25 Jahre "KUBUS BALANCE" von HD Schrader - der Weg vom Plöner Schloss auf das Dach des Bunker-D am Kieler Ostuferhafen

Der Kubus an seinem alten Standort auf der Terrasse des Plöner Schlosses (1990-2002)

Zwölf Jahre lang zierte die "KUBUS BALANCE" die Terrasse des Schlosses Plön. Der Künstler HD Schrader schuf das aus zwei ineinander verhakten Elementen bestehende Werk im Jahr 1990 für die Sommerausstellung des Plöner Kunstvereins. Um es an seinem Standort zu erhalten, erwarb das Land Schleswig-Holstein das Kunstwerk. Niemand ahnte damals, dass Plön dieses Werk 12 Jahre später verlieren und es für weitere 12 Jahre in der Versenkung verschwinden würde.

Eingelagert und doch nicht vergessen
eingewachsen und angerostet lagerte

das Werk auf dem Kieler Betriebshof

Als das Schloss im Jahr 2002 verkauft wurde, musste die imposante Installation "KUBUS BALANCE" abgebaut werden, da der neue Besitzer sie nicht übernehmen wollte. Das zum Landeskunstbesitz zählende Kunstwerk wurde abtransportiert und war seitdem auf dem Betriebshof des Autokranbetriebes Baudienst Kiel eingelagert. Für den Transport mussten die ineinander verhakten Elemente getrennt und dafür ein Seitenteil heraus geschweißt werden. Die beiden Objektteile von jeweils vier mal vier Metern ruhten so in der hintersten Ecke des Lagerortes und gerieten beinahe in Vergessenheit.

Dieter Pape mit dem Model der in Plön installierten KUBUS BALANCE

Doch ganz vergessen war die "KUBUS BALANCE" nie - als dem Vorstandsmitglied des Plöner Kunstvereins Dieter Pape von Ministerpräsident Torsten Albig am 31.10.12 die Medaille des Bundesverdienstkreuzes verliehen wurde, kamen beide auf dieses Thema und dann darin überein, dass der Fachhochschul-Campus auf dem Ostufer mit seinen vielfältigen Kulturangeboten und der Kunst im öffentlichen Raum die neue Heimat des Werkes werden könnte. So kümmerten sich beide um diese Idee - Dieter Pape sprach mit HD Schrader und die Kunstreferentin Anne Nilges aus der Kulturabteilung nahm Kontakt zu Kanzler Klaus-Michael Heinze auf, der die Galerie im Bunker-D betreibt und die Kunstsammlung auf dem FH-Campus zusammengetragen hat.

Am 22.11.13 besuchten dann HD Schrader und Dieter Pape Klaus-Michael Heinze in der Fachhochschule in Dietrichsdorf. Hier wurde seit 1990 die Fachhochschule Kiel angesiedelt und das gesamte Areal zu einer modernen Hochschule ausgebaut. Heute arbeiten hier rund 400 FH-Beschäftigte, die 7.000 Studierende betreuen. Aus der ehemaligen Industriebrache hat sich ein Kulturquartier entwickelt, in dem vielfältige Kultur- und Kunstprojekte verwirklicht sind.

Nach einem gemeinsamen Rundgang über den Fachhochschul-Campus und einem regen dreistündigen Gedankenaustausch waren die Beteiligten sicher, hier einen geeigneten Standort zu finden. Nach weiteren Treffen und mehreren folgenden Standortuntersuchungen wurde vom Künstler entschieden, dass das Werk auf dem Dach des Bunker-D, dem Kultur- und Kommunikationszentrum der Fachhochschule Kiel in der Schwentinestraße, seinen neuen Platz finden sollte.

Das Kunstwerk wird vom Lagerplatz abgeholt und zur Kieler Werft TKMS transportiert

Im Jahr 2014 baute Klaus Heinze ein Netzwerk von Freunden und Förderern, Spendern und Sponsoren auf, holte Zustimmungen und Genehmigungen ein. Der nun anschließende Prozess ähnelte einem normalen Bauvorhaben, wobei es für die Restaurierung und Installation der "KUBUS BALANCE" keinen Etat gab. Nahezu alle Arbeiten wurden durch ehrenamtliches Mitwirken erbracht und fast alle Kosten durch Spender und Sponsoren übernommen.


