South-Eas­tern Fin­land UAS, XAMK So­ci­al Media

Eras­mus So­ci­al Media Am­bassa­dor WiSe 2020/21 und So­Se2021

Co­rin­na Flo­din,
BA So­zia­le Ar­beit,
be­rich­tet von der South-Eas­tern Fin­land UAS, XAMK.

Ab­schluss­vi­deo von Co­rin­na Flo­din über ihr Aus­lands­stu­di­um in Finn­land

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Meine 7 ½ Mo­na­te in Finn­land kom­men nun zum Ende und ich be­rei­te mich in­ner­lich dar­auf vor, wie­der in Kiel zu woh­nen und mich neu in mei­nen All­tag ein­zu­fin­den. Die 29 Stun­den lange Fähr­fahrt ist op­ti­mal, um mir die ge­ra­de ge­mach­ten Er­fah­run­gen noch­mal in Ruhe durch den Kopf gehen zu las­sen, die Im­pli­ka­tio­nen zu ver­ar­bei­ten, was es be­deu­ten wird, jetzt wie­der in Deutsch­land zu sein und noch ein letz­tes Mal in eine fin­ni­sche Sauna zu gehen. Finn­land ist ein Land, nicht weit von mei­nem Zu­hau­se ent­fernt, das je­doch eine sehr an­de­re Ge­schich­te und Kul­tur hat und in dem sich das Leben lang­sa­mer und ge­müt­li­cher an­fühlt, als in Deutsch­land. Man hat die Zeit und wird auch dazu ge­zwun­gen, sich mit sich selbst aus­ein­an­der zu set­zen, mit sich selbst ins Reine zu kom­men und ganz be­wusst den Mo­ment zu ge­nie­ßen. Da­durch, dass es in Finn­land so schwie­rig ist, mit Men­schen in Kon­takt zu tre­ten, kann man die In­ter­ak­tio­nen, die man doch er­le­ben darf, umso mehr ge­nie­ßen und freut sich über jede klei­ne Un­ter­hal­tung in der Sauna oder mit be­son­ders of­fe­nen Men­schen auf der Stra­ße. Auch die Natur hat dort einen ganz an­de­ren Stel­len­wert, so­dass es viel stär­ker wert­ge­schätzt wird, Zeit al­lei­ne im Grü­nem zu ver­brin­gen, als es in deut­schen Städ­ten der Fall ist.

Diese Er­fah­rung hat mir Dinge auf­ge­zeigt, an denen ich noch ar­bei­ten muss, aber auch deut­lich ge­macht, was meine Stär­ken sind und mich in mei­nen Wün­schen für die Zu­kunft be­stärkt. Ich bin un­end­lich dank­bar, dass ich diese Er­fah­rung ma­chen durf­te und dass ich die Men­schen tref­fen konn­te, die mich auf mei­nem Weg ein Stück be­glei­tet haben. Die­ses Aben­teu­er ist jetzt zu Ende, aber es wird de­fi­ni­tiv nicht das letz­te sein.

Ich wün­sche jedem, der sich über­legt, sich auf ein sol­ches Aben­teu­er ein­zu­las­sen, egal wohin es Euch zie­hen mag: traut Euch ein­fach! Be­geg­net Euren Ängs­ten in der Ge­wiss­heit, dass Ihr an ihnen wach­sen wer­det, und er­greift diese Chan­ce, ein­fach um zu sehen, wohin sie Euch füh­ren wird. Dabei wün­sche ich Euch allen viel Spaß und Freu­de!

Bis vor einer Woche lag die Natur zum Gro­ß­teil noch im Win­ter­schlaf und regte sich nur sehr lang­sam. Dann kam der erste wirk­lich warme Früh­lings­tag mit Sonne und 20 Grad und in­ner­halb we­ni­gen Stun­den, ex­plo­dier­te die Welt vor lau­ter Far­ben! Wäh­rend ei­ni­ge Bäume schon vor­her be­gon­nen hat­ten win­zig klei­ne Blät­ter sprie­ßen zu las­sen, lie­ßen sich die Bir­ken noch Zeit. Doch wo am Mor­gen noch Nichts zu sehen war, sah man am Abend plötz­lich über­all grüne Blät­ter. So einen schnel­len und kraft­vol­len Wachs­tums­schub habe ich in mei­nem Leben noch nie er­lebt und es haut mich seit­dem jeden Tag vom Ho­cker, wie mar­kant diese Ver­än­de­run­gen über­all zu sehen sind. Es ist ein­fach nur fas­zi­nie­rend wie le­ben­dig die Natur plötz­lich ist, nach­dem sie 3 Mo­na­te lang unter rie­si­gen Schnee­mas­sen bei -20 Grad ge­ruht hat! Die Vögel be­gin­nen um 3 Uhr mor­gens schon ihren Ge­sang, die Sonne geht erst gegen 22 Uhr unter und um halb 5 in der Früh be­reits wie­der auf. Rich­tig dun­kel wird es selbst hier im Süden Finn­lands auch nachts in der zwei­ten Mai­hälf­te nicht mehr und ich kann mich nur vage daran er­in­nern, wie es im De­zem­ber be­reits um 15 Uhr dun­kel wurde!

Er ist's

Früh­ling lässt sein blau­es Band
Wie­der flat­tern durch die Lüfte;
Süsse, wohl­be­kann­te Düfte
Strei­fen ah­nungs­voll das Land.
Veil­chen träu­men schon,
Wol­len balde kom­men.
— Horch, von fern ein lei­ser Harfen­ton!
Früh­ling, ja du bist's!
Dich hab' ich ver­nom­men!

(Edu­ard Mö­ri­ke, 1804-1875)

Die letz­ten 7 Mo­na­te habe ich in Kotka an Finn­lands Süd­ost­küs­te ge­lebt. Mit 51 000 Ein­woh­nern ist es eine recht klei­ne, weit­läu­fi­ge und ge­müt­li­che Stadt, in der die Natur nie weit von der Haus­tür ent­fernt ist. Sie ist die neun­zehnt­grö­ß­te Stadt in punc­to Be­völ­ke­rung als Ein­zel­stadt, aber die zwölft­grö­ß­te Stadt Finn­lands in punc­to Be­völ­ke­rung als Stadt­ge­biet. Die Re­gi­on liegt an der Ost­see, nur eine Au­to­stun­de von Hel­sin­ki und 3 Au­to­stun­den von St. Pe­ters­burg ent­fernt. In der Re­gi­on Kotka-Ha­mi­na dien­te der Fluss Ky­mi­jo­ki wahr­schein­lich schon im 13. Jahr­hun­dert als Gren­ze zwi­schen den In­ter­es­sen des Os­tens und des Wes­tens. Der Rus­sisch-Schwe­di­sche See­krieg von 1788-1790 ver­wan­del­te den öst­li­chen Fin­ni­schen Meer­bu­sen in ein Schlacht­feld. Mit­ten in den ge­gen­sei­ti­gen An­grif­fen war Finn­land ge­fan­gen, an des­sen Süd­ost­küs­te und im Hin­ter­land immer wie­der Krie­ge aus­ge­tra­gen wur­den. Spu­ren der Ruots­in­sal­mi-Schlacht sind noch immer in und au­ßer­halb von Kotka zu sehen. Das Ma­ri­ti­me Zen­trum Vel­la­mo zeigt die Ge­schich­ten jener Schlach­ten, ein­zel­ner Schick­sa­le und der frü­hen Ge­schich­te Kot­kas, das 1878 ge­grün­det und in den spä­ten 1930er Jah­ren stark aus­ge­baut wurde. 

Eine grie­chisch-or­tho­do­xe Kir­che (1795) ist das äl­tes­te Ge­bäu­de der Stadt. Die Kir­che wurde im Stil des rus­si­schen Neo­klas­si­zis­mus ge­baut. Sie ist eines der we­ni­gen Ge­bäu­de, die wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs nicht zer­bombt wur­den. Da­durch be­hielt die Kir­che ihre Macht als Schrein für den Schutz­pa­tron der See­leu­te, Hel­fer der Armen (wir alle ken­nen den Hei­li­gen Ni­ko­laus, Weih­nachts­mann) und auch Schutz­pa­tron der Insel Kotka. 

Der Aus­sichts­turm Hauk­ka­vuo­ri be­fin­det sich auf dem höchs­ten Punkt von Kotka und der Turm er­hebt sich 72 Meter über dem Mee­res­spie­gel. Er gilt auch als Wahr­zei­chen von Kotka und ist be­reits aus gro­ßer Ferne sicht­bar, egal ob man mit dem Auto oder dem Boot kommt. 

Die Re­gi­on Kotka war eine der ers­ten stark in­dus­tria­li­sier­ten Re­gio­nen Finn­lands. Durch Schie­ne und Stra­ße mit dem Fest­land ver­bun­den, ist Kotka ein wich­ti­ger See­ha­fen für Ost­finn­land und ein be­deu­ten­des In­dus­trie­zen­trum, das sich auf Holz-, Zell­stoff-, Zel­lu­lo­se- und Phos­phat­ex­port sowie Erd­öl­im­port spe­zia­li­siert hat; in der Stadt gibt es auch eine Zu­cker­raf­fi­ne­rie und eine Mehl­müh­le. In den letz­ten Jahr­zehn­ten wur­den meh­re­re Fa­bri­ken um­struk­tu­riert, was zu einer stei­gen­den Ar­beits­lo­sig­keit ge­führt hat. Seit den 1980er Jah­ren nimmt die Be­völ­ke­rung von Kotka lang­sam ab, was vor allem auf die Ab­wan­de­rung von Ein­hei­mi­schen in die Re­gi­on Hel­sin­ki zu­rück­zu­füh­ren ist. 

