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„Kritisches Denken nicht behindern, sondern befördern“

Kiel, 09.05.2017 Sich selbst bezeichnet Flemming Hansen als deutsch-dänischen Fischkopf. Im September vergangenen Jahres übernahm der Wissenschaftler die Professur „Sozialwirtschaft/Soziale Ökonomie“ am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Kiel. Zuvor lehrte er an der Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften an der Fakultät Handel und Soziale Arbeit im Fachgebiet Sozialarbeitswissenschaft.

Thomas Richter (TR): Herr Hansen, warum haben Sie sich für Ihr Studium entschieden?

Flemming Hansen (FH): Wichtige Motive waren unter anderem der Kontakt zu Menschen sowie eine sinnvolle und gemeinnützige Betätigung. Damit lag ich richtig: die Soziale Arbeit ist eine handlungsorientierte Profession, die sich die Initiierung und Gestaltung von Entwicklung zur Aufgabe gemacht hat. Sie begleitet Menschen, Institutionen und sogar soziale Räume oder Regionen bei Veränderungsprozessen und trägt somit zum gesellschaftlichen Wandel bei.

TR: Würden Sie für uns bitte die Begriffe „Sozialwirtschaft“ und „Soziale Ökonomie” einmal genauer erklären?

Flemming Hansen
In Sønderborg geboren und im deutsch-dänischen Grenzgebiet aufgewachsen: Prof. Dr. Flemming Hansen.

FH: Ich möchte den mir übertragenen Aufgabenbereich in etwa so beschreiben: Die „Sozialwirtschaft“ ist, etwas vereinfacht gesagt, die Wirtschaftsbranche, in der soziale, bildungs- und gesundheitsbezogene Dienstleistungen erbracht werden. Eine ihrer Besonderheiten ist, dass neben der ökonomischen auch eine soziale bzw. solidarische Zwecksetzung das Handeln leitet oder wenigstens leiten sollte. Die „Soziale Ökonomie“ dagegen befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, also mit gesellschaftlichen und sozialen Folgen wirtschaftlichen Handelns sowie den Möglichkeiten politischer Interventionsstrategien und zivilgesellschaftlichen Engagements. Ich interpretiere das als Mandat, mich in Lehre, Forschung und Praxistransfer mit den komplexen Herausforderungen unseres Gesellschaftsmodells zu beschäftigen, die sich z.B. aus ökologischen und ökonomischen Krisen sowie dem demografischen Wandel ergeben und nur interdisziplinär bearbeitbar sind. Daher beschäftige ich mich mit Fragen von „Nachhaltigkeit“: wie können soziale, ökonomische, kulturelle und ökologische Transformationsprozesse in modernen Gesellschaftsordnungen gestaltet werden?

TR: Was waren die Themenschwerpunkte Ihrer bisherigen Arbeit?

FH: In der Lehre habe ich an meinen vorherigen Hochschulen thematisch ein recht breites Spektrum abgedeckt. Allerdings habe ich bereits im Studium den Schwerpunkt „Planung, Organisation und Betrieb Sozialer Dienste“ gewählt, ich interessiere mich in Forschung und Praxistransfer insbesondere für Fragen der Steuerung und Regulierung personenbezogener Sozialer Dienstleistungen bzw. des Managements von Organisationen der Sozialwirtschaft. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der Sozialinformatik. In den vergangenen Jahren kamen Aspekte des Strukturwandels in ländlichen Regionen hinzu. Hochschulpolitisch habe ich mich u.a. als Studiendekan und Dekan engagiert, zuletzt an der Fakultät Handel und Soziale Arbeit an der Ostfalia Hochschule.

TR: Warum fiel Ihre Wahl auf die FH Kiel als neuen Arbeitsplatz? Wie Sie eben sagten, waren Sie bereits als Hochschuldozent tätig. Was ist an dieser Einrichtung anders?

FH: Mich hat das Fachgebiet sehr gereizt, zudem hatte ich als in Sønderborg in Dänemark geborener und im deutsch-dänischen Grenzgebiet aufgewachsener Fischkopf so die Gelegenheit, beruflich wieder in meiner Heimat tätig zu werden. Was mir an der FH Kiel besonders gefällt, ist die Bedeutung, die hier in Lehre, Forschung und Praxistransfer dem interdisziplinären Arbeiten gegeben wird. Die IDW sind nach meiner Meinung ein großartiges Instrument, um über den Tellerrand zu schauen.

TR: Was genau möchten Sie den Studierenden hier vermitteln?

FH: Die fachlichen Themenbereiche sind ja bereits angesprochen. Darüber hinaus bemühe ich mich um Lehr- und Prüfungsformate, die selbständiges und kritisches Denken sowie Eigeninitiative der Studierenden nicht behindern, sondern befördern. Diese Schlüsselkompetenzen sind nicht nur für spätere Arbeitsgeber und Arbeitgeberinnen, sondern auch für die Zukunft unserer Gesellschaft maßgeblich.

TR: Nach Ihrem ersten Semester: Wie sind Ihre ersten Erfahrungen an der FH Kiel?

FH: Insbesondere durch das Einstiegsprogramm für neuberufene Professoren und Professorinnen konnte ich mich schnell in der FH Kiel einleben. Ich freue mich besonders darüber, dass ich bereits jetzt die Möglichkeit habe, mich in fachbereichsübergreifenden Arbeitsgruppen zu engagieren.

TR: Haben oder hatten Sie persönliche Anknüpfungspunkte an diese Stadt?

FH: Für einen Schleswig-Holsteiner ist Kiel vor allem die Landeshauptstadt, insofern fühle ich mich hier natürlich heimisch. Und Möwen auf dem Campus hat man ja auch nicht überall. Kiel ist aber auch, dies ist ja vergleichsweise ungewöhnlich, der einzige Hochschulstandort in unserem Bundesland, an dem Soziale Arbeit gelehrt wird. Insofern sehe ich ganz Schleswig-Holstein als mein Betätigungsfeld.

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