Ben Siebenrock "Apocalypso"

Eingefasst in Kortenstahl überspannt der Fries den neuen Haupteingang des Bunker-D.
Name der Künstlerin Ben Siebenrock
Werktitel „Apocalypso“
Erscheinungsjahr 2016

Das Fries nimmt eine Sonderstellung im Werk von Ben Siebenrock ein, weil es bewusst assoziativ ohne einen Gesamtplan entstand.

Durch das Material Ton fiel dieser Schritt leicht, während z. B. Stein meistens einen Gesamtplan erfordert.

Der einzige thematische Überbau rührt von der Idee her, modellhaft das berühmte Pergamon-Fries in die Gegenwart zu überführen. An den Dehnungsfugen kann man die Tagwerke wie bei einem Fresco gut ablesen. Diese sind von rechts nach links entstanden, darum folgt die Beschreibung auch dieser Richtung.

Rechts ist vor einem Atomkraftwerk ein Motorradfahrer zu sehen, der vor einer weiblichen Figur mit bewegtem weißen Kleid niederkniet. Diese Frau war offensichtlich sein Schutzengel bei einem Unfall, denn sie hebt den Arm eines toten Motorradfahrers. Die Szene wird von einem „Baum der Erkenntnis“ überwölbt, aus dem dämonenhafte Gesichter hervorlugen.

Es folgt ein Anubis, ein Schakal, der in Ägypten Wächter der Grenze zwischen Leben und Tod war. Auf dem zerquetschten Auto darüber liegt eine Katze auf der Kühlerhaube, die sich die Abwärme der Katastrophe zunutze macht, während im Hintergrund die Karosserie eines Wartburgs wie ein Sarg fort getragen wird.

Derweil verheddert sich vorne ein Feuerwehrmann mit einem Löschschlauch, ähnlich wie Laokoon beim Kampf mit der Schlange oder Monsieur Hulot, der versucht, ein Feuerwerk zu löschen.

In der Bauchhöhle des Elefanten wohnt ein (Angst-)Hase. Diese Wohnsituation könnte auch von Hieronymus Bosch stammen.

Über dem Elefanten donnert gerade wie ein gewaltiger Stosszahn eine Concorde hinweg, deren Triebwerke schon brennen. Auf der Tragfläche sitzt noch ein Hase, zum Absprung bereit. Die suggerierte Lautstärke wird durch ein großes Ohr verdeutlicht.

Am Boden liegt eine Schwangere, die von gereckten Armen umgeben ist, die um Rettung flehen. Elefanten sind für ihre Fähigkeiten bei der Geburtshilfe bekannt. Darum beachtet  ein Elefantenjunges aufmerksam die Szene.

Es folgt ein Adler, der sich einen kleineren Adler gekrallt hat. Bei Baselitz lassen sich ähnliche Motive finden.

Eine Nummer kleiner sind die Kanarienvögel im Doppelpack, die in einem Strandkorb sitzen und das Alter Ego von Max Ernst ( Lop – Lop) als eineiiges Phänomen repräsentieren, ungerührt durch eine riesige Hand, die als Macht des Schicksals gerade einen Tanker in den Abgrund drückt.

Den Schlussakkord bildet eine Rapunzelmadonna, deren Zopf in einem Schlangenkopf endet, auf den sie aber ihren Fuß gesetzt hat, während sie gerade ein Baby (Christus?) verdrischt. Auch dieses Motiv kann man bei Max Ernst finden.

Text: Ben Siebenrock

Das eigens für den Haupteingang des Bunker-D entworfene Vordach umrahmt und schützt das Fries.
Die Elemente erinnern an historische Szenen des Pergamonalatars (Foto: Jan Petersen)
...wirken jedoch in Siebenrocks Interpretation mordern und aktuell. (Foto: Jan Petersen)



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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.08.2017  aktualisiert