Ob­wohl Kotka nicht die auf­re­gends­te Stadt Finn­lands ist und un­se­re ERAS­MUS-Grup­pe ziem­lich klein ist, habe ich es wirk­lich ge­nos­sen, hier zu leben und das ru­hi­ge­re und etwas zu­rück­ge­zo­ge­ne fin­ni­sche Leben ken­nen­zu­ler­nen.

Die der­zei­ti­ge fin­ni­sche Re­gie­rung be­steht aus 12 Mi­nis­te­ri­en. Jedes Mi­nis­te­ri­um ist für die Vor­be­rei­tung der An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb sei­nes Man­dats und für das ord­nungs­ge­mä­ße Funk­tio­nie­ren der Ver­wal­tung ver­ant­wort­lich. Die Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Finn­lands ist eine junge, fe­mi­nis­ti­sche Um­welt­schüt­ze­rin, die ge­ra­de einen Monat vor Be­ginn der Co­ro­na-Krise Mi­nis­ter­prä­si­den­tin ge­wor­den war. Sie ist eine Quel­le des gro­ßen Stol­zes für die fin­ni­schen Bür­ger und ein gutes Vor­bild für die ganze Welt.

Sanna Marin wurde 1985 in Hel­sin­ki ge­bo­ren. Sie ver­brach­te ihre Kind­heit in Pirkka­la und lebt jetzt mit ihrem Mann und ihrer Toch­ter im nahe ge­le­ge­nen Tam­pe­re. Nach dem Ab­schluss der all­ge­mei­nen Hoch­schul­rei­fe im Jahr 2004 ab­sol­vier­te Marin 2017 einen Mas­ter in Ver­wal­tungs­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­tät Tam­pe­re. In ihrer Mas­ter­ar­beit mit dem Titel "Finn­land, ein Land von Bür­ger­meis­tern" un­ter­such­te sie den Pro­fes­sio­na­li­sie­rungs­pro­zess der po­li­ti­schen Füh­rung in fin­ni­schen Städ­ten.

Ma­rins be­schei­de­ner Hin­ter­grund liest sich auch nicht wie der eines durch­schnitt­li­chen Welt­füh­rers. Ihre El­tern lie­ßen sich schei­den, als sie noch ein klei­nes Kind war, weil ihr Vater ein Al­ko­hol­pro­blem hatte. Sie wuchs in einer "Re­gen­bo­gen­fa­mi­lie" auf, ihre Mut­ter in einer gleich­ge­schlecht­li­chen Be­zie­hung. Sie leb­ten in einer Miet­woh­nung und ob­wohl sie nicht viel Geld hat­ten, schrieb Marin, dass sie einen Über­fluss an Liebe hat­ten. Nach­dem sie für ihre Ver­gan­gen­heit kri­ti­siert wurde, nutz­te Marin die Kom­men­ta­re zu ihrem po­li­ti­schen Vor­teil und twit­ter­te: "Ich bin sehr stolz auf Finn­land. Hier kann das Kind einer armen Fa­mi­lie eine Aus­bil­dung ma­chen und seine Ziele im Leben er­rei­chen. Eine Kas­sie­re­rin kann sogar Pre­mier­mi­nis­te­rin wer­den."

2015 wurde Marin bei ihrer ers­ten Kan­di­da­tur ins Par­la­ment ge­wählt. Dort war sie Mit­glied des Gro­ßen Aus­schus­ses, des Rechts­aus­schus­ses und des Um­welt­aus­schus­ses. Sie ist Mit­glied des Stadt­rats von Tam­pe­re, des­sen Vor­sitz sie von 2013-2017 in­ne­hat­te. 2014 wurde Marin zur zwei­ten stell­ver­tre­ten­den Par­tei­vor­sit­zen­den der So­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei ge­wählt, seit 2017 ist sie die erste stell­ver­tre­ten­de Par­tei­vor­sit­zen­de. Im Au­gust 2020 wurde Marin zur Vor­sit­zen­den der So­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei ge­wählt. Marin ist seit 2006 aktiv in der Po­li­tik tätig. Auch öko­lo­gi­sche Werte lie­gen Sanna Marin am Her­zen.

Sanna Marin wurde am 10. De­zem­ber 2019 zur Pre­mier­mi­nis­te­rin er­nannt. Marin ist die drit­te weib­li­che Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Finn­lands, die jüngs­te Mi­nis­ter­prä­si­den­tin in der Ge­schich­te Finn­lands und die jüngs­te am­tie­ren­de Mi­nis­ter­prä­si­den­tin der Welt. Sie steht nun an der Spit­ze von Finn­lands Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on aus fünf Par­tei­en, die alle weib­li­che Vor­sit­zen­de haben und fast alle unter 36 Jahre alt sind. Das ist eine be­mer­kens­wer­te Auf­stel­lung, wenn man be­denkt, dass die Füh­rer des Lan­des tra­di­tio­nell äl­te­re Män­ner waren. Finn­land war das erste Land der Welt, das vor etwas mehr als einem Jahr­hun­dert Frau­en ins Par­la­ment wähl­te.

An­fangs waren viele Fin­nen zu sehr in in­nen­po­li­ti­sche Strei­tig­kei­ten ver­wi­ckelt (der vor­he­ri­ge Pre­mier­mi­nis­ter trat nach lan­des­wei­ten Ar­beits­streiks zu­rück), um viel Auf­he­bens um Ma­rins re­kord­ver­däch­ti­ges Alter zu ma­chen. Aber als die in­ter­na­tio­na­le Pres­se be­gann, sich ein­zu­mi­schen, wur­den sie auf­merk­sam. Die Leute haben ge­sagt, dass dies das Beste ist, was dem in­ter­na­tio­na­len Ruf Finn­lands pas­sie­ren konn­te.

Wenn Sie mehr dar­über er­fah­ren wol­len, wie die junge fin­ni­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin Finn­land durch die Co­ro­na-Krise führt, emp­feh­le ich den fol­gen­den Ar­ti­kel: https://​www.​vogue.​com/​article/​millennial-​prime-​minister-​leading-​finland-​through-​crisis

Fotos: Laura Koti­la, val­tio­neu­vos­ton kans­lia https://​kuvapankki.​val​tion​euvo​sto.​fi/​l/​2n7pG8ZmbRvD

Nur etwa 10 Mi­nu­ten Fuß­weg von un­se­rem Wohn­block ent­fernt liegt Lan­gin­ko­ski, ein wun­der­schö­ner his­to­ri­scher Ort in­mit­ten von Natur und mäch­ti­gen Strom­schnel­len mit her­vor­ra­gen­den An­gel­mög­lich­kei­ten.

Lan­gin­ko­ski und seine Ge­bäu­de sind Teil der na­tio­nal wert­vol­len Kul­tur­land­schaft in Ky­mi­joki­laak­so und dem Na­tio­na­len Stadt­park in Kotka. Die Fi­scher­hüt­te, die von Russ­lands Zarr, Alex­an­der der III ge­baut wurde, wurde in den 1930er Jah­ren in ein Mu­se­um um­ge­wan­delt und die ein­zig­ar­ti­ge Ein­heit von Ge­bäu­den und Land­schaft er­hielt 1960 den Sta­tus eines Na­tur­schutz­ge­bie­tes. 

Auf Wunsch des Kai­sers ließ das Gro­ßher­zog­tum Finn­land in Lan­gin­ko­ski eine Fi­scher­hüt­te für sich er­rich­ten. Die kai­ser­li­che Fa­mi­lie ge­noss die Zeit in der Hütte, frei von der stren­gen Hof­eti­ket­te in St. Pe­ters­burg. 

Von der Zeit Alex­an­ders III. bis zum Ende der Un­ab­hän­gig­keit wurde Lan­gin­ko­ski von drei rus­si­schen Fi­schern be­wohnt, die sich von Mitte Mai bis Ende Sep­tem­ber in der Ge­gend auf­hiel­ten. Der Lachs­fang be­gann etwa im Hoch­som­mer. Manch­mal fisch­te der Kai­ser selbst im Fluss­bett nach Lachs, aus dem die Kai­se­rin dann eine Suppe koch­te. Gegen Ende des Som­mers be­gann die Weiß­fisch­sai­son. Im Au­gust fin­gen die Fi­scher die nacht­ak­ti­ven Lam­pre­ten. Die bes­ten Jah­res­fän­ge aus den Strom­schnel­len be­lie­fen sich auf Tau­sen­de von Kilos. Ab den spä­ten 1800er litt der Fisch­be­stand in der Ge­gend unter der in­dus­tri­el­len Ver­schmut­zung. Heute ist Lan­gin­ko­ski ein Frei­zeit­an­gel­ge­biet, das zum Spa­zie­ren­ge­hen, dem Lau­schen der Was­ser­läu­fe und zum Nach­den­ken ein­lädt.

Finn­land ist stark be­wal­det und ver­fügt über etwa 56.000 Seen, zahl­rei­che Flüs­se und aus­ge­dehn­te Sumpf­ge­bie­te; aus der Luft be­trach­tet sieht Finn­land wie ein kom­pli­zier­tes blau­es und grü­nes Puz­zle aus. Außer im Nord­wes­ten va­ri­ie­ren die Re­li­efs nicht sehr stark, und Rei­sen­de am Boden oder auf dem Was­ser kön­nen sel­ten über die Bäume in ihrer un­mit­tel­ba­ren Um­ge­bung hin­aus­se­hen. Den­noch be­sitzt die Land­schaft eine be­ein­dru­cken­de - wenn auch manch­mal trost­lo­se - Schön­heit. Die Grund­struk­tur Finn­lands ist ein rie­si­ger ab­ge­nutz­ter Schild, der aus altem Ge­stein, haupt­säch­lich Gra­nit, aus der prä­kam­bri­schen Zeit (vor etwa 4 Mil­li­ar­den bis 540 Mil­lio­nen Jah­ren) be­steht. 

