Zurück in heimischen Gewässern

Kiel, den 05.11.2014

Im Alter von drei Jahren zog Henning Strauß mit seinen Eltern von Niedersachsen nach Kiel. Nach Abitur und Grundwehrdienst begann der gebürtige Uelzener eine Ausbildung zum Bau- und Möbeltischler. Eine gute Entscheidung, wie er selbst sagt, denn in dieser Zeit entschloss er sich zu studieren. Ein Maschinenbaustudium an der TU Dresden und die Promotion am Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der TU Braunschweig weckten sein Interesse an der Produktionstechnik. Nun hat Prof. Dr.-Ing. Strauß den Weg in seine alte Heimat wiedergefunden: Seit dem 1. Oktober 2014 lehrt er „Arbeitsplanung/Arbeitsvorbereitung im Bereich der Produktionstechnik“ am Fachbereich Maschinenwesen der Fachhochschule Kiel (FH Kiel).

Laura Berndt (LB): Willkommen zurück, Prof. Strauß! Freuen Sie sich, wieder in Ihrer alten Heimat zu sein?

Henning Strauß (HS): Auf jeden Fall! Ich bin in Kiel zur Schule gegangen, habe einen Großteil meines Lebens hier verbracht und viele schöne Erinnerungen aus dieser Zeit. Wasser, Kieler Woche, der THW – Kiel ist einfach eine super Stadt mit offenen Menschen und vielen Freizeitmöglichkeiten.

LB: Für Ihr Studium in Dresden haben Sie 1999 Schleswig-Holstein verlassen. Warum haben Sie sich für den Studiengang Maschinenbau entschieden?

HS: Technik hat mich schon immer begeistert und dabei durfte auch gerne etwas „Greifbares“ entstehen. Wer das kombiniert, geht entweder in die Konstruktion oder in die Produktionstechnik. Ich kann zwar auch konstruieren, aber die Ideen anderer umzusetzen und am Ende ein Produkt in der Hand zu halten, macht mir persönlich mehr Spaß, deshalb bin ich Diplomingenieur für Verarbeitungs- und Verfahrenstechnik geworden.

Prof. Dr.-Ing. Henning Strauß
Prof. Dr.-Ing. Henning Strauß freut sich über die Rückkehr nach Kiel. Foto: FH Kiel

LB: Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer bisherigen Tätigkeiten?

HS: Nach meiner Forschungstätigkeit habe ich mich intensiv mit der Instandhaltung und Redesigns von Schienenfahrzeugen beschäftigt. Dabei war ich im Rahmen der Produktionsvorbereitung für die technische Umsetzung von Fahrzeugprojekten und Umbauten zunächst im DB Werk Neumünster, anschließend in vier weiteren Werken verantwortlich. Es ist schon beeindruckend, wenn die einzelnen Fahrzeuge getaktet durch die Fertigung laufen und das vorher entwickelte Produktionskonzept somit aufgeht.

LB: Wie würden Sie Fachfremden Ihr Arbeitsgebiet erklären?

HS: Die Produktion ist das Gesamtgefüge aller komplexer Informations-, Bearbeitungs- und Materialkreisläufe einer Fabrik: vom Stanzen einfacher Blechteile über das Fräsen und Bohren bis zu robotergestützten Füge- oder Montageprozessen. Sie funktioniert nur dann, wenn auch die Produktionstechnik funktioniert, das heißt wenn das Material zum richtigen Zeitpunkt bestellt, gebucht und geliefert ist, die Anlagen entsprechend verknüpft sind und das Personal mit übereinstimmenden Auftragsinformationen versorgt ist. Das gelingt heutzutage nur noch über entsprechende Planungs- und Steuerungstools, die sich am Ende mit anderen Informationen in einer „Digitalen Fabrik“ zusammenführen lassen.

LB: Was ist eine „Digitale Fabrik“?

HS: Die Abbildung aller Produktions- und produktionsbegleitenden Prozesse in digitaler Form, also die Vernetzung einer Fabrik und ihrer Dateninformationsströme von der Anfrage der Kundinnen und Kunden bis zu den bezahlten Rechnungen. Produktionstechnikerinnen und -techniker können dadurch rein virtuell eine Fabrik mit ihren Informations-, Material- und Logistikflüssen planen.

LB: Die „Digitale Fabrik“ ist ein spannender Aspekt der Produktionstechnik, die Sie an der FH lehren. Warum haben Sie sich für die FH Kiel entschieden?

HS: Zum einen bin ich „nordisch by nature“ und dann ist Kiel einfach super. Zum anderen sind die Möglichkeiten an der FH hervorragend und ich denke, dass ich meine Zukunft hier gut gestalten kann. Besonders reizt es mich, mit meinen Kolleginnen und Kollegen am Institut für Produktionstechnik und am Institut für CIM-Technologietransfer die bereits erwähnte „Digitale Fabrik“ aufzubauen, denn das zusätzliche Angebot für Unternehmen ist sicherlich ein großer Schritt in Richtung Produktionszukunft. Mit der Professur am Fachbereich Maschinenwesen kehre ich nach drei Jahren wieder zurück in die Lehre. Darüber freue ich mich sehr, denn ich habe bereits die Zeit an der TU Braunschweig mit den Studierenden sehr genossen und diese als äußerst produktiv empfunden.

LB: Was wollen Sie den Studierenden vermitteln?

HS: Ich möchte sie für die Produktion begeistern. An dieser Stelle entstehen die Produkte, an dieser Stelle investiert ein Unternehmen, sofern es noch selbst produziert, am meisten. Das Ergebnis ist greifbar und der Weg dahin technisch interessant. Für jedes neue Produkt wird eine Produktion oder Produktionslinie aufgebaut. Hierbei müssen ökonomische, ökologische wie auch soziale Aspekte berücksichtigt werden. Ich denke, da ist für alle was dabei. Außerdem hoffe ich, dass es den Studierenden viel Spaß machen wird, sich am Aufbau der „Digitalen Fabrik“ zu beteiligen.

Kurzbiographie

seit Oktober 2014: Professor in der Produktionstechnik (Arbeitsplanung und   Arbeitsvorbereitung, PPS)  

2013 - 2014: Leiter Industrial Engineering für die Systembereiche Fahrzeuge/    Unfall und Projekte bei der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH  

2011 - 2013: Leiter Produktionsvorbereitung und Produktionsoptimierung, DB    Fahrzeuginstandhaltung Werk Neumünster  

2005 - 2011: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Werkzeugmaschinen   und Fertigungstechnik (IWF) der Technischen Universität Braunschweig, Promotion (2012)  

1999 - 2005: Studium der Verarbeitungs- und Verfahrenstechnik, Fachbereich      Maschinenwesen Technische Universität Dresden




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  Diese Seite wurde zuletzt am  22.02.2017  aktualisiert