"NE­BEN­SCHAU­PLÄT­ZE" von Einar Tur­kow­ski

"NE­BEN­SCHAU­PLÄT­ZE" von Einar Tur­kow­ski

Der Zeich­ner und Il­lus­tra­tor Einar Tur­kow­ski prä­sen­tier­te vom 20. Juni bis 17. Juli 2019 seine fi­li­gra­nen, de­tail­vol­len und er­zäh­le­ri­schen Ar­bei­ten im Bun­ker-D. Unter dem Titel „Ne­ben­schau­plät­ze“ zeig­te der viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Künst­ler neben noch nicht ge­zeig­ten Bil­dern, zahl­rei­che Ori­gi­nal-Il­lus­tra­tio­nen aus den zu­letzt ver­öf­fent­lich­ten Bü­chern sowie ei­ni­ge groß­for­ma­ti­ge freie Ar­bei­ten, die eine Brü­cke zwi­schen Il­lus­tra­ti­on und frei­er Kunst schla­gen.

 „Von Kind an hat es mich ge­reizt, durch und mit Bil­dern Ge­schich­ten zu er­zäh­len. Ich moch­te schon immer das se­ri­el­le Ar­bei­ten und die Ver­bin­dung von Text und Bild“, sagt der Buch­au­tor. Seit 2005 hat Tur­kow­ski acht Bü­cher ver­öf­fent­licht, dar­un­ter u. a. „Die Nacht­wand­le­rin“, „Es war fins­ter und merk­wür­dig still“ oder „Die Mond­blu­me“. Viele sei­ner Il­lus­tra­tio­nen sind mo­no­chrom bzw. schwarz-weiß ge­hal­ten. Um der ein­far­bi­gen Zeich­nung Span­nung zu ver­lei­hen, ar­bei­tet der Künst­ler mit allen er­denk­li­chen Kon­tras­ten.

Seine mo­no­chro­men Il­lus­tra­tio­nen haben stets eine er­zäh­le­ri­sche Kom­po­nen­te. Sie wol­len in eine un­be­kann­te Welt ent­füh­ren, doch las­sen dem Be­trach­ter stets die ei­ge­ne Fan­ta­sie: „Der Be­trach­ter ist ge­for­dert, muss sei­nen ei­ge­nen Kopf an­stren­gen, ei­ge­ne Lö­sun­gen fin­den und mit­den­ken.“ Die de­tail­vol­len Blei­stift­zeich­nun­gen fol­gen also dem Text und er­zäh­len den­noch ihre ei­ge­ne Ge­schich­te.

Tur­kow­ski il­lus­triert zwi­schen den Zei­len. Er er­zeugt mit sei­nen fi­li­gra­nen Zeich­nun­gen Ne­ben­hand­lungs­strän­ge, die nicht eins zu eins dem Text fol­gen. Jede er­neu­te Be­trach­tung of­fen­bart an­de­re De­tails und Ne­ben­schau­plät­ze, aus denen sich ganz neue Ge­schich­ten ent­wi­ckeln könn­ten. Es geht darum, Dinge im Ver­bor­ge­nen zu ent­de­cken, Dinge, die schein­bar un­wich­tig sind. Der Künst­ler lädt die Be­trach­ter also auf eine Ent­de­ckungs­rei­se ein, auf eine Suche nach Ne­ben­schau­plät­zen.

Neben sei­nen Il­lus­tra­tio­nen prä­sen­tier­te Tur­kow­ski an den Stirn­wän­den groß­for­ma­ti­ge Ar­bei­ten. Sie gehen auf Ku­gel­schrei­ber­zeich­nun­gen aus sei­nem Skiz­zen­buch zu­rück und zeich­nen sich durch einen schnel­len sowie dy­na­mi­schen Strich aus. So hat er im Werk "Mo­ment­auf­nah­me" eine Stadt­vil­la und den Park Güell ver­ar­bei­tet, durch die Über­la­ge­rung mit dem Grau sind je­doch nur noch ei­ni­ge far­bi­ge De­tails zu er­ken­nen.

Der Künst­ler be­ar­bei­tet in sei­nen Wer­ken je­doch auch hoch­ak­tu­el­le The­men wie Um­welt­zer­stö­rung, Kli­ma­wan­del und Krieg. So zeigt das Werk „Wi­der­stand“ eine stei­ner­ne Trep­pe, die ins Nir­gend­wo führt. Auf der letz­ten Stufe steht ein Mäd­chen, das ein Schrift­stück in den Hän­den hält. Der Him­mel über ihr ist be­völ­kert von Bal­lons, Kampf­flug­zeu­gen und zäh­ne­flet­schen­den Un­ge­heu­ren, die auf das Kind her­ab­stür­zen. In­spi­riert wurde Tur­kow­ski dazu von der Klima-Ak­ti­vis­tin Greta Thun­berg. Sie ist „das Mäd­chen, das ein­fach da­steht und keine Angst hat“, so der Künst­ler.

Einar Tur­kow­ski ist 1972 in Kiel ge­bo­ren und stu­dier­te in Ham­burg Il­lus­tra­ti­on in der Klas­se von Rü­di­ger Stoye. Der Künst­ler lebt und ar­bei­tet als Autor und Il­lus­tra­tor in sei­ner Ge­burts­stadt. Er war Do­zent für das Fach Buch­il­lus­tra­ti­on an der Hoch­schu­le für An­ge­wand­te Wis­sen­schaf­ten in Ham­burg und un­ter­rich­tet zur Zeit Il­lus­tra­ti­on an der Muthe­si­us Kunst­hoch­schu­le in Kiel. Die Ar­bei­ten Tur­kow­skis wer­den na­tio­nal sowie in­ter­na­tio­nal aus­ge­stellt und be­ka­men zahl­rei­che Aus­zeich­nun­gen.