Die Küs­ten­li­nie Finn­lands, die etwa 4.600 km lang ist, ist stark ge­glie­dert und mit Tau­sen­den von In­seln über­sät. Die meis­ten davon be­fin­den sich im Süd­wes­ten, im Schä­ren­gar­ten von Turku der im Wes­ten in die Åland-In­seln über­geht. Die süd­li­chen In­seln im Fin­ni­schen Meer­bu­sen sind haupt­säch­lich von ge­rin­ger Höhe, wäh­rend die In­seln ent­lang der süd­west­li­chen Küste bis zu einer Höhe von mehr als 120 Me­tern an­stei­gen kön­nen.

Das Re­li­ef Finn­lands wurde durch die eis­zeit­li­che Ver­glet­scherung stark be­ein­flusst: Der sich zu­rück­zie­hen­de Kon­ti­nen­tal­glet­scher hin­ter­ließ den Un­ter­grund mit Mo­rä­nen­ab­la­ge­run­gen in Form von Es­kern, be­mer­kens­wer­ten ge­wun­de­nen Berg­rü­cken aus ge­schich­te­tem Kies und Sand, die von Nord­west nach Süd­ost ver­lau­fen. Eine der grö­ß­ten For­ma­tio­nen ist der Sal­p­aus­sel­kä-Rü­cken, drei par­al­le­le Grate, die sich bo­gen­för­mig durch Süd­finn­land zie­hen. Das Ge­wicht der Glet­scher, die manch­mal ki­lo­me­ter­dick waren, drück­te die Erd­krus­te um viele hun­dert Meter nach unten. In­fol­ge­des­sen haben sich Ge­bie­te, die vom Ge­wicht der Eis­schil­de be­freit wur­den, an­ge­ho­ben und heben sich wei­ter­hin an, und Finn­land taucht immer noch aus dem Meer auf. Tat­säch­lich ver­wan­delt ein Land­an­stieg von etwa 10 mm pro Jahr im schma­len Teil des Bott­ni­schen Meer­bu­sens den alten Mee­res­bo­den all­mäh­lich in tro­cke­nes Land.

Be­son­ders be­ein­dru­ckend finde ich die vie­len Stei­ne und Fels­bro­cken, die über das ge­sam­te Land ver­teilt sind. Der Wald ist voll mit ihnen und viele Wohn­häu­ser haben einen schö­nen Stein im Gar­ten ste­hen. Oft sind diese Stei­ne so groß, dass es ein­fa­cher ist um sie herum zu bauen, an­statt sie zu be­we­gen.

Über das lange Wo­chen­en­de konn­ten wir Mik­ke­li und Sa­von­lin­na be­su­chen und ein biss­chen mehr von dem sehen, was Finn­land zu bie­ten hat.

Mik­ke­li
Mit einer Mi­schung aus Stadt­le­ben und länd­li­chem Charme hat Mik­ke­li alles zu bie­ten. Um­ge­ben von glit­zern­den Seen und mär­chen­haf­ten Wäl­dern ist das nied­li­che und ge­müt­li­che Mik­ke­li nicht nur die Haupt­stadt von Süd­sa­voy­en, son­dern auch Finn­lands blü­hen­de Fe­ri­en­haus­haupt­stadt. Das Hüt­ten­le­ben mit Sau­nas am See ist ein fes­ter Be­stand­teil des fin­ni­schen Sommer­le­bens, und über 10.000 Fin­nen haben ihr Häus­chen in der Re­gi­on Mik­ke­li ge­baut!

Sa­von­lin­na
Von allen Se­hens­wür­dig­kei­ten Finn­lands ist die Olavin­lin­na oder St. Olafs Burg in Sa­von­lin­na bei wei­tem die präch­tigs­te, fas­zi­nie­rends­te und his­to­risch be­deu­tends­te. Diese mit­tel­al­ter­li­che Fes­tung am See­ufer hat Finn­land hun­der­te von Jah­ren gegen rus­si­sche An­grif­fe ver­tei­digt und ist heute mit vie­len fes­seln­den Le­gen­den und Geis­ter­ge­schich­ten be­haf­tet.

Olavin­lin­na wurde im Jahr 1475 vom dä­ni­schen Rit­ter Erik Axels­son Tot ge­grün­det. Der Bau­platz war da­mals ein dünn be­sie­del­tes Ge­biet, das aber auf­grund sei­ner Nähe zur rus­si­schen Gren­ze von gro­ßer mi­li­tä­ri­scher Be­deu­tung war. Finn­land war da­mals ein Teil des Kö­nig­reichs Schwe­den und als Russ­land droh­te, seine Gren­zen zu er­wei­tern, war Olavin­lin­na eine von vie­len Struk­tu­ren, die zur Stär­kung und Ver­tei­di­gung des öst­li­chen Teils des Kö­nig­reichs ge­baut wur­den.

Die bei wei­tem be­rühm­tes­te Ge­schich­te von Olavin­lin­na ist die tra­gi­sche Lie­bes­ge­schich­te des fin­ni­schen Burg­fräu­leins. Die Toch­ter des Burg­herrn war in einen rus­si­schen Sol­da­ten ver­liebt und öff­ne­te eines Nachts das Burg­tor, um ihn her­ein­zu­las­sen. Doch sie wurde von ihrem Ge­lieb­ten ver­ra­ten, als er wei­te­re Sol­da­ten mit­brach­te. Die rus­si­schen Trup­pen wur­den zu­rück­ge­schla­gen und der ver­rä­te­ri­sche Lieb­ha­ber wurde bei dem An­griff ge­tö­tet. Das Mäd­chen wurde wegen Ver­rats zum Tode ver­ur­teilt und le­ben­dig in der Mauer des Hofes be­gra­ben. Kurze Zeit spä­ter wuchs an der Grab­stel­le ein Vo­gel­beer­baum und die wei­ßen Blü­ten, die an dem Baum blüh­ten, soll­ten die Un­schuld des Mäd­chens sym­bo­li­sie­ren.

Das fin­ni­sche Os­ter­fest ist ein gro­ßer Fei­er­tag, aber nicht un­be­dingt so re­li­gi­ös, wie es ur­sprüng­lich ein­mal war. Bei die­sem An­lass mi­schen die Fin­nen heid­ni­sche Tra­di­tio­nen mit Fa­mi­li­en­zeit und ei­ni­gen re­li­giö­sen As­pek­ten. Viele Fa­mi­li­en ma­chen sich auf den Weg zu ihrem Som­mer­haus oder zu den Ski­ge­bie­ten in Lapp­land. 

Für fin­ni­sche Kin­der ist Os­tern das schöns­te Fest nach Weih­nach­ten und ihrem Ge­burts­tag. Der Sonn­tag eine Woche vor Os­tern ist DER Tag, auf den die Kin­der am meis­ten ge­spannt sind, denn Os­tern ist das fin­ni­sche Äqui­va­lent zu Hal­lo­ween. In vie­len Fa­mi­li­en be­gin­nen die Vor­be­rei­tun­gen schon ein paar Tage vor­her. Die Kin­der sam­meln einen guten Hau­fen Wei­den­zwei­ge und de­ko­rie­ren sie hübsch mit ver­schie­den­far­bi­gen Bän­dern und Fe­dern. Am Sonn­tag ver­klei­den sich die Kin­der als Hexen und gehen dann mit ihren fröh­li­chen Wei­den­zwei­gen von Tür zu Tür. Sie sin­gen einen Reim und win­ken mit der Weide. Dies soll der Per­son, die die Tür öff­net, Ge­sund­heit und Glück schen­ken. An­schlie­ßend geben sie den Zweig ab und er­war­ten im Ge­gen­zug Sü­ßig­kei­ten oder Geld. Eine Ver­si­on des Reims lau­tet: "Vir­von, var­von, tuo­reeks, ter­veeks, tu­levaks vuo­deks. Vitsa sulle, palk­ka mulle!"

Sechs wit­zi­ge Dinge, die zum fin­ni­schen Os­ter­fest da­zu­ge­hö­ren:

1) Fin­nen mögen sel­ten de­ko­ra­ti­ven Schnick­schnack. Zu Os­tern haben sie über­all im Haus klei­ne Küken, Hähne, Hasen und Eier. 
2) Fin­nen mögen Gelb nicht be­son­ders. Zu Os­tern de­ko­rie­ren sie alles mit Gelb.
3) Fin­nen essen sel­ten Lamm­fleisch. An Os­tern essen sie nur Lamm­fleisch.
4) Die Fin­nen wis­sen, dass man von Weide all­er­gisch wird. Zu Os­tern schmü­cken sie das Haus mit Wei­den­zwei­gen.
5) Fin­nen las­sen ihre Kin­der keine süßen Sa­chen zum Früh­stück essen. Zu Os­tern essen die Kin­der mor­gens Scho­ko­la­den­ei­er.
6) Fin­nen mögen kei­nen kal­ten Brei. Nie­mand mag ihn. Zu Os­tern essen sie Mämmi, kal­ten süßen Rog­gen­brei mit Sahne und Zu­cker.
 

Finn­land ist das baum­reichs­te Land Eu­ro­pas und zu gro­ßen Tei­len be­wal­det. Die Baum­in­dus­trie und die enge Be­zie­hung der Fin­nen zu ihrer Natur spie­len beide eine große Rolle in Finn­lands Ge­schich­te und Kul­tur. Es ist nie weit zum nächs­ten Wald, so­dass man immer schnell weg vom Lärm und von an­de­ren Men­schen und zu­rück zu sich selbst kom­men kann.

Baum­rin­den

Heute habe ich in Bir­ken
man­ches schö­ne Bild ge­se­hen,
ließ es still auf mich wir­ken
beim lang­sa­men Vor­über­ge­hen.

