die drei Organisatoren des Bunker-Filmtags sitzen im Kinosaal des Bunker-D© A. Wim­ber
Haben für den Bun­ker-Film­tag wie­der ein span­nen­des Pro­gramm zu­sam­men­ge­stellt: Prof. Dr. To­bi­as Hoch­scherf, Jan Pie­per und Mi­cha­el Lem­part (v.l.).

Bun­ker­film­tag fei­ert run­den Ge­burts­tag

von Ann-Chris­tin Wim­ber

Das Bun­ker-Kino ist ein klei­ner, lie­be­voll aus­ge­stat­te­ter Raum, in dem 39 rote, plü­schi­ge Ki­no­ses­sel ste­hen. Von den nack­ten grau­en Be­ton­wän­den ist nichts mehr zu sehen. Statt­des­sen hül­len der schwar­ze Tep­pich, mit Tü­chern ver­klei­de­te De­cken und Wände den klei­nen Saal in eine dump­fe Ruhe.

Dass das Kino für sie mehr als ein Ort zum Filme an­se­hen ist, merkt man Prof. Dr. To­bi­as Hoch­scherf, Jan Pie­per und Mi­cha­el Lem­part an. Sie sind Film-Nerds und fei­ern das Kino als ge­samt­heit­li­ches Kunst­werk. „Hier er­lebt man Filme viel in­ten­si­ver, un­mit­tel­ba­rer“, meint Pie­per. „Man sitzt in die­sem dun­keln Raum, wird nicht ab­ge­lenkt und kann sich auch nicht ab­len­ken. Es bleibt einem nichts übrig, als sich den Film ohne Un­ter­bre­chun­gen an­zu­se­hen.“ Das sei ein ganz an­de­res Er­le­ben, als das Strea­men auf ir­gend­ei­nem End­ge­rät. Für Hoch­scherf kommt noch eine wei­te­re Kom­po­nen­te hinzu: „Film­bil­dung fin­det in der Schu­le so gut wie nicht statt“, be­män­gelt er. „Dabei ge­hört es ge­nau­so zu Bil­dung wie Li­te­ra­tur.“ Hoch­scherf ist Pro­fes­sor für Au­dio­vi­su­el­le Me­di­en an der FH und muss in sei­nen Se­mi­na­ren oft fest­stel­len, dass wich­ti­ge Filme, die den Ur­sprung vie­ler hand­werk­li­cher Me­tho­den in der Me­di­en­land­schaft bil­den, un­be­kannt sind. Da je­doch in Se­mi­na­ren wenig Zeit bleibt, Spiel­fil­me zu zei­gen, er­dach­ten die drei Film­freun­de den Bun­ker­film­tag im Rah­men der In­ter­dis­zi­pli­nä­ren Wo­chen (IDW). Die­sen Herbst fei­ert das An­ge­bot einen run­den Ge­burts­tag – am 28.10. fin­det es zum 20. Mal statt. Das Motto in die­sem Jahr „Selbst­jus­tiz im Film“.

Jedes Jahr gibt es ein neues über­ge­ord­ne­tes Thema. An­ge­fan­gen haben sie 2013 rund um „Apo­ca­lyp­se Now“ von Fran­cis Ford Cop­po­la. Auch zur RAF, zur IRA oder zur NS-Zeit gab es schon Film­ta­ge – teil­wei­se sogar mit Zeit­zeu­gen.

Doch nicht nur schwe­re Kost wird ser­viert. Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es eine Reihe zu Box-Fil­men. Dabei ver­su­chen die drei Aus­rich­ter immer eine mög­lichst große Band­brei­te eines Gen­res be­zie­hungs­wei­se ihres Mot­tos zu lie­fern. „Der Film ist auch immer als Pro­dukt sei­ner Zeit zu sehen und ein­zu­ord­nen“, sagt Lem­part. Genau das rege zu Dis­kus­sio­nen an und lie­fe­re den Hin­ter­grund für die Ein­ord­nung von In­hal­ten in Bezug zu heu­ti­gen ge­sell­schaft­li­chen Nor­men und Ver­än­de­run­gen.

Ins­ge­samt ste­hen drei Filme auf dem Pro­gramm. Hoch­scherf, Pie­per und Lem­part ver­su­chen, Di­ver­si­tät im Blick zu be­hal­ten. Das er­wei­te­re nicht nur den Ho­ri­zont, es er­lau­be den Stu­die­ren­den auch, sich in un­ter­schied­li­che Rol­len zu ver­setz­ten. „Es hat einen gro­ßen Wert, sich in die Si­tua­ti­on eines Men­schen nach­zu­er­le­ben und sich in die­sen hin­ein­zu­den­ken“, meint der Film-Pro­fes­sor. Auch das ist ein Grund, warum der Bun­ker­film­tag so gut in die IDW passt, er­läu­tert Pie­per: „Film ist bar­rie­re­frei. Jeder – egal aus wel­chem Fach­be­reich oder Se­mes­ter – bil­det sich eine Mei­nung zu dem Ge­se­he­nen.“

Auch re­le­vant sei, Filme in einen deren Bezug zu set­zen, er­klärt Hoch­scherf. So zeigt die Crew des Bun­ker­film­tags in die­sem Jahr etwa „Spiel mir das Lied vom Tod“ nicht, weil es ein Wes­tern-Klas­si­ker ist, son­dern weil es darin um Selbst­jus­tiz geht. Die wei­te­ren Filme sind „Pro­mi­sing Young Woman“ und „Get Car­ter“. Die sich an jeden Film an­schlie­ßen­den Dis­kus­si­ons­run­den emp­fin­den alle Teil­neh­men­den als sehr frucht­bar. Viel­leicht auch ein Grund, warum der Bun­ker­film­tag immer so­fort aus­ge­bucht ist und sich eine lange War­te­lis­te bil­det. Ei­ni­ge Stu­die­ren­de setze alles daran, sich für die­sen einen Kurs an­zu­mel­den – dazu ge­hört das stän­di­ge neue Laden der An­mel­de­sei­te. We­ni­ge schaf­fen es so, tat­säch­lich zum Wie­der­ho­lungs­tä­ter zu wer­den.

Tipp: Nicht nur zum Bun­ker­film­tag gibt es aus­ge­such­te Film, oft­mals ab­seits der klas­si­schen Block­bus­ter, im Bun­ker-D zu sehen. Das Mitt­wochs­ki­no be­ginnt um 19 Uhr. Das Pro­gramm gibt es auf der Web­site.

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