For­schungs­pro­fil

Der Boden hat eine her­aus­ra­gen­de Be­deu­tung für den Na­tur­haus­halt und gleich­zei­tig für die Er­näh­rung der ste­tig wach­sen­den Welt­be­völ­ke­rung. Neben ihrer na­tür­li­chen Funk­ti­on als Spei­cher und Puf­fer um­welt­re­le­van­ter Stof­fe die­nen zahl­rei­che Böden vor­nehm­lich der Nah­rungs­mit­tel­er­zeu­gung. Ziel die­ser land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung ist es ge­sun­de Le­bens­mit­tel bei mög­lichst op­ti­ma­ler Res­sour­cen­ef­fi­zi­enz zu pro­du­zie­ren. Vor­aus­set­zung für die Er­zie­lung nach­hal­ti­ger Er­trä­ge ist der lang­fris­ti­ge Er­halt bzw. die Ent­wick­lung der na­tür­li­chen Bo­den­frucht­bar­keit. Von we­sent­li­cher Be­deu­tung ist in die­sem Zu­sam­men­hang die Bo­den­struk­tur, also die räum­li­che An­ord­nung der mi­ne­ra­li­schen und or­ga­ni­schen Be­stand­tei­le des Bo­dens. Die Funk­tio­na­li­tät der Bo­den­struk­tur be­stimmt die Fä­hig­keit des Bo­dens äu­ße­re Ein­flüs­se zu kom­pen­sie­ren bzw. zu trans­for­mie­ren, um ein op­ti­ma­les Pflan­zen­wachs­tum zu er­mög­li­chen. Mit jeder land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung wird die Bo­den­struk­tur mo­di­fi­ziert: Durch Bo­den­be­ar­bei­tungs­maß­nah­men oder Be­fah­rungs­er­eig­nis­se wird die Bo­den­struk­tur di­rekt be­ein­flusst, wäh­rend bei­spiels­wei­se Dün­gungs-, Pflan­zen­schutz- oder Frucht­fol­ge­ent­schei­dun­gen oft nur einen in­di­rek­ten Ein­fluss auf die Bo­den­struk­tur aus­üben. Ge­ra­de im Hin­blick auf An­pas­sungs­stra­te­gi­en zur An­pas­sung an den Kli­ma­wan­del wird deut­lich ge­macht, wie be­deut­sam die Bo­den­struk­tur für die zu­künf­ti­ge Bo­den­nut­zung und den damit ver­bun­de­nen Ern­te­er­folg ist. In Zu­kunft wird die­sem As­pekt zu­neh­men­de Be­ach­tung ge­schenkt wer­den müs­sen, da die Mög­lich­kei­ten, Struk­tur­schä­den durch er­höh­te In­ten­si­tä­ten von u.a. Pflan­zen­schutz-, Dün­gungs- und Be­ar­bei­tungs­maß­nah­men kom­pen­sie­ren zu kön­nen, wei­ter ein­ge­schränkt wer­den.

Der Er­halt und die Ent­wick­lung einer funk­tio­na­len Bo­den­struk­tur als we­sent­li­cher Teil der Bo­den­frucht­bar­keit land­wirt­schaft­lich ge­nutz­ter Böden ist des­halb eine der zen­tra­len Fra­ge­stel­lun­gen im Hin­blick auf zu­künf­tig nach­hal­ti­ge Land­nut­zungs­sys­te­me. Die Bo­den­struk­tur ist hier­bei nicht nur als we­sent­li­che Ein­fluss­grö­ße für die Er­trags­hö­he und –qua­li­tät land­wirt­schaft­li­cher Er­zeug­nis­se ma­ß­geb­lich, son­dern auch für die Nähr- bzw. Stick­stoff­stoff­ef­fi­zi­enz be­stim­mend. Nur in Ge­gen­wart von in­tak­ten Bo­den­sys­te­men wird es zu­künf­tig mög­lich sein ge­sun­de Le­bens­mit­tel zu er­zeu­gen und gleich­zei­tig ne­ga­ti­ve Um­welt­ef­fek­te durch Nähr­stoff­emis­sio­nen (u.a. Eu­tro­phie­rung, Grund- und Trink­was­ser­qua­li­tät) zu ver­hin­dern. Dies gilt für Acker- und Grün­land­stand­or­te glei­cher­ma­ßen.

Ziel der ak­tu­el­len und zu­künf­ti­gen For­schungs­ar­bei­ten ist es mit Hilfe einer Kom­bi­na­ti­on aus Feld- und La­bor­me­tho­den re­si­li­en­te, d.h. kom­pen­sa­ti­ons­fä­hi­ge Land­nut­zungs­sys­te­me für Nord­deutsch­land zu ent­wi­ckeln. Hier­bei sind ei­ner­seits Me­tho­den und Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung und Ent­wick­lung eines funk­tio­na­len Bo­den­ge­fü­ges er­for­der­lich. An­de­rer­seits wird ein de­tail­lier­te­res Wis­sen über die im Sys­tem „Boden – Pflan­ze“ re­le­van­ten Stoff­flüs­se be­nö­tigt, um res­sour­cen­ef­fi­zi­en­te Be­wirt­schaf­tungs­maß­nah­men ent­wi­ckeln zu kön­nen. Dies soll unter gleich­zei­ti­ger Be­rück­sich­ti­gung der ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen des Pflan­zen­baus (u.a. Pflan­zen­er­näh­rung, Phy­to­me­di­zin, Land­tech­nik) durch mul­ti­fak­to­ri­el­le Ver­suchs­an­la­gen am Stand­ort Os­ten­feld („Lin­den­hof“) und wei­te­rem Aus­bau der Kom­pe­ten­zen des land­wirt­schaft­li­chen La­bors am Stand­ort Os­ter­rön­feld rea­li­siert wer­den.