Ein Tier dort ins Auge fällt
in den schwarz-wei­ßen Rin­den,
und eine ganz ei­ge­ne Welt
läßt sich dort wie­der­fin­den.

Zei­chen von den Wal­des­geis­tern,
oder ein­fach nur Natur?
Ich kann mich dafür be­geis­tern
an den Bau­mes­rin­den pur.

Chris­tia­ne Mielck-Retz­dorff

Acht Jah­res­zei­ten 

Vier Jah­res­zei­ten reich­ten den Lap­plän­dern und den Sami in alten Zei­ten nicht aus. Sie un­ter­teil­ten das Jahr statt­des­sen in acht Ab­schnit­te: Herbst-Win­ter; Win­ter; Früh­ling-Win­ter; Früh­ling; Früh­ling-Som­mer; Som­mer; Som­mer-Herbst und Herbst. Die vier Haupt­jah­res­zei­ten wur­den auf diese Weise um vier "Halb­jah­res­zei­ten" er­gänzt. Die war­men, mond­be­schie­ne­nen Näch­te des Au­gusts ge­hö­ren zum Som­mer; der Au­gust kommt je­doch mit einem Hauch der Knusp­rig­keit des Herbs­tes und sei­nem durch­drin­gen­den, me­lan­cho­li­schen Licht. Es braucht nur ein paar kalte, fros­ti­ge Näch­te, und der Herbst­som­mer wird zum Herbst. Wenn die Blät­ter zu fal­len be­gin­nen und die Seen nachts mit Nebel und Eis be­deckt sind, ist der Herbst mit vol­ler Wucht an­ge­kom­men, ob­wohl es noch nicht ganz Herbst-Win­ter ist. 

Pak­kas­t­alvi ('fros­ti­ger Win­ter') ist die erste Jah­res­zeit des Jah­res. Die Neu­jahrs­fei­er­lich­kei­ten sind zu Ende, und es ist dun­kel, kalt und ruhig bis März oder April, wenn bald nach der Len­tal-Sai­son han­ki­kan­to ('der Früh­ling mit ver­krus­te­tem Schnee') ein­trifft. Die Licht­men­ge nimmt deut­lich zu, auch wenn es nachts noch dun­kel und kalt ist.  Mit dem zu­neh­men­den Licht be­ginnt alles in der Natur zu er­wa­chen. Mit den ers­ten An­zei­chen des Früh­lings be­ginnt jäi­den­lähtö­ke­vät (wört­lich "Eis­auf­bruch"): Der Boden ist noch mit Schnee be­deckt, aber die ers­ten Pflan­zen be­gin­nen zu sprie­ßen, und Ren­tie­re brin­gen ihre Käl­ber zur Welt.  Die ers­ten Stein­flie­gen be­gin­nen auf dem Schnee in Ufer­nä­he zu krab­beln. So­bald die Sonne nicht mehr un­ter­geht, be­ginnt der "hell­grü­ne Som­mer" (kes­kiyön­au­rin­gon aika), oder die Zeit der Mit­ter­nachts­son­ne. Mit 24 Stun­den Ta­ges­licht lebt das ge­sam­te Öko­sys­tem in Ek­sta­se.  Die "Ern­te­zeit" (sa­don­kor­ju­unai­ka) be­ginnt, wenn das Wei­den­rös­chen blüht und die Tage be­gin­nen kür­zer zu wer­den.  Es folgt die Ruska oder der "bunte Herbst", wenn die feu­ri­gen Herbst­far­ben uns daran er­in­nern, dass der Boden bald wie­der von Eis und Schnee be­deckt sein wird. Und dann... kommt der "erste Schnee" (mu­s­talu­mi), um in den ers­ten Tagen des mil­den Wet­ters zu schmel­zen. Der Frost, der auf diese Pe­ri­ode des "schwar­zen Schnees" folgt, lässt den Boden ge­frie­ren. Die letz­te Jah­res­zeit, die den Jah­res­zy­klus be­en­det, ist Weih­nach­ten (joulu­kaa­mos), eine Pe­ri­ode kon­stan­ter Dun­kel­heit. Auf die lan­gen Po­lar­näch­te folgt das grö­ß­te Fest des Jah­res: Weih­nach­ten - ein Fest der Wie­der­ge­burt, des Lichts und des Los­las­sens von Altem.

Es gab trif­ti­ge Grün­de, ein Jahr in acht aus­ge­präg­te Jah­res­zei­ten ein­zu­tei­len. Durch die Vor­her­sa­ge des Wet­ters und die Er­le­di­gung der jah­res­zeit­li­chen Auf­ga­ben gemäß den Wet­ter­zei­chen brach­te die nörd­li­che Le­bens­wei­se den nörd­li­chen Geis­tes­zu­stand her­vor: eine Men­ta­li­tät, die die Natur nach­ahmt. Die Natur be­fin­det sich in einem stän­di­gen Zu­stand der Ver­än­de­rung, gleich­zei­tig in der ak­tu­el­len Jah­res­zeit und auf dem Weg zur nächs­ten. Das gilt auch für den Men­schen: Wir sind stän­dig im Wan­del, immer auf dem Weg nach vorn und auf dem Weg ins Mor­gen.

Die Struk­tu­ren und In­sti­tu­tio­nen der Ge­sell­schaft mögen sich än­dern, aber die von der Natur ge­präg­ten Men­ta­li­tä­ten blei­ben über Ge­ne­ra­tio­nen hin­weg prak­tisch un­ver­än­dert. Auf diese Weise sind auch die acht Jah­res­zei­ten ge­blie­ben. Lang­sam be­ge­ben wir uns auch im Süden Finn­lands in den Früh­ling-Win­ter und die ers­ten Wei­den­kätz­chen be­gin­nen zu Sprie­ßen wäh­rend es immer we­ni­ger kalt wird und der Schnee von den Stra­ßen schmilzt. Das brau­ne Grass spickt stel­len­wei­se sogar unter dem lang­sam schmel­zen­den Schnee her­vor und die Dun­kel­heit ver­ab­schie­det sich immer mehr wäh­rend die Sonne immer mehr un­se­re blas­sen Ge­sich­ter er­wärmt.

Diese Woche be­ga­ben wir uns auf ein klei­nes Aben­teu­er und über­quer­ten die zu­ge­fro­re­ne Ost­see, um Fort Elizabeth in der Nähe der Insel Kotka zu be­su­chen. Das Fort ist Teil der Ruots­in­sal­mi See­fes­tun­gen und wurde nach der rus­si­schen Kai­se­rin Eli­sa­beth Pe­trow­na (Mon­ar­chin von 1741 bis 1762) be­nannt. Fort Elizabeth ist eine un­re­gel­mä­ßig ge­form­te Fes­tung, die der Küs­ten­li­nie folgt und zur Insel Kot­kan­saa­ri hin offen ist.

Sie wurde wäh­rend der ers­ten Bau­pha­se von Ruots­in­sal­mi in den Jah­ren 1790 bis 1796 ge­baut, ur­sprüng­lich auf zwei klei­nen In­seln. Zu­sam­men mit dem Fort Salva, das auf der Insel Ku­kou­ri lag, schütz­te sie die Mee­res­zu­fahrt nach Ruots­in­sal­mi (dem Vor­gän­ger der Stadt Kotka) von Wes­ten und Süden. Die Fes­tung wurde An­fang des 19. Jahr­hun­derts außer Be­trieb ge­nom­men, und die Insel wurde all­mäh­lich zu einem Nah­erho­lungs­ge­biet für die Be­woh­ner von Kotka.

Wäh­rend der letz­ten Krie­ge be­fand sich auf den Wäl­len der Fes­tung eine Flug­ab­wehr­bat­te­rie, und als Er­in­ne­rung an diese Zeit wur­den spä­ter Flug­ab­wehr­ka­no­nen hier­her ge­bracht. 1940 wurde am öst­li­chen Ende der Insel ein von Hen­rik Bruun ent­wor­fe­nes Denk­mal er­rich­tet, das an die zwei­te See­schlacht von Ruots­in­sal­mi 1790 er­in­nert. In den 1960er Jah­ren wurde in­ner­halb der nord­öst­li­chen Fes­tungs­mau­ern ein Re­stau­rant ge­baut, das bis heute er­hal­ten ist und im Som­mer mit dem Boot oder im Win­ter, wenn das Meer zu­friert, be­sucht wer­den kann.

Heute ist In­ter­na­tio­na­ler Frau­en­tag und dies ist ein Tag, um für Gleich­be­rech­ti­gung zu kämp­fen und sich an die­je­ni­gen zu er­in­nern, die dabei für uns ge­stor­ben sind. Nach­dem die Idee be­reits 1908 aus der Ar­bei­ter­be­we­gung in den USA ent­stand und von den Ver­ein­ten Na­tio­nen als jähr­li­ches Er­eig­nis an­er­kannt wurde, wurde der Frau­en­tag 1910 auf einer in­ter­na­tio­na­len Kon­fe­renz der ar­bei­ten­den Frau­en in Ko­pen­ha­gen of­fi­zi­ell ge­macht. Er wurde erst­mals 1911 in Ös­ter­reich, Dä­ne­mark, Deutsch­land und der Schweiz ge­fei­ert. 1975 er­kann­ten die Ver­ein­ten Na­tio­nen den 8. März als in­ter­na­tio­na­len Fei­er­tag an. Die­ses Datum wurde ge­wählt, weil dies das Datum eines Streiks in Russ­land war, als Frau­en "Brot und Frie­den" for­der­ten. Vier Tage nach dem Frau­en­streik wurde der Zar zur Ab­dan­kung ge­zwun­gen und die pro­vi­so­ri­sche Re­gie­rung ge­währ­te den Frau­en das Wahl­recht.

