nut­zer*innen zur Ver­fü­gung ge­stellt, dass der di­gi­ta­le Be­stand mit ak­tu­ell 123.000 E-Books und 12.000 E-Jour­nals den Print­be­stand (114.000 Me­di­en) be­reits ein­ge­holt hat. Viele Ver­la­ge haben ihre Be­stän­de eben­falls frei ver­füg­bar ge­macht und VPN-Lö­sun­gen an­ge­bo­ten, die vor­her nicht mög­lich schie­nen. So kann die Nor­men-Da­ten­bank Pe­ri­norm end­lich per VPN ge­nutzt wer­den, eben­so wie die Rechts­da­ten­bank Be­ck­On­line.

Aber die Bi­blio­thek ist na­tür­lich auch ein Ort des Ler­nens, wes­halb seit der er­neu­ten Öff­nung wie­der Lern­plät­ze – mit ent­spre­chend Ab­stand und Hy­gie­ne­maß­nah­men – zur Re­ser­vie­rung an­ge­bo­ten wer­den. An 15 Plät­zen ist es der­zeit mög­lich, für einen Zeit­raum von drei Stun­den, in Ruhe zu ar­bei­ten.

Und da der Be­stand nun voll­stän­dig über den On­line-Ka­ta­log be­stell­bar ist, be­fin­den sich ein­zig die Mit­ar­bei­ter*innen der Bi­blio­thek zwi­schen den Re­ga­len um Me­di­en zu ent­neh­men oder zu­rück­zu­stel­len.

Dies war die grö­ß­te Um­stel­lung für alle Be­tei­lig­ten: der Schritt von einer Frei­hand-Bi­blio­thek, in der Be­nut­zer*innen frei an den Re­ga­len stö­bern konn­ten, zur The­ken-Bi­blio­thek, in der die Me­di­en von den Bi­blio­theks­mit­ar­bei­ter*innen her­aus­ge­sucht wer­den. Auf­grund der räum­li­chen Si­tua­ti­on, lei­der nicht an­ders mög­lich.

Was das Stö­bern in den Be­stän­den der Bi­blio­thek je­doch wei­ter­hin un­ter­stützt, ist das Dis­co­ve­ry-Sys­tem. Dort wird ähn­lich einer Goog­le-Suche der ge­sam­te di­gi­ta­le und Print­be­stand der Bi­blio­thek durch­sucht und nach Re­le­vanz prä­sen­tiert. Dies führt zu meh­re­ren Tau­send Tref­fern bei einem re­la­tiv weit ge­fass­ten Stich­wort wie „kind­li­che Ent­wick­lung“ oder „Be­triebs­wirt­schafts­leh­re“. Wer sagt, in die­ser Tref­fer­men­ge kann man nicht „stö­bern“? Es wer­den – so­weit li­zenz­recht­lich mög­lich – Voll­tex­te aus 80 Pro­zent der E-Me­di­en und li­zen­zier­ten Da­ten­ban­ken durch­sucht. Sogar Voll­text-Ar­ti­kel gibt das Dis­co­ve­ry Sys­tem aus. Und wer nur die ak­tu­ells­ten Me­di­en be­nö­tigt, oder einen be­stimm­ten Zeit­raum durch­su­chen möch­te, der nutzt die Fil­ter­ein­stel­lun­gen in der lin­ken Spal­te, um das Er­geb­nis ein­zu­gren­zen.

Die Ideen der Bi­blio­theks­mit­ar­bei­ter*innen sind bei Wei­tem nicht aus­ge­schöpft. Kann ein Video dabei hel­fen, die Bi­blio­thek auch den Erst­se­mes­ter Stu­die­ren­den näher zu brin­gen, die auf­grund der Co­ro­na-Pan­de­mie keine Bi­blio­theks­füh­rung er­hal­ten? Und wel­che neuen Ser­vices kann die Bi­blio­thek für die Un­ter­stüt­zung von Wis­sen­schaft und Lehre an­bie­ten? Viel­leicht wer­den es keine „ori­gi­nä­ren Ideen“, wie Fry es for­mu­lier­te. Jede der über 9.000 Bi­blio­the­ken in Deutsch­land macht sich schlie­ß­lich Ge­dan­ken über neue, an die Si­tua­ti­on an­ge­pass­te Ser­vices. Die Zen­tral­bi­blio­thek wird um­den­ken und neue Ser­vices fin­den, die die Fach­hoch­schu­le in Stu­di­um und Lehre un­ter­stüt­zen.

Denn da hat Ste­phen Fry Recht: Die Bi­blio­thek ist voll von Ideen!

© Fach­hoch­schu­le Kiel