Einbruch auf dem FH-Campus – Zeitplan des NIS-Baracken-Umbaus gefährdet

Kiel, 29.08.2012

Die WC-Räume stehen unter Wasser, Rohre ragen verbogen aus der Wand, Heizkörper liegen am Boden. Kein schöner Anblick. Vor allem nicht für Alexander Stade. Betrübt steht der Installateur vor dem Chaos, das die Diebe hinterlassen haben. Er hatte die gesamte Heizungsanlage in zwei der NIS-Baracken auf dem FH-Campus gerade erst grunderneuert – und nun das: In den frühen Morgenstunden des 22. August 2012 waren Einbrecher gewaltsam in die Baracken eingedrungen, hatten die Heizkörper von den Wänden gerissen und sämtliche Kupferrohre entwendet. Jetzt muss Alexander Stade die ganze Arbeit noch einmal machen – und das am liebsten gestern, denn pünktlich zum Vorlesungsbeginn sollen die neuen Seminarräume in den NIS-Baracken fertig sein.
Der Blick in einen der zukünftigen Seminarräume
Der Blick in einen der zukünftigen Seminarräume

Der Bedarf an Seminarräumen ist da, und er ist groß. „Die Fachhochschule Kiel wurde ursprünglich für 3.800 Studierende konzipiert. Mittlerweile studieren am Standort Kiel 6.000 Menschen“, sagt Uwe Bothe, Leiter der Liegenschaftsabteilung der FH Kiel. Daher entschieden Präsidium und Liegenschaftsabteilung im vergangenen Jahr, die NIS-Baracken umzubauen, um vier Seminarräume mit je 50 Plätzen entstehen zu lassen. Seitdem koordinieren Martina Löwenstrom und Andreas Grassmann von der Hochschule gemeinsam mit dem Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) die Umbauarbeiten, für die am 21. Mai 2012 der ‚erste‘ Spatenstich fiel. Bislang hatte alles gut geklappt – aber jetzt ist der straffe Zeitplan gehörig ins Wanken gekommen. „Wir wollten um den 10. September zum Vorlesungsbeginn fertig sein. Das wird wohl nichts werden“, sagt Percy Gaza aus der Liegenschaftsabteilung. Denn nicht nur das Zeitbudget ist eng. Die Fachhochschule ist als Landeseinrichtung nicht versichert; sie muss die Kupferrohre aus eigenen Mitteln ersetzen. „Das Geld hätten wir auch sinnvoller einsetzen können“, sagt Gaza. Wie hoch der Schaden sei, könne er derzeit nicht abschätzen. Die genauen Zahlen liegen dann vor, wenn alle damit verbundenen Rechnungen gestellt und die zusätzlichen Arbeitsstunden von Alexander Stade ausgerechnet sind.

In die NIS-Baracken wurde bereits häufiger eingebrochen. Sie liegen am nördlichen Rand des Campus, in direkter Nachbarschaft des Seehafens Kiel, und damit ziemlich abseits. Vor allem in der vorlesungsfreien Zeit oder gegen Abend ist hier niemand unterwegs. „Das wird sich durch die Nutzung als Seminarräume künftig ändern“, hofft Uwe Bothe.
Die NIS-Baracken haben schon einiges hinter sich. 1965 von der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) errichtet, dienten sie zunächst der Unterbringung von 180 türkischen Gastarbeitern. Später zog die IT-Abteilung von HDW in die eingeschossigen Gebäude, daher auch der Name: ‚NIS‘ steht für Norddeutsche Informationssysteme. Als die Hochschule 1998 auf die Industriebrache von HDW und Hell zog, übernahm sie neben dem Hochhaus und einigen weiteren Gebäudekomplexen auch die Baracken. Damals dienten sie als Asylbewerberheim. Später zogen AStA und Studienkolleg ein. Selbst alte Zuserechner und andere IT-Dinosaurier lagerten hier jahrelang, bevor sie 2011 in das Computermuseum umzogen. Von den ehemals vier Gebäuden stehen heute noch drei. „Eine Baracke haben wir vor einigen Jahren abbrechen lassen“, sagt Bothe. „Eigentlich sind sie gebaut worden, um etwa 25 Jahre zu überdauern – mittlerweile sind sie fast 50 Jahre alt und dafür noch in einem recht guten Zustand.“

Schon öfter wurde in die NIS-Baracken eingebrochen
Schon öfter wurde in die NIS-Baracken eingebrochen

Trotzdem sollen die Seminarräume in den NIS-Baracken nur eine Übergangslösung sein. „Wenn die Bibliothek gebaut wird, entstehen ausreichend Seminarräume“, so Bothe. Ohnehin müssten die Baracken abgebrochen werden, sollte die Stadt die geplante Westtangente zur Umgehung des Campus bauen. „Deshalb wollen wir die Seminarräume möglichst zügig und preisgünstig, aber gleichzeitig voll funktionsfähig und einigermaßen ‚gemütlich’ herrichten – und das unter Einhaltung aller bauaufsichtlichen Spielregeln.“ Das heißt: Sanitäranlagen und Elektrik werden erneuert, die Baracken mit dem Datennetz der FH verbunden, Fenster und Türen ausgetauscht, eine Schließanlage installiert, die Beschilderung angebracht, Anfahrtswege eingerichtet und natürlich kommen Tische, Stühle und Beamer in die Seminarräume. „Das ist der ganze ‚Rattenschwanz’, wenn ich neue Nutzer in funktionsfähige Räume setzen will“, erklärt Uwe Bothe. Und nicht zu vergessen eine funktionstüchtige Heizungsanlage, an der Alexander Stade schon wieder fleißig werkelt. Und damit ihm die Diebe nicht noch einmal ins Handwerk pfuschen, werden die Baracken ab jetzt streng bewacht.

Text und Fotos: Jana Tresp




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