Finn­land war das erste Land der Welt, das den Frau­en 1907 volle po­li­ti­sche Rech­te ge­währ­te. Im Jahr 2017 wurde der neue In­ter­na­tio­na­le Preis für die Gleich­stel­lung der Ge­schlech­ter aus­ge­schrie­ben, der die Rolle des Lan­des als Vor­rei­ter in Fra­gen der Ge­schlech­ter­gleich­stel­lung her­vor­hebt. Als einer der am meis­ten ge­schätz­ten Werte Finn­lands war die Gleich­stel­lung der Ge­schlech­ter einer der ent­schei­den­den Wege beim Auf­bau der Na­ti­on zu der Stär­ke und dem Wohl­stand, den sie heute ge­nie­ßt. Stu­di­en zei­gen, dass Län­der, in denen Frau­en eine star­ke Rolle in der Ge­sell­schaft spie­len, fi­nan­zi­ell, so­zi­al und öko­lo­gisch am nach­hal­tigs­ten sind. Lö­sun­gen für die Pro­ble­me der Welt wer­den nicht ohne Gleich­be­rech­ti­gung und Ein­be­zie­hung aller Ge­schlech­ter in die Ent­schei­dungs­fin­dung ge­fun­den wer­den. 2019 wähl­te Finn­land eine neue Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung, die von fünf Frau­en ge­führt wird.

Die­ses Jahr ist das Thema des In­ter­na­tio­na­len Frau­en­ta­ges "Frau­en in Füh­rung": "Achie­ving an equal fu­ture in a Covid-19 world". UN Women-Exe­ku­tiv­di­rek­to­rin Phum­zi­le Mlam­bo-Ng­cu­ka sagte: "Wir brau­chen eine Frau­en­ver­tre­tung, die alle Frau­en und Mäd­chen in ihrer gan­zen Viel­falt und mit all ihren Fä­hig­kei­ten wi­der­spie­gelt, und zwar in allen kul­tu­rel­len, so­zia­len, wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Si­tua­tio­nen. Nur so er­rei­chen wir einen ech­ten ge­sell­schaft­li­chen Wan­del, der Frau­en gleich­be­rech­tigt in Ent­schei­dungs­pro­zes­se ein­be­zieht und uns allen zu­gu­te­kommt." "Ge­schlech­ter­pa­ri­tät wird erst in fast einem Jahr­hun­dert er­reicht wer­den", so die IWD-Kam­pa­gne, die sich auf das Welt­wirt­schafts­fo­rum be­ruft, "kei­ner von uns wird die Ge­schlech­ter­pa­ri­tät zu un­se­ren Leb­zei­ten er­le­ben, und viele un­se­rer Kin­der wahr­schein­lich auch nicht." Die Daten von UN Women zei­gen, dass die Co­ro­na­vi­rus-Pan­de­mie 25 Jahre zu­neh­men­der Ge­schlech­ter­gleich­heit zu­nich­tema­chen könn­te. Frau­en über­neh­men auf­grund der Pan­de­mie deut­lich mehr Auf­ga­ben im Haus­halt und in der Fa­mi­lie, was sich wie­der­um auf die Ar­beits- und Bil­dungs­chan­cen aus­wir­ken kann.

Des­halb ist der dies­jäh­ri­ge in­ter­na­tio­na­le Frau­en­tag um so wich­ti­ger, auch wenn es höchs­te Zeit ist, jeden ein­zel­nen Tag im Jahr zum Frau­en­tag zu ma­chen.

Ylä­maa von Lap­pe­en­ran­ta, 35 km süd­lich des Stadt­zen­trums, liegt voll­stän­dig auf dem Gra­nit­ge­biet Viipu­ri ra­pa­ki­vi. Das Grund­ge­stein des Ge­bie­tes be­steht haupt­säch­lich aus brau­nem und grü­nem Yl­mä­maa-Gra­nit. Yl­mä­maa ist auch die Hei­mat von Spek­tro­lith, dem "fin­ni­schen Na­tio­nal­schatz". Der Spek­tro­lith, mit sei­nen präch­ti­gen Re­gen­bo­gen­far­ben, ist in der Welt der be­kann­tes­te Edel­stein mit Ur­sprung in Finn­land.

Das jähr­li­che Vo­lu­men des in Yl­mä­maa ab­ge­bau­ten Gra­nits er­reicht 1,5 Mil­lio­nen Ton­nen, mit einem Ge­samt­wert von 20 Mil­lio­nen Euro. Jedes Jahr wer­den 90.000 m3 Gra­nit aus Finn­land ex­por­tiert und 45.000 m3 davon stam­men aus Yl­mä­maa.

Der grö­ß­te Ar­beit­ge­ber in der Re­gi­on, die Stein- und Edel­stein­in­dus­trie, ist der Stolz der Ein­hei­mi­schen. Ihre schö­nen Stei­ne haben auch meh­re­re er­folg­rei­che Pro­jek­te im Bil­dungs­be­reich, Mi­ne­ra­li­en-Tou­ris­mus und Ver­wen­dung von Stein in der Land­schafts­ge­stal­tung in­spi­riert.

Wisst Ihr ei­gent­lich, wieso Schnee knirscht, wenn man auf ihm läuft? Mit jedem Schritt zer­bre­chen Mil­lio­nen klei­ner Eis­kris­tal­le. Beim Zer­bre­chen eines Eis­kris­talls wür­den wir Nichts davon mit­be­kom­men. Durch die un­fass­ba­re Menge an Eis­kris­tal­len je­doch, die wir mit jedem Schritt "ka­putt ma­chen", kön­nen wir es hören! Das klingt ir­gend­wie trau­rig, ist aber auch ganz schön cool! :D

Eis­kris­tal­le

Der Win­ter zau­ber­te als glän­zen­de Pracht
Eis­kris­tal­le in die Natur über Nacht -
als Glit­zer­welt aus Reif und Eis
schim­mert alles so fros­tig weiß.

Der Frost hat schnei­dend kalt und mit Macht
aus den Pflan­zen ei­si­ge Kunst­wer­ke ge­macht.
In der klir­ren­den Kälte ste­hen sie starr
und wir­ken mär­chen­haft und bi­zarr.

2005 Me­di­en­werk­statt Mühl­acker; MF

Mit jedem Spa­zier­gang er­kun­de ich die Natur und his­to­ri­schen Wahr­zei­chen um un­se­ren Wohn­ort herum ein biss­chen wei­ter. So habe ich neu­lich die Ky­mi­nin­na Fes­tung ent­deckt, wel­che 1790 erst­mals er­baut wurde und sich im da­mals rus­si­schen Finn­land nahe der schwe­di­schen Gren­ze be­fand. Die Fes­tung war Teil einer Ver­tei­di­gungs­ket­te, die die da­ma­li­ge Haupt­stadt Russ­lands, St. Pe­ters­burg, be­schüt­zen soll­te. Nach­dem Finn­land im Jahre 1917 seine Un­ab­hän­gig­keit er­langt hatte, dien­te die Fes­tung wäh­rend des fin­ni­schen Bür­ger­kriegs als Aus­bil­dungs­stät­te für die fin­ni­sche rote Garde, also auch als Flücht­lings­un­ter­kunft für fin­ni­sche In­gria­ner und Ka­re­len. Wäh­rend des Win­ter­kriegs in 1993 und bis 2005 wurde die Fes­tung wie­der für mi­li­tä­ri­sche Zwe­cke ge­nutzt. Heute kann man sie als his­to­ri­sches Mo­nu­ment be­sich­ti­gen und über ihre weit­läu­fi­gen Area­le spa­zie­ren gehen.

Eines der vie­len Pri­vi­le­gi­en des ERAS­MUS Le­bens in Finn­land ist es, den star­ken Fokus der Fin­nen auf Nach­hal­tig­keit mit­zu­er­le­ben. Neben der in­tak­ten Natur samt gut er­hal­te­ner Wäl­der und schö­ner Wan­der­we­ge gibt es hier zum Bei­spiel auch zahl­rei­che Se­cond-Hand Shops. Diese sind nicht, wie so oft in Deutsch­land, nur auf Klei­dung be­schränkt, son­dern bie­ten quasi alles, was man auch in nor­ma­len Läden kau­fen kann, nur eben aus zwei­ter Hand. Auch wenn ich bis­lang be­stimmt noch nicht alle Se­cond-Hand Läden in Kotka ent­de­cken konn­te, war ich be­reits in fünf ver­schie­de­nen Läden, wovon zwei grö­ßer als die meis­ten Ein­kaufs­lä­den zu­hau­se sind! Als wir im Herbst hier an­ka­men, fan­den wir eine sehr spär­lich aus­ge­stat­te­te Küche vor und das In­te­ri­eur un­se­rer Schlaf­zim­mer be­schränk­te sich auf einen Schrank, ein Bett und einen Schreib­tisch mit Stuhl. Die Wände hat­ten einen selt­sa­men Pink-Stich, die De­cken­leuch­te war furcht­bar grell und die Ma­trat­ze auf dem Bett so dünn, dass sich nach we­ni­gen Näch­ten der Rü­cken mel­de­te. Dank der Se­cond-Hand Stores und einem Con­tai­ner vor der Haus­tür konn­te ich un­se­re Woh­nung in kur­zer Zeit und re­la­tiv kos­ten­güns­tig zu einem ge­müt­li­chen Zu­hau­se ver­wan­deln, in dem ich gerne 7,5 Mo­na­te leben möch­te. Wir haben nun nicht nur einen Topf, eine Pfan­ne und ein Be­steck-Set, son­dern ein gan­zes Ser­vice und die Wände und der Boden sind dank Tep­pich und Stoff­tü­chern nicht mehr nur kahl und trist. Au­ßer­dem macht es auch ein­fach Spaß, durch die Gänge zu zie­hen und zu gu­cken, wel­che Schät­ze man heute ent­de­cken wird!