So haben sich der Architekt Dipl.-Ing. Mario Neu von Neu Architekten Preetz und der Bauingenieur und Statiker Dipl.-Ing. Conrad Hansen vom Kieler Büro für Struktur und Festigkeit für das Baugenehmigungsverfahren und die Baubegleitung engagiert. Das Stadtplanungsamt und das städtische Bauamt haben, wie der Ortsbeirat Neumühlen-Dietrichsdorf, das Amt für Denkmalpflege und das Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck, das ambitionierte Projekt ausdrücklich begrüßt und zeitnah genehmigt. Die Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) hat die Konstruktions- und Schweißarbeiten und die  Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH die Kosten für die Lackierung übernommen. An der LED-Beleuchtung haben sich die Kieler Stadtwerke und das Unternehmen Gosch & Schlüter beteiligt. Von der Landesregierung wurden die Transport- und Kranmontagekosten übernommen. Allein durch das sehr gute Zusammenwirken und das engagierte Handeln der Akteure konnte es gelingen diese Herausforderung zu meistern. Allen an diesem Projekt Beteiligten sei an dieser Stelle für das besondere Engagement gedankt!

Von links: Conrad Hansen, Klaus Heinze, Hannah Schrader, HD Schrader und Roland Hirche

Der Künstler im Gespräch mit dem Verantwortlichen für Konstruktion und Schweißarbeiten Roland Hirche

Bei einem weiteren Treffen des Künstlers und des FH-Kanzlers im April 2015, an dem auch Hannah Schrader, der Statiker Conrad Hansen, der Spediteur Carsten Mohr und Roland Hirche von der Werft teilnahmen, wurden die letzten technischen Details der Konstruktion und der Montage besprochen. Bei diesem Treffen wurde das Dach des Bunker-D genauestens unter die Lupe genommen und der genaue Standort der "KUBUS BALANCE" festgelegt.

In 18 Metern Höhe auf dem Bunkerdach

Die Idee des Künstlers, die "KUBUS BALANCE" über dem Dach des Bunkers "schweben" zu lassen, war eine besondere Herausforderung für das Planungsteam. Der auf dem Bunkerdach mittig errichtete Beobachtungsturm musste erhalten bleiben und die beiden mittleren Stützen tragen. Zusammen mit den beiden äußeren Stützen stabilisieren nun diese vier Stelen die "KUBUS BALANCE" in vier Metern Höhe über dem Bunker-D.

Ganz hoch und noch darüber hinaus
Schweiß- und Restaurationsarbeiten auf dem Werftgelände von TKMS

Das Kunstwerk soll auf dem Dach des Bunkers einen schwebenden Charakter verkörpern. Dafür mussten die zerlegten Teile zusammengefügt und sichere Konstruktionsverbindungen geschaffen werden. In direkter Abstimmung mit HD Schrader und dem Statiker Conrad Hansen wurde eine modifizierte Form der "KUBUS BALANCE" entwickelt, die auf filigran wirkenden Stelen scheinbar schwebt. Zur Befestigung des Kunstwerks wurden von der TKMS speziell konstruierte vier Meter hohe Stützen und Sockel gefertigt, auf denen das große rote Vieleck lagert. Die Konstruktion und die Schweißarbeiten übernahmen Roland Hirche und sein Schweißerteam der TKMS in werfteigenen Werkstätten. Hierfür wurde dort ein maßstabsgetreu nachgebautes Miniaturmodell der "KUBUS BALANCE" gefertigt. Dieses der "CampusKunst-D"-Sammlung überlassene Modell sowie das von HD Schrader übereignete Modell der Plöner KUBUS BALANCE sind jetzt im Foyer des Bunker-D ausgestellt. Eine Animation des Plöner Modell sehen sie hier ...

Die Spuren der Zeit am Werk wurden beseitigt, die Schweißverbindungen erneuert und das ganze Werk leuchtend rot lackiert.

Die Befestigungskonstruktion wurde von den Mitarbeitern der TKMS in Form von vier Meter hohen Stützen gefertigt.

Im September 2015 wurde der restaurierte Kubus zum Bunker-D transportiert, auf dem Dach montiert und feierlich eingeweiht. Das Ostufer erhielt damit ein neues auch vom Westufer zu sehendes Wahrzeichen.

Alles rund um das aufwendige Projekt wie Planung, Statik, Transport, Restaurierung, Lackierung und Montage wurden über Spenden und Sponsoren finanziert, ohne die die leuchtend rote "KUBUS BALANCE" niemals ihren Weg auf das Dach des Bunker-D gefunden hätte. 




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  Diese Seite wurde zuletzt am  22.05.2017  aktualisiert