Wenn einer will die Finn‘ ver­steh'n, dann muss er in die Sauna geh'n!

Seit De­zem­ber zählt die fin­ni­sche Sau­na­kul­tur zum im­ma­te­ri­el­len Kul­tur­er­be der UNESCO. Die­ses Ba­de­ri­tu­al wird in ganz Finn­land seit Tau­sen­den von Jah­ren durch­ge­führt, seit die ers­ten Sied­ler einen Gra­ben in den Boden gru­ben und einen Stein­hau­fen er­hitz­ten. Sauna ist üb­ri­gens auch das ein­zi­ge fin­ni­sche Wort, das in­ter­na­tio­nal in an­de­re Spra­chen über­nom­men wurde. Die ur­sprüng­li­che Ab­sicht der Sauna war die einer gründ­li­chen Rei­ni­gung des Kör­pers. Das Wich­tigs­te dabei ist der Löyly, der Dampf, der ent­steht, wenn Was­ser mit einer Kelle auf die 500 Grad hei­ßen Stei­ne ge­wor­fen wird und ver­dampft. Ein be­lieb­ter Duft ist der von Teer, so riecht es nach dem Auf­guss wie das In­ne­re eines alten Se­gel­scho­ners. Die Er­hö­hung der Kör­per­tem­pe­ra­tur auf bis zu 39 °C wäh­rend der Schwitz­pha­se (künst­li­ches Fie­ber) be­wirkt im Kör­per die glei­che Wir­kung wie bei ech­tem Fie­ber, näm­lich einen An­stieg der Hit­ze­schock­pro­te­ine und auch eine er­höh­te Ak­ti­vi­tät der Im­mun­zel­len, die für die Ab­wehr von In­fek­tio­nen wich­tig sind. Die Ab­fol­ge von Hitze mit an­schlie­ßen­dem Käl­te­bad ent­spannt die Mus­ku­la­tur und hat neben ei­ni­gen phy­sio­lo­gi­schen Ef­fek­ten, wie kurz­zei­ti­ger star­ker Blut­druck­erhö­hung, An­re­gung des Kreis­laufs, des Stoff­wech­sels, des Im­mun­sys­tems und der At­mung vor allem eine po­si­ti­ve Wir­kung auf das sub­jek­ti­ve Wohl­be­fin­den. In ihrer tra­di­tio­nel­len Form er­setzt die Sauna das Bad, d.h. die kom­plet­te Kör­per­rei­ni­gung fin­det dort statt. An­ders als in deut­schen Sau­nen gibt es in fin­ni­schen Sau­nen kaum Re­geln. Die Sauna wird nackt oder be­klei­det, lang oder kurz, warm oder heiß ge­nos­sen. Die Fin­nen be­vor­zu­gen Bier als er­fri­schen­des Ge­tränk zwi­schen­durch und es gibt sogar ein Sprich­wort: "Wenn Schnaps, Teer und Sauna nicht hel­fen, ist die Krank­heit töd­lich." Ob­wohl Finn­land nur 5,5 Mil­lio­nen Ein­woh­ner hat, gibt es etwa drei Mil­lio­nen Sau­nen im Land, mehr als die An­zahl der Autos! Fin­nen su­chen nor­ma­ler­wei­se nicht aktiv den Kon­takt zu Frem­den, aber die Sauna war schon immer eine Aus­nah­me: Dort ist jeder gleich, und selbst Frem­de kön­nen sich plötz­lich in un­er­war­tet tief­grün­di­gen Ge­sprä­chen wie­der­fin­den.

Sauna

Um die Ge­sund­heit zu er­hal­ten,
darf mir mein Kör­per nicht er­kal­ten.
Ich bin Sau­nist, seit lan­gen Zei­ten,
und lass mir Auf­güs­se be­rei­ten.

Wir Frau­en sind ja Schmerz ge­wohnt,
gleich neun­zig Grad, damit's auch lohnt.
Ganz oben auf der Bank zu sit­zen,
da klappt das Schwit­zen in den Rit­zen.

Um mich herum sit­zen nur Män­ner.
Genau wie ich, die Tur­bo­ken­ner.
Ich will hier nicht als Erste gehen
und scham­haft nur nach unten sehen.

Jetzt zi­schen Eu­ka­lyp­tus­dämp­fe!
Winde mich in Schmer­zens­krämp­fe!
Und han­gel, weil ich nicht sehen kann,
zur Tür, - über jeden star­ken Mann.

Mit Mühe fahre ich nach Hause,
stell mich noch unter meine Brau­se
und streck die alten müden Glie­der
ins Bett, - am mor­gen hatt ich Fie­ber!

Der Dok­tor meint es wär die Grip­pe
ich sollt was tun, für mein Ge­rip­pe.
Viel­leicht mal in die Sauna gehen,
wo Eu­ka­lyp­tus­dämp­fe wehen!

https://​www.​gedichte-​eiland.​de/​archive/​index.​php/​t-​761.​html

Ich habe ver­ges­sen wie sehr die Kälte bei -22 Grad im Ge­sicht und an den Fin­gern schmer­zen kann! Und trotz­dem gibt es nichts Schö­ne­res, als bei Sonne in der wun­der­vol­len Natur Finn­lands un­ter­wegs zu sein und ein­fach nur die eisig kalte Luft ein­zu­at­men. Die kal­ten dunk­len Mo­na­te frie­ren selbst das all­ge­mei­ne Ak­ti­vi­täts­le­vel der Be­völ­ke­rung ein, so­dass die Zeit gleich­zei­tig un­glaub­lich lang­sam und doch furcht­bar schnell vor­bei­fliegt und mir nichts wei­te­res übrig bleibt, als vom Strom mit­ge­ris­sen zu wer­den und mich ein­fach trei­ben zu las­sen.

In Kotka ge­win­nen wir der­zeit jeden Tag rund 4 Mi­nu­ten Ta­ges­licht dazu. Die reg­ne­risch-grau­en Tage lie­gen in­zwi­schen auch immer wei­ter zu­rück, der Schnee häuft sich immer wei­ter an und die Tem­pe­ra­tu­ren fal­len immer wei­ter unter den Ge­frier­punkt. Nach­dem die Sonne sich einen Monat lang gar nicht mehr zei­gen woll­te, war die­ser erste son­ni­ge Tag bei -7 Grad wie Bal­sam für die Seele und ich ge­noss es sehr, mir die Fin­ger und Füße bei einem lan­gen Spa­zier­gang ab­zu­frie­ren. Kopf und Kör­per freu­en sich glei­cher­ma­ßen über jeden Son­nen­strahl und ich fühle mich nun wie­der voll­ge­tankt und be­reit für alles! Ge­nie­ßt jeden schö­nen Mo­ment und er wird euch für die Zu­kunft stark ma­chen!

Für unser letz­tes Aben­teu­er im Jahr 2020 un­ter­nah­men wir einen klei­nen Weih­nachts­aus­flug, der uns in die stern­för­mi­ge Fes­tungs­stadt Ha­mi­na führ­te, nur eine Stun­de mit dem Bus von Kotka ent­fernt. Die win­zi­ge Stadt an der Ost­see ist von länd­li­cher Idyl­le um­ge­ben und hat als Mit­tel­punkt das große Rat­haus, das weih­nacht­lich be­leuch­tet war. Ha­mi­na hat auch die grö­ß­te Finn­land-Fahne und viele schö­ne alte Ge­bäu­de sowie lu­the­ri­sche und or­tho­do­xe Kir­chen. Die­ser Aus­flug war per­fekt, um un­se­re fin­ni­schen, deut­schen, bel­gi­schen und ame­ri­ka­ni­schen Weih­nachts­fei­ern ab­zu­run­den, die wir 4 ERAS­MUS-Stu­den­tin­nen ge­mein­sam in un­se­rem Wohn­heim in Kotka ver­bracht haben. Ich bin sehr ge­spannt, was das neue Jahr brin­gen wird und freue mich auf viele wei­te­re Aben­teu­er und dar­auf, noch tie­fer in die fin­ni­sche Kul­tur ein­zu­tau­chen. Frohe Weih­nach­ten und einen guten Rutsch ins neue Jahr wün­sche ich euch allen!

Di­scgolf oder Fris­by Golf ist eine auf­stei­gen­de Out­door-Sport­art, die ein­fach zu er­ler­nen ist, aber eine Her­aus­for­de­rung bleibt, egal wie gut man wird. Das Spiel bil­det eine Mi­schung aus Golf (man ver­sucht, das Ziel mit so wenig Wür­fen wie mög­lich zu tref­fen) und Fris­by und ob­wohl es in Ka­na­da er­fun­den wurde, ist das Spiel ins­be­son­de­re in Finn­land be­liebt. Tat­säch­lich gibt es in Finn­land die zweit­meis­ten Di­scgolf­plät­ze der Welt nach den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, aber noch vor Ka­na­da, Schwe­den, Est­land und Deutsch­land! Di­scgolf hat ge­ra­de wäh­rend des Lock­downs eine Menge an Auf­merk­sam­keit ge­won­nen, weil man hier­mit Zeit drau­ßen in der Natur mit Freun­den ver­brin­gen und gleich­zei­tig Ab­stand be­wah­ren kann. Ob­wohl die Wett­kampf­sai­son auf die Som­mer­mo­na­te be­schränkt ist, wer­den die frei zu­gäng­li­chen Di­scgolf­plät­ze auch in den käl­te­ren Jah­res­zei­ten auf­ge­sucht und die 5 Stun­den und 42 Mi­nu­ten Son­nen­licht somit voll aus­ge­nutzt. Wir sind beim Spie­len zwar viel auf dem Eis her­um­ge­rutscht und haben jeden ein­zel­nen Baum zwi­schen dem Tor und uns ge­trof­fen, aber das Spie­len die­ser in­ter­es­san­ten Sport­art hat trotz­dem sehr viel Spaß ge­macht und es war leicht zu ver­ste­hen, wieso so viele Men­schen davon fas­zi­niert sind. Der Grad an Stra­te­gie und Tech­nik, den man sich an­eig­nen kann, scheint schier end­los zu sein (zum Bei­spiel gibt es meh­re­re ver­schie­de­ne Discs mit un­ter­schied­li­chen Flug­ei­gen­schaf­ten), und trotz­dem war selbst ich in der Lage, das Fris­by ir­gend­wie ins Tor zu be­kom­men - fragt nur nicht, wie lange ich dafür ge­braucht habe!

Lapp­land ist ein Ort gren­zen­lo­ser na­tür­li­cher Schön­heit. Auch wenn ich nur für we­ni­ge Tage dort war, be­feu­er­te es den­noch meine Aben­teu­er­lust und meine Fan­ta­sie, in wel­cher ich mir vor­stel­le, zwi­schen Hus­kies und Ren­tie­ren im Ein­klang mit der Natur zu leben. Die schwie­ri­gen Zei­ten, die Men­schen auf der gan­zen Welt der­zeit durch­ma­chen müs­sen, las­sen ver­mut­lich viele Men­schen ge­dank­lich aus der Rea­li­tät flüch­ten und von einem simp­le­ren Leben träu­men. 
Den­noch bin ich mir dar­über be­wusst, dass ich - wie auch die vie­len an­de­ren ERAS­MUS Stu­die­ren­den in Finn­land - au­ßer­or­dent­li­ches Glück habe, genau zu die­ser Zeit an die­sem Ort sein zu dür­fen, und ich ge­nie­ße jeden Au­gen­blick der Frei­heit und Un­be­küm­mert­heit, der mir hier ge­schenkt wird. Ich hoffe sehr, dass auch Ihr, allen Um­stän­den zum Trotz, solch schö­ne Mo­men­te er­lebt und wert­schät­zen könnt. Schlie­ß­lich sind dies die bes­ten Ge­le­gen­hei­ten, uns le­ben­dig und voll­stän­dig zu füh­len!

Foto credit: @brieuc_v

Dort, wo die Sonne nicht auf­geht, der Schnee die Land­schaft unter sich ver­gräbt, wo die Eis­kris­tal­le in der Luft ste­hen und die Ren­tie­re im Win­ter durch die ur­alten Wäl­der zie­hen – dort ist der Weih­nachts­mann zu­hau­se. Viel län­ger leben hier al­ler­dings die Sami – die ein­zi­gen Ur­ein­woh­ner Eu­ro­pas – und pfle­gen ihre Kul­tur und Ren­tier­her­den, er­hal­ten ihre Spra­che und si­chern ihr Erbe für die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on. Die Er­leb­nis­se der letz­ten Woche waren ein­zig­ar­tig und un­be­schreib­lich, denn Lapp­land be­sitzt einen ganz be­son­de­ren Zau­ber, der alles um­gibt.

Un­se­re Er­kun­dun­gen des Lan­des führ­ten uns letz­tes Wo­chen­en­de nach Tam­pe­re, die dritt­grö­ß­te Stadt und die am schnells­ten wach­sen­de In­dus­trie­stadt Finn­lands. Tam­pe­re liegt zwi­schen zwei gro­ßen Seen und hat mit sei­nen wei­ten Stra­ßen und vie­len Parks einen sehr ein­zig­ar­ti­gen Cha­rak­ter. Die wun­der­schö­ne öf­fent­li­che Sauna – na­tür­lich mit Zu­gang zum Fluss un­ter­halb der Strom­schnel­len – bie­tet einen schö­nen Er­ho­lungs­ort. Nur der selt­sa­me Ge­ruch der his­to­ri­schen Pa­pier­fa­brik und seine hohen Ka­mi­ne er­in­nern einen hin und wie­der daran, dass Tam­pe­re noch immer sehr in­dus­tri­ell ge­prägt ist. Hier wurde 1783 die erste Pa­pier­fa­brik, 1820 die erste Baum­woll­fa­brik und 1882 die erste Pro­duk­ti­ons­stät­te für Glüh­bir­nen er­baut. Am Sonn­tag­mor­gen schlen­der­ten wir über einen klei­nen Weih­nachts­markt, wo sich die Kin­der nur so tum­mel­ten, um den Weih­nachts­mann „Hallo“ zu sagen. Vom hohen Turm au­ßer­halb der Stadt be­ka­men wir einen wun­der­schö­nen Aus­blick über die Stadt und die Seen und auch die Markt­hal­le im Ju­gend­stiel war sehr se­hens­wert. Au­ßer­dem hat Tam­pe­re das ein­zi­ge Mumin-Mu­se­um der Welt – wor­auf die Fin­nen sehr stolz sind und ein Be­such lohnt sich al­le­mal.

Heute möch­te ich über die jet­zi­ge Co­ro­na-Si­tua­ti­on in Finn­land be­rich­ten, die sich sehr an­ders ge­stal­tet, als ich es aus Deutsch­land ge­wohnt bin. Noch vor un­se­rer An­rei­se wuss­ten wir be­reits, dass wir in Finn­land 10 Tage in ‚frei­wil­li­ge‘ Qua­ran­tä­ne gehen soll­ten. Eine ge­naue De­fi­ni­ti­on, wie das im Kon­kre­ten um­ge­setzt wer­den soll, war dabei schwie­rig her­aus­zu­be­kom­men, weil alle ‚Re­geln‘ le­dig­lich Vor­schlä­ge waren, die man in Ei­gen­ver­ant­wor­tung und nach ei­ge­nem Er­mes­sen um­setz­ten soll­te. Bei un­se­rer An­kunft Mitte Ok­to­ber in Hel­sin­ki gab es fast keine Kon­trol­len und ob­wohl wir nicht aus tou­ris­ti­schen Grün­den ein­rei­sen durf­ten und des­halb un­se­re Stu­di­en­be­stä­ti­gung mit­ge­bracht hat­ten, wurde dies eben­falls nie kon­trol­liert. In der S-Bahn und im Bus tru­gen nur sehr we­ni­ge Men­schen eine Maske - nur das Ab­stand­hal­ten ist in Finn­land sel­ten ein Pro­blem. Trotz Qua­ran­tä­ne durf­ten wir uns frei be­we­gen und auch Ein­kau­fen gehen, le­dig­lich ein Uni-Be­such war uns un­ter­sagt und es wurde emp­foh­len, keine öf­fent­li­chen Trans­port­mit­tel zu be­nut­zen und un­nö­ti­ge so­zia­le Kon­tak­te zu ver­mei­den. Bei un­se­rem ers­ten Café-Be­such, wur­den wir nicht nach un­se­ren Kon­takt­da­ten ge­fragt und auch an der Uni zeig­ten sich für uns deut­li­che Un­ter­schie­de. Für alle Erst­se­mes­ter fin­den die Kurse ganz nor­mal in Prä­senz statt und wir haben sogar eine Vor­le­sung mit 40 Teil­neh­mer*innen in einem klei­nen ge­schlos­se­nen Raum – ohne Mas­ken, ohne Ab­stand, ohne Na­mens­lis­ten.

Wieso ist das so? Es stimmt kei­nes­falls, dass das Co­ro­na­vi­rus hier nicht exis­tiert oder dass die Fin­nen so tun, als ob sie nicht be­trof­fen seien. Der Um­gang mit der Pan­de­mie ist al­ler­dings in jeder Hin­sicht ent­spann­ter und bis­her ist Finn­land mit sei­ner Stra­te­gie sehr gut weg­ge­kom­men. Das ist je­doch kein Zu­fall, son­dern ist durch ein Zu­sam­men­spiel ver­schie­de­ner Fak­to­ren ent­stan­den, denen ich nun auf den Grund gehen möch­te.

Die In­fek­ti­ons­zah­len in Finn­land sind mit die nied­rigs­ten in ganz Eu­ro­pa und auch die To­des­zah­len blei­ben auf einem sehr nied­ri­gen Ni­veau und dies, ob­wohl sich die In­fek­ti­ons­kur­ve von ihrem Ver­lauf her nicht be­son­ders von der in Deutsch­land un­ter­schie­det.[1] Ges­tern be­fan­den sich bei­spiel­wei­se in ganz Finn­land genau 120 Men­schen auf Grund einer Co­ro­na­vi­rus­er­kran­kung im Kran­ken­haus, wovon le­dig­lich 15 In­ten­siv­pfle­ge be­nö­ti­gen.[2]

Ein Grund hier­für ist Finn­lands ab­ge­le­ge­ne geo­gra­fi­sche Lage und ge­rin­ger tou­ris­ti­scher Ver­kehr, der dafür ge­sorgt hat, dass der Lock­down am An­fang der Pan­de­mie hier nicht zu spät kam, wie es in an­de­ren Län­dern be­reits der Fall war. Die re­la­tiv stren­gen Grenz- und Schul­schlie­ßun­gen waren ex­trem ef­fek­tiv und die In­fek­ti­ons­in­zi­denz hielt sich von vorn­her­ein in Gren­zen. Auch wird Finn­land des Öf­te­ren als „EU‘s Prep­per Coun­try“ be­zeich­net, weil es als ein­zi­ges EU-Land eine Viel­zahl von me­di­zi­ni­schem Zu­be­hör ein­ge­la­gert hat und somit nie in die Not­la­ge ge­ra­ten ist, die viele an­de­re Län­der be­droht hat, als Mas­ken, Schutz­klei­dung und Be­at­mungs­ge­rä­te plötz­lich nicht mehr zu krie­gen waren. Grund hier­für sind Finn­lands Kriegs-Er­fah­run­gen der letz­ten 100 Jahre und seine Nähe zu Russ­land.[3] Des Wei­te­ren ist Finn­land all­ge­mein recht dünn be­sie­delt und hat viele Aus­weich­räu­me, wo sich die Men­schen gut aus dem Weg gehen kön­nen, und der na­tür­li­che Ab­stand, den Fin­nen im ge­wöhn­li­chen All­tag so­wie­so schon zu­ein­an­der ein­hal­ten, sowie die be­grenz­ten so­zia­len Kon­tak­te haben sich eben­falls po­si­tiv auf die In­fek­ti­ons­be­gren­zung aus­ge­wirkt. Alle gro­ßen Men­schen­an­samm­lun­gen wur­den un­ter­sagt und mit Hilfe von of­fi­zi­el­len Emp­feh­lun­gen ver­än­der­ten die Fin­nen ihr öf­fent­li­ches Leben aus ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung her­aus, ohne dass die Um­set­zung be­hörd­lich kon­trol­liert wer­den muss­te. Eine Mas­ken­pflicht ist bei­spiels­wei­se al­lei­ne aus den recht­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten her­aus nicht mög­lich, weil Finn­land kein Ge­setz ver­gleich­bar zu dem In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz in Deutsch­land hat, das sol­che Auf­la­gen er­mög­li­chen würde. Und was das Durch­hal­te­ver­mö­gen der Finn*innen an­geht, haben diese eine na­tio­na­le Be­son­der­heit: „Sisu". Sisu ist eine in­ne­re Stär­ke - eine ei­ser­ne Ent­schlos­sen­heit, durch­zu­hal­ten und nicht auf­zu­ge­ben. Kurz ge­sagt, genau die Art von Wi­der­stands­fä­hig­keit, die wir alle im Mo­ment brau­chen. Sisu hat eine mys­ti­sche, fast ma­gi­sche Be­deu­tung. Es ist kein vor­über­ge­hen­der Le­bens­mut, son­dern die Fä­hig­keit, die­sen Mut zu be­wah­ren. Es steht für die Phi­lo­so­phie, dass das, was getan wer­den muss, getan wird, un­ge­ach­tet der Kos­ten.[4]

Nach nur an­dert­halb Mo­na­ten fällt es schwer nach­zu­voll­zie­hen, wie sich das Leben in Deutsch­land durch die neuen Re­ge­lun­gen und Ein­schrän­kun­gen an­füh­len muss, und ich bin sehr froh, ge­ra­de zu die­ser Zeit in die­sem Land leben zu dür­fen. 

[1] https://​www.​statista.​com/​statistics/​1102255/​cumulative-​coronavirus-​cases-​in-​finland/

[2] https://​thl.​fi/​en/​web/​infectious-​diseases-​and-​vac​cina​tion​s/​what-​s-​new/​coronavirus-​covid-​19-​latest-​updates/​situation-​update-​on-​coronavirus

[3] https://​www.​nytimes.​com/​2020/​04/​05/​world/​europe/​coronavirus-​finland-​masks.​html

[4] https://​www.​arc​ticd​irec​t.​co.​uk/​coping-​with-​covid-​19-​the-​finnish-​way/

Diese Woche haben wir einen wei­te­ren auf­re­gen­den Aus­flug nach Turku und zu den Aland-In­seln un­ter­nom­men. Dort hat­ten wir das große Glück, ein altes Fa­mi­li­en-Wohn­mo­bil auf Air bnb ge­fun­den zu haben, mit dem wir die schö­ne, au­to­no­me, schwe­disch­spra­chi­ge Insel frei er­kun­den konn­ten! Wir lern­ten die Ge­schich­te der Insel als wich­ti­ger rus­si­scher Mi­li­tär­pos­ten um die Jahr­hun­dert­wen­de ken­nen und be­such­ten ein Frei­licht­mu­se­um in der Nähe der Burg. Auch die Stadt Turku war für mich per­sön­lich sehr in­ter­es­sant zu be­su­chen, vor allem weil dort der Wal­mär­chen­brun­nen "Har­mo­nia" steht, der von dem deut­schen Künst­ler Achim Kühn, bei dem mein Vater seine Me­tall­künst­ler-Lehre ge­macht hat, ge­baut wurde.

Heute möch­te ich die Ge­le­gen­heit nut­zen, mich bei mei­nem nütz­lichs­ten Freund zu be­dan­ken: MEI­NEM FAHR­RAD!

Wir alle fünf Eras­mus-Stu­den­tin­nen haben in­ner­halb der ers­ten Woche nach un­se­rer An­kunft kos­ten­lo­se Fahr­rä­der be­kom­men, indem wir zu einem gro­ß­ar­ti­gen Ort hier in Kotka gin­gen, der "Fahr­rad­kü­che" ge­nannt wird. Dies ist eine Grup­pe von Leu­ten, die alte ka­put­te Fahr­rä­der ein­sam­meln und an­de­ren die Mög­lich­keit geben, in ihre Werk­statt zu kom­men und diese zu­sam­men mit Frei­wil­li­gen, die mehr von Fahr­rä­dern ver­ste­hen als wir, zu re­pa­rie­ren. Dank ihnen ist es für uns sehr ein­fach, uns fort­zu­be­we­gen, denn ob­wohl wir in der Nähe des Cam­pus woh­nen, ist das Stadt­zen­trum 25 Mi­nu­ten mit dem Fahr­rad ent­fernt und ohne Fahr­rä­der müss­ten wir den Bus neh­men. Wir konn­ten sogar einen 25 km ent­fern­ten Na­tio­nal­park be­su­chen, was zu Fuß zu weit ge­we­sen wäre. Der Weg dort­hin war zwar recht aben­teu­er­lich, da wir auf schlam­mi­gen und rut­schi­gen Wegen durch einen Wald fah­ren muss­ten, aber glück­li­cher­wei­se haben uns un­se­re Fahr­rä­der noch nie im Stich ge­las­sen! Wenn es nötig wird, fun­gie­ren sie selbst­ver­ständ­lich auch als Pack­esel ;)

Am ver­gan­ge­nen Wo­chen­en­de hat­ten wir unser ers­tes "fin­ni­sches Aben­teu­er", bei dem ich mit vier wei­te­ren ERAS­MUS Stu­den­tin­nen mit einem Miet­au­to zu einem roten Holz­häus­chen im Wald auf­ge­bro­chen bin, etwa 2 Stun­den nord­öst­lich von Kotka. Wir hat­ten einen ei­ge­nen Steg zum See di­rekt vor dem Haus, es hatte 1 Grad Luft­tem­pe­ra­tur und nach einer Ab­küh­lung im (wirk­lich kal­ten!) Was­ser konn­ten wir uns in der haus­ei­ge­nen Holz­ofen-Sauna wie­der auf­wär­men. Wir er­kun­de­ten au­ßer­dem die na­he­ge­le­ge­ne Klein­stadt Lap­pe­en­ran­ta, waren bei ver­schie­de­nen Na­tio­nal­parks an der Sai­maa Se­en­plat­te, haben un­se­ren ers­ten Elch be­ob­ach­ten kön­nen und uns den "ba­lan­cing stone" an­ge­se­hen. Es über­rascht mich gar nicht, dass die Fin­nen enorm stolz auf ihre Wäl­der und Seen sind denn das ganze Land be­steht quasi nur aus grü­ner und blau schim­mern­der Natur und ist wirk­lich atem­be­rau­bend.

End­lich ist es so­weit - das Se­mes­ter hat nun ana­log am XAMK Cam­pus be­gon­nen! Alle Er­sties und Aus­lands­stu­die­ren­de haben ganz nor­mal Prä­senz­vor­le­sun­gen und ich hatte schon mei­nen ers­ten Kurs mit 40 Fin­nen.

Terve! Minä olen Co­rin­na. Das heißt auf fin­nisch: "Ich bin Co­rin­na". Ich stu­die­re So­zia­le Ar­beit im 5. Se­mes­ter, darf zwei Aus­lands­se­mes­ter in Kotka, Finn­land er­le­ben und möch­te meine Er­fah­run­gen mit Euch tei­len! Die Vor­le­sun­gen und Übun­gen des Win­ter­se­mes­ters 2020 star­te­ten hier be­reits am 1. Sep­tem­ber, al­ler­dings muss­ten wir auf Grund von Co­ro­na das Se­mes­ter on­line be­gin­nen und durf­ten erst am 12. Ok­to­ber ein­rei­sen. Wir sind am ge­sam­ten XAMK Cam­pus in Kotka Co­ro­na-be­dingt nur fünf Aus­lands­stu­die­ren­de, aber nor­ma­ler­wei­se mel­den sich um die 40 in­ter­na­tio­na­le Stu­die­ren­de für die­sen Stand­ort an. Ich habe mich 45 Stun­den vor un­se­rer An­kunft in Kotka zu­sam­men mit zwei wei­te­ren deut­schen ERAS­MUS+ Stu­den­tin­nen auf den Weg ge­macht, um die Fähre von Tra­ve­mün­de nach Hel­sin­ki zu neh­men. Auf der Fähre ver­brach­ten wir 29 ent­spann­te Stun­den und konn­ten sogar die Sauna um­sonst nut­zen! (Ty­pisch Fin­nisch...) Von Hel­sin­ki nach Kotka brauch­ten wir mit dem Bus zwei Stun­den und dann waren wir schon in un­se­rem güns­ti­gen Stu­den­ten­wohn­heim in Uni-Nähe an­ge­kom­men.
 

Jetzt ge­nie­ßen wir zu­sam­men mit einer bel­gi­schen Stu­den­tin die 10 Tage frei­wil­li­ge Qua­ran­tä­ne, in der wir uns frei be­we­gen und ein­kau­fen gehen kön­nen und spa­zie­ren jeden Tag wei­ter weg von zu­hau­se, um die wun­der­schö­ne Land­schaft zu er­kun­den. 

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